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Mehr als nur berührend: »Nach Mattias« von Peter Zantingh

»Nach Mattias« von Peter Zantingh

Mattias ist tot. Und sie sollten über das Buch »Nach Mattias« keine Rezensionen lesen, sondern gleich das Buch des niederländischen Autors Peter Zantingh. Aber lesen Sie vorher doch noch diese Rezension, denn dann wissen Sie, warum.

Das Buch »Nach Mattias« von Peter Zantingh mutet bereits optisch leicht melancholisch an. Also leicht und melancholisch. Das markante Cover des Diogenes Verlags zeigt ein Gemälde von Raphaëlle Martin und den Rücken einer Frau, die einsam und verlassen an einem Strand oder unendlichen Pool sitzt. Das Blau des Wassers auf dem Schutzumschlag wird wunderbar von der Farbe des Leinencovers aufgegriffen.

Der Autor Peter Zantingh ist 1983 geboren, und in diesem Alter war auch Mattias. Der tritt in diesem Roman nicht persönlich auf, da er tot ist. Stattdessen tragen alle Kapitel den Namen von Menschen aus seinem Umfeld. Die Freundin. Der beste Freund. Die Mutter. Die Großeltern … Sie erzählen aus ihrer jeweiligen Perspektive, was nach Mattias‘ Tod passiert ist, und natürlich erfahren wir als Leserin oder Leser auf diesem Wege nach und nach, was passiert ist und warum Mattias tot ist.

Feine Buchgestaltung in Blau: »Nach Mattias« von Peter Zantingh
Feine Buchgestaltung in blauem Leinen: »Nach Mattias« von Peter Zantingh

Das ist alles andere als originell. Eine Geschichte, die sich aus den Geschichten anderer formt, erschien unlängst sogar im selben Verlag: »Der Sprung« von Simone Lappert.

Aber schließlich kommt es nicht auf die Form, sondern auf Umsetzung, Sprache und Inhalt an. Da in diesem Buch die Erzähler einfache Menschen sind, gibt die Sprache des Buches nicht viel her, sie ist ebenfalls einfach und vom Mündlichen getrieben.

Inhaltlich glaubt man zunächst, ins Banale abzusteigen, zumal dann, wenn man zuvor den Klappentext gelesen oder sich den Buchtrailer bei YouTube angeschaut hat. Es scheint ein Buch aus der Lebenswirklichkeit der Menschen zwischen 25 und 35 zu sein, deren höchster Traum es ist, dereinst ein hippes Café zu eröffnen. Wir erleben eine eher einfache und langweilige Lebenswirklichkeit, in die der Tod eine Lücke gerissen hat. Soll das alles sein? Ein Buch, das um die Kalenderspruchfrage kreist, was nach dem Tod eines Menschen von ihm bleibt? Ein Buch, von dem Leserinnen und Leser in einer ähnlichen Lebenswirklichkeit sagen, dass »es sie berührt habe«? Dass es sie »nachdenklich gemacht habe«?

Da scheint auf den ersten Seiten von »Nach Mattias« nichts zu sein, das über sich hinausragt, das nur annähernd neu und originell wäre. Nichts, was man nicht an andere Stelle besser gelesen hätte. Von einem Diogenes Buch – wenn es nicht gerade von Paulo Coelho ist – würde man mehr erwarten.

Doch dann ab Seite 84 kommt die Geschichte von Nathan. Endlich der erste interessante Charakter, und der Zusammenhang dieser Figur mit Mattias‘ Leben bleibt zunächst unklar. Man sollte sich jedoch davor hüten, Rezensionen des Buches zu lesen, die in großen oder kleinen Teilen die Handlung von »Nach Mattias« schlecht nacherzählen und spoilern. Man beraubt sich ab Seite 84 bis 232 vieler überraschender Lesemomente, wenn man Details über die Verbindung der Charaktere verraten bekommen hat.

Das Buch kommt mit einer eigenen Spotify-Playlist. Warum? Das ist im Buch nachzulesen.
Das Buch kommt mit einer eigenen Playlist. Warum? Das ist im Buch nachzulesen.

Und dass das Buch zum Ende hin zu den kleinen Betrachtungen eine gesellschaftliche hinzufügt, ohne diese breit zu treten, könnte in manchen Rezensionen dazu führen, das große Ganze zu enthüllen.

Das soll hier nicht passieren.

Peter Zantingh walzt das Offensichtliche nicht aus, führt nicht alles bis ins letzte Detail aus. Dinge bleiben wohltuend offen.

Es spricht zwar nicht für ein Buch, wenn man darauf hinweisen muss, dass es erst im zweiten Drittel interessant wird, doch nach »Nach Mattias« bleibt man mit dem Eindruck zurück, dass man kein schlechtes Buch gelesen hat.

Wolfgang Tischer

Zantingh, Peter; Ehlers, Hanni (Übersetzer): Nach Mattias. Gebundene Ausgabe. 2020. Diogenes. ISBN/EAN: 9783257071290. 22,00 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
Zantingh, Peter; Ehlers, Hanni (Übersetzer): Nach Mattias. Kindle Ausgabe. 2020. Diogenes Verlag AG. 18,99 €  » Herunterladen bei amazon.de Anzeige

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