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Erste Male, die verzaubern: »Der große Sommer« von Ewald Arenz

Der große Sommer von Ewald Arenz
Das Buch »Der große Sommer« von Ewald Arenz vor einem Badesee. Klicken Sie für einen großen Sprung auf das Bild.

»Der große Sommer« von Ewald Arenz ist ein atmosphärischer, dichter und vielschichtiger Coming-of-Age-Roman der 1980er-Jahre. Man möchte nicht nochmal so jung sein. Aber man wünscht sich, selbst einen so großen Sommer erlebt zu haben – oder einen zu erleben.

Ewald Arenz, Jahrgang 1965, ist Autor und Gymnasiallehrer. Er hat zahlreiche Romane und Theaterstücke geschrieben. Sein jüngster Romane »Der große Sommer« erschien im Dumont Verlag. Das Covermotiv des ins Wasser gesprungenen Jungen inmitten schäumender Luftblasen bebildert eine Romanszene. Ein liebevolles gestalterisches Detail ist die haptisch-erhabene Prägung der Blasen.

Der Coming-of-Age-Roman spielt zu Beginn der Achtzigerjahre. Im Buch erfahren wir, dass das Jahr 1948 bereits 33 Jahre zurückliegt. Heutzutage würde eine Jugend wohl größtenteils vor Bildschirmen und Smartphone-Displays stattfinden, 1981 erlebte die Jugend noch Abenteuer. So richtige reale Abenteuer – wie das obligatorische Ins-Schwimmbad-Einbrechen oder Im-Steinbruch-Toben. Oder einfach nur Fahrradfahren. Ganz selbstverständlich raucht man.

Friedrich Büchner, genannt Frieder, droht, nicht versetzt zu werden. Anstatt mit seiner Familie in den Sommerurlaub zu fahren, bekommt der 16-Jährige »Lernurlaub« bei seinen Großeltern verordnet, um sich auf die Nachprüfungen vorzubereiten. Dennoch verbringt Frieder den »großen Sommer« mit seinen Freunden.

Wir erfahren von Frieders großem Sommer aus der Ich-Perspektive. Erzählt wird jedoch aus der Sicht des erwachsenen Mannes, der mit Abstand auf seine Jugend zurückblickt. In wenigen, kurzen Passagen kommt der erwachsene Mann zu Wort.

Es geht um die erste große Liebe. Ums Erwachsenwerden. Um Freundschaft. Familie. Und Familiengeschichte. Schicksalsschläge. Leben. Abenteuer. Freiheit. Alle Figuren sind gespickt mit Eigenschaften, sie wirken lebendig und glaubhaft.

»Der große Sommer« ist ein zugleich leichter und schwerer Roman. Ewald Arenz ist ein Meister der Atmosphäre. Er schreibt poetisch und subtil. Und nicht ohne Humor. Tageszeiten und Stimmungen verwebt er mit der Handlung und den Gedanken des Erzählers:

»Für einen Augenblick war es, als wäre alles aus Licht gemacht. Die Kronen der Bäume eine Wolke von grün flimmerndem Licht. Der Fahrradweg aus betonhellem, gleißendem Licht. Almas Haare eine wild gesponnene Krone aus widerspenstigen Goldfäden. In diesem Moment hätte man nicht sagen können, welche Farbe ihr Haar hatte, so war es von der Sonne umleuchtet.«

Auf der Website des Verlags findet sich eine 15-minütige Audio-Datei, in der Arenz über seinen Roman spricht. Er verrät, dass das Grundgerüst seines Werkes autobiographisch ist. Aus den ersten verzaubernden Malen der Jugend wollte Arenz »eine Essenz machen«.

Das ist gelungen. Der Roman ist dicht und vielschichtig. Und er verzaubert. Man möchte als Leser gar nicht nochmal so jung sein. Aber man wünscht sich, selbst einen so großen Sommer erlebt zu haben – oder einen zu erleben.

Juliane Hartmann

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1 Kommentar

  1. Das Thema dieses Romans istveinfach nur wunderbar, der autobiographische Hintergrund notwendig, der Stil auf eine anrührende Weise spröde und doch sehr anschaulich. Ich habe sofort meine eigene Jugend wiederentdeckt – die ein paar Jahre früher sehr ähnlich stattgefunden hat.
    Trotzdem finde ich das Buch nur mäßig schön. Das hat zwei Gründe.
    Ein schludriges Lektorat. Zweimal auf der ersten Seite “irgendwie”. Dieses Wort beweist intellektuelle und künstlerische Faulheit. Ich könnte es genau beschreiben, so dass jeder Leser sich hineinfühlen kann, aber so gehts auch, Wird schon irgendwie stimmen. Nein. wird es nicht.
    Sodann: Eine dämliche Eins-zu-eins-Genauigkeit, vor allem bei den Dialogen. Kunst ist Verdichtung und Verfremdung. Immer. Wenn er beschreibt, ist Ewald Arenz Spitze. Das kann er auch in den Dialogen. Leider zu selten. Zu oft wirken sie wie ein Tonbandprotokoll.
    Wer sich sehr konkret an seine eigene Jugend erinnern möchte, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Die anderen könnten sich noch einmal “Tom Sawyer” vornehmen (das meine ich ernst) doer die Erzählungen von Ray Bradbury (“Raketensommer” zum Beispiel oder seinen wunderbaren Roman “Das Böse kommt auf leisen Sohlen”). Die wissen, wie man es macht.

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