StartseiteLiterarisches LebenBericht und Bilder: Lesung live in Second Life

Bericht und Bilder: Lesung live in Second Life

Am 14. Juni 2007 hat das literaturcafe.de seine erste Lesung in Second Life veranstaltet. Insgesamt drei Autoren lasen aus ihren Romanen, und mit 30 Avataren war die Veranstaltung überaus gut besucht. Für alle, die nicht dabei sein konnten und für die, die sich ebenfalls für virtuelle Lesungen interessieren, haben wir wie bei unserer ersten Veranstaltung wieder die wichtigsten Dinge in einem ausführlichen Bericht zusammengefasst. Außerdem gibt unsere Bildergalerie einen optischen Eindruck der Veranstaltung.

Konzept und Vorbereitung

Die Idee, eine Lesung in Second Life durchzuführen, entstand nach unserer Vortragsveranstaltung »Lesen jetzt im Web 2.0«, die ebenfalls in Second Life stattfand. Schnell stand fest, wer auf der digitalen Bühne des literaturcafe.de lesen sollte: Petra A. Bauer, Oliver Buslau und Titus Müller diskutierten bereits beim Vortrag lebhaft mit. Zum einen wussten wir also, dass sie mit der Bedienung von Second Life vertraut waren und zudem neugierig genug, um sich auf das Experiment einzulassen. Außerdem wussten wir, dass auch ihre Texte (vornehmlich Krimis und historische Romane) spannend genug für eine Aufführung sind. Alle drei waren sofort begeistert dabei.

Vorgabe für den Leseausschnitt war pro Autor eine maximale Länge von 10 Minuten und ein möglichst spannender und ansprechender Text. Diesen Text hatten die Autoren dann bereits im Vorfeld als MP3-Audiodatei aufgenommen, um die Lesung optimal zu gestalten.

Viele Veranstaltung in Second Life wie z.B. Konzerte haben inhaltlich keinen Live-Charakter. Musik und Bewegungen sind bereits im Vorfeld programmiert und auf Knopfdruck beginnt die Show. Die Avatare agieren dabei lediglich wie Roboter. Obwohl wir wie beschrieben die reinen Leseabschnitte vorbereitet hatten, wollten wir keine solche sterile Veranstaltung durchführen. Es war unser Anspruch, die Lesung live anzumoderieren, mit den Autoren im Vorfeld über ihre Bücher zu sprechen und Fragen aus dem Publikum zu ermöglichen.

Die Technik

Da Second Life derzeit noch keine bidirektionale sprachliche Kommunikation ermöglicht, hatten wir bei unserer ersten Veranstaltung hierfür Skype und einen sogenannten Skypecast eingesetzt. Das hat dort sehr gut funktioniert und die Anwesenden konnten Fragen stellen und aktiv mitdiskutieren. Der Kritikpunkt einiger Besucher war jedoch, dass Avatare, die nur Second Life, aber kein Skype installiert haben, von der Veranstaltung nichts mitbekommen, da ihnen der wichtige Ton fehlt. Denn eigentlich unterstützt Second Life zumindest die einseitige Übertragung von Musik und Sprache zum Nutzer. Dies wird bei den erwähnten »vorprogrammierten« Veranstaltungen eingesetzt.

Daher hatten wir uns der technischen Herausforderung gestellt, den Skype-Ton live in Second Life zu übertragen. Wer der Lesung zuhören wollte, benötigte also diesmal keine zusätzliche Software. Die Tonqualität dieser Übertragung war überaus gut. Die technische Leitung auf Seiten des literaturcafe.de koordinierte Live-Gespräche mit den zuvor aufgezeichneten MP3-Lesung nahtlos.

Stürzte bei unserer ersten Veranstaltung Second Life hin und wieder ab und war der Skypecast hingegen äußerst stabil, so war es bei der Lesung genau anders herum. Der Skypecast war so gut wie nicht aufzurufen, sodass wir uns spontan zu einer normalen Skype-Konferenz zwischen den Autoren und Wolfgang Tischer als Moderator des literaturcafe.de entschlossen haben. Leider war es so nicht möglich, dass die Besucher akustische Fragen stellen konnten. Diese Einschränkung mussten wir in Kauf nehmen, und zumindest funktionierte die Skype-Konferenz reibungslos. Das Publikum hatte die Möglichkeit, per Second-Life-Chat Fragen zu stellen. Die Übertragung des Skype-Tons nach Second Life lief hingegen problemlos.

