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Beitrag vom 28. Oktober 2016 | Rubrik: Literarisches Leben, Schreiben

Montségur Akademie: Warum noch eine Schreibausbildung, Herr Wilhelm?

Andreas Wilhelm - Romanautor und Gründer der Montségur Akademie (Foto: privat)

Andreas Wilhelm – Romanautor und Gründer der Montségur Akademie (Foto: privat)

Seit Jahren ist das Montségur Autorenforum die erste Anlaufstelle für Autorinnen und Autoren im Netz. Hier tauscht man sich zu allen Aspekten des Autorendaseins aus.

Nun hat Betreiber Andreas Wilhelm die »Montségur Akademie« ins Leben gerufen, eine intensive zweijährige Schreibausbildung mit hohem Anspruch. Ein Platz wird zudem als Stipendium vom Förderkreis der Autorinnen und Autoren in Baden-Württemberg vergeben.

Ein Gespräch mit Andreas Wilhelm.

Herr Wilhelm, Seminare, Workshops, Fernstudien und und und … Autorenfortbildungen und Kurse gibt es mittlerweile unzählige. Warum jetzt auch noch eine »Montségur Akademie«?

Andreas Wilhelm: Je einfacher es wird, etwas zu veröffentlichen – wie heutzutage im Netz oder als e-Book –, desto mehr Menschen beginnen sich für das Schreiben zu interessieren. Das Interesse an Schreibkursen ist ungebrochen, und auch viele Autoren bieten sie an, um die leider oft viel zu mageren Tantiemen aufzustocken, und das ist eine tolle Bereicherung. Mit Schreibkursen, in denen es darum geht »Wie schreibe ich einen Roman?«, »Wie verfasse ich lebendige Dialoge?« oder »Wie plottetet man mit Cliffhangern?«, wollen wir nicht konkurrieren. Was es unserer Beobachtung nach zu wenig auf dem Markt gibt, sind Angebote, die nicht nur einzelne Aspekte des Handwerkes beleuchten, sondern die eine umfassende und zusammenhängende Ausbildung anbieten. Dabei erlernt man nicht nur die Funktionsweise und Anwendung möglichst vieler fortschrittlicher Methoden und Werkzeuge, sondern taucht in die tieferen Schichten ein, lernt wie Inhalt, Struktur und Stil eine Einheit bilden, wie sich das eine aus dem anderen ergibt, wann welche Werkzeuge sinnvoll sind, und was zu tun ist, um eine spezielle Geschichte auf die bestmögliche Weise zu erzählen.

Wer ist die Zielgruppe der Akademie? Wer sollte sich bewerben und gibt es auch Personenkreise, für die die Akademie eher nicht geeignet ist?

Andreas Wilhelm: Die Akademie richtet sich ganz klar ein Menschen, die bereits Erfahrung mit dem Schreiben haben. Das spezifische Genre ist dabei zweitrangig, aber die Schreiberfahrung ist Voraussetzung dafür, das Erlernte richtig einordnen und anwenden zu können. Die Teilnehmer sollten zum Beispiel bereits einmal selbstständig Figuren entwickelt haben und eine Art Dramaturgie, um zu erkennen, wie das Erlernte ihre Arbeit bereichert oder ihre bisherigen Schwierigkeiten auflöst. Tatsächlich arbeiten die Dozentinnen der Akademie häufig mit bereits veröffentlichten Autoren, die sich über das jeweils natürliche Niveau ihres Talentes hinaus professionell weiterbilden möchten.

Montségur Akademie - Ausschnitt aus einem Screenshot

Die Ausbildung geht über zwei Jahre. Wer sind die Dozentinnen und von wem stammt das Ausbildungskonzept? Wie muss ich mir den Ablauf in diesen zwei Jahren vorstellen?

Andreas Wilhelm: Unsere drei Dozentinnen sind auf ihren jeweiligen Fachbereichen bereits seit Jahren erfolgreich tätig.

Bettina Wüst ist diplomierter Coach und wendet die entsprechenden Methoden auf die Psychologie der Figuren und der Geschichte an. Sie lehrt die psychologischen Grundlagen darüber, die eigenen Figuren zu verstehen, ihre Verhaltens- und Kommunikationsmuster, ihre Tiefe und ihr Entwicklungspotential. Es werden ein profundes Figurenprofil und ein authentischer Figuren-Entwicklungsbogen entwickelt.

