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Warum wird die Frankfurter Buchmesse nicht abgesagt?

Viele Menschen in und vor den Hallen: Die Frankfurter Buchmesse vor Corona
Viele Menschen in und vor den Hallen: Die Frankfurter Buchmesse vor Corona

Es würde weh tun. Das Oktoberfest ist 2020 abgesagt und der Berlin Marathon. Doch die Frankfurter Buchmesse soll im Oktober 2020 stattfinden. Offiziell heißt es, dass es »eine sehr besondere Messe« werden wird. Näheres will man im Juni verkünden. Aber kann man so lange wirklich noch warten?

Wer derzeit überhaupt über die Frankfurter Buchmesse im Oktober 2020 redet, macht es mit dem obligatorischen Nachsatz »wenn sie denn überhaupt stattfindet«.

»Wir sehen uns alle im Herbst in Frankfurt«, lautete die Parole, als wegen der Corona-Pandemie die Leipziger Buchmesse im März 2020 abgesagt wurde. Oktober. Das schien lange hin.

Doch mittlerweile wurde wegen Covid-19 das Verbot von Großveranstaltungen offiziell bis Ende August verlängert. Die Maskenpflicht in der Öffentlichkeit gilt in unterschiedlichen Ausprägungen in allen Bundesländern seit dem 27. April 2020.

Konkretes zur Frankfurter Buchmesse erst im Juni?

Es ist klar, dass auch im Herbst unser sozialer Umgang weiterhin eingeschränkt sein wird, besonders dort, wo viele Menschen zusammenkommen.

Letzte Woche wurde das Münchner Oktoberfest 2020 abgesagt und auch der Berlin Marathon am 27. September findet nicht statt, da die Stadt Berlin sämtliche Großveranstaltungen bis zum 24. Oktober 2020 untersagt hat.

Doch die Frankfurter Buchmesse 2020 ist bislang nicht abgesagt. »Es wird in jedem Fall eine sehr besondere Messe«, sagte eine Sprecherin gegenüber dem Hessischen Rundfunk. Es ist nur eine kurze Notiz. Laut will man es nicht sagen. Konkretes will man erst im Juni mitteilen.

Denn leise ist die Frankfurter Buchmesse mit ihren Mitteilungen schon seit einigen Wochen geworden. Während man ansonsten wöchentlich vermeldet, was so alles im Herbst auf der Messe geplant ist, herrscht seit geraumer Zeit Funkstille.

Selbst die FAZ kann in einem Artikel nur spekulieren. Man würde gerne nach Frankfurt kommen, kann es es sich aber nicht vorstellen, so die Stimmen aus der Buchbranche. Verleger Joachim Unseld von der Frankfurter Verlagsanstalt würde seine Buchmesseparty auf jeden Fall absagen. Unseld könne dies wegen der Gesundheit seiner Mitarbeiter, der Gäste und Autoren nicht verantworten, schreibt die FAZ.

Ein Buchmesse ohne Gastland Kanada?

Auch die erste größere Präsentation der geplanten Gastland-Aktivitäten Kanadas wurde Mitte März in letzter Sekunde abgesagt, Interviewtermine bis auf weiteres verschoben.

Neben der literarischen Leistungsshow präsentiert sich der »Guest of honor« natürlich auch als Reise- und Sehnsuchtsland. Aber wer will und kann schon reisen? Kanadas bekannteste Schriftstellerin gehört zur Hochrisikogruppe.

Die Messe ist nicht nur Großveranstaltung, sondern auch eine internationale Großveranstaltung. Aber wer will und kann aus den USA oder China oder Italien oder von sonst woher nach Frankfurt reisen?

Und das Gedränge speziell an den allgemeinen Besuchertagen am Wochenende ist auf der Buchmesse nicht geringer als auf dem Oktoberfest.

Zwei Meter Abstand in den Schlangen der Signierstunden? Die Schlange bei Sebastian Fitzek würde bis Darmstadt reichen.

Es liegt auf der Hand, dass es in diesem Jahr kein für alle Besucher offenes Messewochenende geben kann.

Natürlich würde es – so oder so – »eine sehr besondere Messe« werden.

Eine Absage der Frankfurter Buchmesse wäre ein verheerendes Signal für die Buchbranche, nachdem bereits die Leipziger Messe ausgefallen ist. Denn die Messe ist zudem Aufhänger, um den sich eine breite mediale Aufmerksamkeit und Berichterstattung dreht, der Bücher und Autoren ins Gespräch bringt. Wer will so ein Signal schon geben?

Doch schon jetzt laufen die Planungen in den Verlagen und bei anderen Ausstellern mit dem Nebensatz »wenn sie denn überhaupt stattfindet« im Kopf. Schon jetzt plant man kleiner und halbherzig. Welchen Auftrag kann man jetzt an wen vergeben, wenn irgendwann doch die Absage kommt?

Unsicherheit ist bisweilen schlimmer als schlimme Gewissheit, weil auch Alternativen nicht wirklich in Betracht gezogen werden.

Die Absage der Frankfurter Buchmesse 2020 würde weh tun. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dort, den Verlagen, den Besuchern, den Medien – und natürlich auch den Messebauern und Dienstleistern. Es sind so viele Menschen, so viele Dinge, so viele Existenzen, die damit verbunden sind.

Eine kleine symbolische Messe ohne Gastland, die nur unter strengen Regeln für ausgewählte Fachbesucher geöffnet ist? Eine in großen Teilen virtuelle Messe? Vielleicht. Aber es wäre nicht die Frankfurter Buchmesse. Und selbst ohne behördliche Vorgaben und Verbote, ist bereits jetzt klar, dass es die Frankfurter Buchmesse wie in den Vorjahren ohnehin nicht geben wird, weil viele nicht nach Frankfurt kommen wollen oder können.

Wolfgang Tischer

3 Kommentare

  1. Das läuft genauso wie mit der Leipziger Buchmesse: Aussteller, Autoren und Fans, werden hingehalten, um dann in letzter Minute zu erfahren, dass alles abgeblasen wird.

    Es entstehen Kosten durch Buchungen, die vermeidbar wären, solange noch die Möglichkeit einer Stornierung besteht.

    Aus meiner Sicht ist das schlicht UNVERANTWORTLICH.

  2. Man könnte die Buchmesse über weitere Messehallen verteilen, um den erforderlichen Abstand zu gewährleisten. Für was baut eigentlich die Messe immer größere Hallen, in diesem Jahr könnten sie von den Verlagen genutzt werden.

  3. Ich finde es sehr gut , das die Frankfurter Buchmesse eröffnet wird.
    Den als Buch und Bestsellerautor möchte ich dieses Jahr , mein 10.jähriges bestehen feiern.
    Zusammen mit den Verlag , wo alles vor 10. Jahren angefangen hatte.
    Damals nannte ich mich noch Michael Roscher , aber jetzt weil ich nun mehr Märchenbücher schreibe nenne ich mich (Dirk Michael Roscher).

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