Die Lesung

Alle waren sie pünktlich. 30 Avatare hatten sich um 20 Uhr eingefunden. Eine sehr große Resonanz, die uns angenehm überrascht hat. Beworben hatten wir die Lesung (neben einem Hinweis in Second Life selbst) hier im literaturcafe.de und in unserem Newsletter. Man würde nun vermuten, dass viele aus Neugier vorbeischauen und dann doch wieder rasch verschwinden. Doch das war nicht der Fall! Fast alle Avatare blieben bis zum Schluss der Veranstaltung, die inklusiv einer Abschlussdiskussion knapp über eine Stunde dauerte. Eine angenehme Erfahrung. Immer wieder gab es nach den sehr spannenden und auch stimmungsvollen Lesungen virtuell Applaus. Sowohl Publikum als auch Autoren und Veranstalter waren sehr zufrieden.

Wie bei einer echten Lesung gab es natürlich auch die Möglichkeit, die Bücher, aus denen gelesen wurde, gleich auf der Veranstaltung zu erwerben. Die Buchcover waren auf der Bühne aufgebaut und ein Klick darauf führte zur entsprechenden Seite bei Amazon.

Fazit

Obwohl wir beim literaturcafe.de bekanntermaßen Second Life nicht unkritisch gegenüber stehen, waren wir wieder einmal positiv überrascht. Die Lesung hat einfach großen Spaß gemacht! Definitiv können wir also zu solchen Einzelterminen raten. Technisch bleibt eine solche Veranstaltung – insbesondere bei unseren hohen Anforderungen – eine wackelige Sache, für die man sich auf jeden Fall einen Notfallplan bereitlegen sollte.

Was kommt als nächstes?

Die Bühne des literaturcafe.de in Second Life im virtuellen Baden-Württemberg steht jeder Autorin und jedem Autor offen! Melden Sie sich bei uns, wenn auch Sie einmal dort lesen wollen, egal ob Prosa oder Lyrik. Sie sollten lediglich die Basisbedienung von Second Life beherrschen und Ihren Avatar sicher durch die Gegend führen. Bei allen anderen technischen Dingen helfen wir Ihnen.

Stammtisch für Autorinnen und Autoren künftig jeden Donnerstag um 20 Uhr (MESZ)

Außerdem starten wir ab dem kommenden Donnerstag (21.06.2007) das Experiment »Stammtisch für Autorinnen und Autoren« und alle, die es werden wollen. Schauen Sie einfach einmal in Second Life vorbei. Das literaturcafe.de finden Sie im Bauernhaus am Ende des »Innovation-Parks« im digitalen Baden-Württemberg. Fliegen Sie am besten quer über den Bodensee, um dorthin zu gelangen. Wenn Sie die Second Life-Software inststalliert haben, können Sie einfach den folgenden URL klicken. Nach dem Start von SL weist Ihnen ein kleiner roter Pfeil und eine rote Leuchtsäule den Weg:

http://slurl.com/secondlife/Baden-Wuerttemberg/146/36/24

Danksagung

Das literaturcafe.de bedankt sich natürlich bei den drei Autoren Petra A. Bauer, Oliver Buslau und Titus Müller, dass sie mit Neugier und Pioniergeist sofort zugesagt haben. Ein besonder Dank geht erneut an die MFG Baden-Württemberg und insbesondere an den dortigen Projektleiter Stefan Sottner, der uns wieder wunderbar betreut und maßgeblich zum Gelingen beigetragen hat. Es zeigt sich, dass die Präsenz eines Bundeslandes in Second Life durchaus keine Spielerei ist und neue multimediale Experimentierfelder schafft – auch und gerade für die Kultur. Und natürlich geht unser Dank an alle Avatare, die bei er Lesung live dabei waren.

Sehen wir uns also wieder am kommenden Donnerstag zum Stammtisch für Autorinnen und Autoren?

Weitere Beiträge zum Thema

Vorheriger Beitrag
Nächster Beitrag

7 Kommentare

  1. einfach genial! leider war ich nicht dabei, aber der Bericht und Fotos zeigen wieder mal, wie super man sowas integrieren kann um es für Autoren nutzbar zu machen.
    Ganz grosses Kompliment an Wolfgang Tischer und sein Team !

Schreiben Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein.
Bitte geben Sie Ihren Namen ein