Peter Handke: Literaturnobelpreis für eine Schlaftablette

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HandkeTabs von literaturopharm

Haben Sie Probleme mit dem Einschlafen? Dafür gibt’s doch Handke!

Der Literatur-Nobelpreis für Peter Handke überrascht letztlich nicht, denn in dieser Kategorie gab es schon allerlei Missgriffe wie etwa den Kitschmeister Hesse. Aber darum geht es nicht. Die Nobelpreise werden schließlich nur in den Kategorien vergeben, die Alfred Nobel wichtig waren, und zu entscheiden hatte ein Gremium.

Jetzt hat es den größten Langweiler der deutschsprachigen Literatur erwischt. Der Schriftsteller und Literaturkritiker Eckhard Henscheid nannte ihn in der ZEIT »einen Langweiler, der Langweilereien schreibt« und einen »ausgeruhten und entsprechend dumpf vor sich hin raunzenden und belfernden Handke Peter«. Und Thomas Bernhard befand – sinngemäß zitiert: Schriebe Handke einen Reiseroman, würde das Verlassen des Hauses bis zum Gartentor 60 Seiten dauern …

Mit dem albernen Sprechstück »Publikumsbeschimpfung« begann Handkes zweifelhafter Ruhm: Revolutionäres Theater! Nie zuvor Gehörtes und Gesehenes! Handke, der Vorzeige-68er!

Letztlich war es nur albern! Bis ins Kleinste schrieb Handke den Schauspielern vor, was sie zu tun und zu lassen hatten: Sie sollten sich die Litaneien in den katholischen Kirchen anhören, die Anfeuerungsrufe und die Schimpfchöre auf den Fußballplätzen, den Simultansprechern bei den Vereinten Nationen zuhören, die Gebärden der Tagediebe und Nichtstuer beim Gehen auf den Straßen und beim Spiel an den Spielautomaten ansehen usw. Gegenstände sollten hinter dem Vorhang über die Bühne geschoben werden, damit sie Geräusche machten usw.

Als Jugendlicher habe ich Theater geliebt, vor allem die Aufführungen der kleinen Bühnen. Zwei gab es in meiner Stadt: Die verwöhnten uns mit politischen Stücken von Sartre, Camus und Brecht.

Zwei Aufführungen von Handkes Publikumsbeschimpfung habe ich in den 1960ern miterlebt: Als die alberne Beschimpfung von uns Publikum begann, schimpften wir einfach zurück und verwandelten diese »revolutionäre« Aufführung in ein furioses Happening: Das Licht im Zuschauerraum ging an, der Intendant wandte sich an uns und bat, die Schauspieler nicht verbal anzugreifen, sie könnten nichts für diesen Text. Unser Gelächter und Gejohle führten zweimal zu einem Abbruch.

Meine späteren sporadischen Versuche mit diesem Handke endeten immer bereits nach wenigen Zeilen: Er war und ist eben ein ausgesprochener Langweiler. Doch dafür ist kein Raum in meinem Leben.

Malte Bremer

38 Kommentare

  1. Das sehen die meisten Literaturwissenschaftler wohl ein bißchen anders, vielleicht ein bißchen literarischen Nachhilfeunterricht nehmen, bevor Sie sowas schreiben!
    Was empfiehlt Klaus Kastberger, der Handke-Experte als Einstiegslektüre, vielleicht unterhalten Sie sich das nächste Mal in Klagenfurt ein bißchen mit ihm!
    Das “Wunschlose Unglück” vielleicht oder Sie lesen den “Standard-Artikel” “Handke für Anfänger”, das wäre doch eine Idee!
    Meinen Sie das Ernst oder ist das wieder ein Test, ob man Humor versteht, beziehungsweise ein Versuch sich als “Nobelpreisträgerbeschimpfer” zu betätigen?

    • Nunja. Literaturwissenschaftler_innen haben naturgemäß einen anderen Blick auf Literatur. Es gelten in der Wissenschaft ganz eigene Kriterien, die der souveräne Leser nicht übernehmen muss. Weder ist es disqualifizierend noch zustimmungsheischend, wenn ein Lesender zu dem Ergebnis kommt: »Das, was dieser Autor schreibt, interessiert mich nicht im Geringsten.«

      Kurt Tucholsky schreibt im grundlegenden Text zu seinem Selbstverständnis als Literaturkritiker 1931:

      »Leben ist aussuchen. Und man suche sich das aus, was einem erreichbar und adäquat ist, und an allem andern gehe man vorüber.« (in: Die Aussortierten)

      Es ist aus meiner Sicht vollkommen legitim und eher ein Zeichen für Souveränität, Werke liegen zu lassen, weil sie einen nicht ansprechen.

      • Ja, natürlich, muß ich das nicht lesen und kann sagen, das liegt mir nicht, das ist mir zu schwierig und zu kompliziert!
        Aber auf einem Literaturportal einen Nobelpreisträger, der ein allgemein anerkannter, sehr poetischer Dichter ist, als größten Langeweiler zu bezeichnen, finde ich schon ein wenig seltsam und man sollte vielleicht ein oder zwei Bücher von ihm lesen, bevor man sich dieser Meinung anzuschließt und sofort “Stimmt!”, schreit, weil man sonst vielleicht einen falschen Eindruck bekommt!