Kerstin Mehle hat Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften studiert und arbeitet heute als Dramaturgin. Sie hat diverse TV-Serien dramaturgisch betreut, betreibt eine Development-Firma und lehrt an der Universität Basel und an der Filmakademie Ludwigsburg. Bei ihr werden die zuvor in sämtlicher Breite und Tiefe entwickelten Figuren nun durch verschiedene dramaturgische Modelle geführt, um die bestmögliche Struktur für die Geschichte zu finden, dramaturgische Lücken zu finden, und die verschiedenen Punkte zu besetzen.

Unsere dritte Dozentin ist Lisa-Marie Dickreiter. Sie hat nicht nur ihr Drehbuchstudium an der Filmakademie Baden-Württemberg mit Diplom abgeschlossen, sie ist darüber hinaus literarische Autorin und mit zahlreichen Literaturstipendien und -Preisen ausgezeichnet. Ihr Spezialgebiet ist die feine Dramaturgie. Sie erörtert und entwickelt die Details der bestmöglichen literarischen Umsetzung des Stoffes; hinsichtlich Erzählhaltung, Erzähltempus, Perspektive, Sprache, sämtliche stilistischen Aspekte, und sie gibt regelmäßig entsprechende Schreibworkshops für Autoren und namhafte Verlage.

Unsere Dozentinnen sind also einerseits spezialisiert, kennen und berühren aber auch die anderen Themengebiete. So konnten wir das Ausbildungskonzept gemeinsam gestalten. Jede von ihnen kann konzentriert in die Tiefe ihres Gebietes gehen, die Abgrenzungen und Überschneidungen sind untereinander genau abgestimmt. Die Dozentinnen stehen im engen Kontakt und betreuen die Schnittpunkte der Ausbildung gemeinsam, so dass das Weiterreichen von einer Dozentin zur nächsten nahtlos erfolgt.

Dozentinnen: Ausschnitt aus einem Screenshot der Akademie-Website

Was habe ich dann als Teilnehmerin oder Teilnehmer nach diesen zwei Jahren in der Hand? Niemand kann schließlich literarischen Erfolg garantieren.

Andreas Wilhelm: Ein Bestsellerrezept zu versprechen wäre wirklich unseriös. Uns geht es darum, Autoren eine fundierte Ausbildung bieten, den Werkzeugkasten zu füllen, sie zwei Jahre lang zu lehren und zu begleiten, und ihnen zu helfen, ihre spezifische Romanidee, ihr Werk bestmöglich umzusetzen. Wir möchten Autoren professionalisieren und ihnen die Hilfsmittel geben, diesem und ihren zukünftigen Werken den inhaltlichen und formalen Feinschliff zu geben. Die Erfahrung unserer Dozentinnen zeigt, dass auch bereits publizierte Autoren, Agenten und Verlage begeistert von den so entstehenden Qualitätssprüngen sind, und nicht ohne Grund sind alle drei Dozentinnen sehr gefragt. Der Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg ist von der Qualität der Montségur Akademie überzeugt und hat einen Teilnehmerplatz als Stipendium ausgeschrieben. Und dass wir zwei Lektorinnen von den Verlagen Hanser und Diogenes an Bord für die Auswahljury der Teilnehmer haben, macht ebenfalls nicht nur deutlich, dass das Akademie-Konzept in Fachkreisen Anklang findet. Es zeigt auch, dass wir hochprofessionellen Anspruch haben.

Mit 5.440 Euro über zwei Jahre ist die Teilnahme nicht ganz billig. Den literarischen Feinschliff muss man sich auch leisten können, zumal ja auch Fahrt- und Übernachtungskosten für die Präsenztermine hinzukommen.

Andreas Wilhelm: Unser oberstes Gebot ist herausragende Qualität. Um sie zu gewährleisten haben wir die Anzahl der Teilnehmer auf zehn begrenzt, da wir in größeren Gruppen nicht so intensiv arbeiten könnten, wie wir es möchten. Aus dem Qualitätsanspruch ergeben sich auch die Anzahl der aufeinander aufbauenden Wochenendseminare und die Intensität der Betreuung außerhalb dieser Termine. Hier stellen drei herausragende Expertinnen ihr umfangreiches Wissen, ihre Erfahrung, ihr Engagement für die individuellen Projekte und nicht zuletzt viele Monate ihrer Arbeitszeit zur Verfügung. Das hat seinen Wert und erfordert durchaus langfristige Hingabe und Verbindlichkeit. Wir nehmen den Anspruch der Akademie sehr ernst und erwarten dasselbe von den Teilnehmern.

Herr Wilhelm, wir danken für das Gespräch.

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