        • Nun, »allgemein anerkannt« scheint mir bei Handke nicht zuzutreffen, wie ja schon die obigen Zitate zeigen und wie Sie anhand der aktuellen Reaktionen ohne Zweifel erkennen können.

          Der Autor hat doch selbst gesagt, dass er durchaus Handke-Erfahrung hat und diese mündet nun mal in diese Einschätzung. Und überhaupt: Was soll der Verweis auf eine wie auch immer geartete öffentliche Meinung? Wieso soll die schwerer wiegen als die individuelle Leseerfahrung? Konsequent zu Ende gedacht, kämen wir da doch bei Kaisers neuen Kleidern raus.

          Ich verstehe Ihren Punkt immer noch nicht. Auch wenn alle Welt rufen würde »Oh, was für ein großartiger Dichter!«, stünde es jede_r Leser_in und gerade doch einem Literaturportal zu, eine hiervon abweichende Meinung zu haben. Und die kann, darf und soll dann auch mal polemisch geäußert werden. Ich sehe hierin eher einen Gewinn. Lobhudeleien gibt es genug. Da ist »Aber der Kaiser ist doch nackt!« zwischendurch durchaus erfrischend und schärft die Sinne.

          • Ja, aber man kann alles wertfrei ausdrücken und das schien mir bei diesem Bericht nicht gegeben und ich fürchte fast, daß er Leser davon abhalten könnte sich mit Handke zu befassen, was ich sehr schade finde und das Wort “Langeweiler” erscheint mir bei Handke auch sehr unangemessen unnd würde es durch “Poetische Langsamkeit” ersetzen, was in Zeiten, wie diesen, wie man auch an den Kommentaren mreken kann, sehr wichtig ist!
            Das wollte ich damit ausdrücken und Sie jetzt fragen, was ist Ihre Meinung zu Peter Handke, was haben Sie von ihm gelesen und was halten Sie von ihm? Lebe Grüße aus Wien!

          • Ja natürlich, aber Peter Handke wird wahrscheinlich von mehr Leuten für einen großer Dichterl als für einen niveaulosen Langeweiler gehalten, das fand ich bisher nur im Literaturcafe, die andere Diskussion, die, die auch Sasa Stanisic erwähnte, kenne ich und die ist wahrscheinlich länger zu diskutieren, als die Frage, ob Peter Handke ein Langeweiler ist, nur weil wir nicht die Lesespanne haben, uns auf ihn einzulassen!
            Schön übrigens Sie hier wieder zu treffen, ich habe schon gedacht ich hätte Sie ganz an die Rechten verloren!

  2. Ach Gott, Frau Jancak, nur weil Literaturwissenschaftler das anders sehen, darf man Herrn H. nicht “Langweiler” nennen. Was für eine Obrigkeitstreue … Handke ist ein Langweiler, man muss nur den “Versuch über die Jukebox” lesen.

  3. Nachdem ich mich über Herrn Tischers Buchbesprechung gewundert, beinahe schon geärgert hab – wenig Aussage in schlechtem Deutsch; klingt nach flüchtig hingeschluderter Gefälligkeitsrezension – habe ich nun mit Malte Bremers Meinung über Handke mein Lächeln wiedergefunden. Danke dafür, dass ich nun den Newsletter doch nicht abbestellen muss!

  4. Wenn es nur die Langeweile wäre. Nein, Handke hat mit seinen Serbien-Büchern dokumentiert, was seine mit viel Pseudometaphysik aufgeladene Pseudoästhetik zeitigt, die behauptet, man müsse nur sehr genau schauen, um die Welt besser zu verstehen, als alle Journalisten, die da recherchieren. Es zeitigt schwülstigen Mist, den Blick in die “trautigen Augen” von einem wie Radovan Karadžić, dem verurteilten Kriegsverbrecher, eine Rede am Grab von Slobodan Milošević. Ich war im Frühjahr zum wiederholten Male in Sarajevo. Ich kann das nur jedem empfehlen. Der Blick wird sofort frei von Handkeschen Verkleisterungen. Es gibt dort sechs Museen zur Belagerung und zum Bosnien-Krieg, u. a. eine Ausstellung der Zeugnisse der Kinder der zehntausenden Frauen, die von Serben vergewaltigt wurden, während man den Männern in Konzentrationslagern mit Zangen die Hoden abriss, bevor man sie aufs grausamste massakrierte. Die Straßen sind bis heute übersäht von den Spuren genau jener Verbrecher, für die Handke meinte sich einsetzen zu müssen. Als Wahlhesse sage ich nur: Handkäs mit Musik ist mir lieber. Und auch hat ja heute jemand den Deutschen Buchpreis bekommen, der zeigt, wie man die Wirklichkeit zu Wort kommen lässt und nicht irgendwelche hanebüchenen, verquasten Sprachgespinste verzapft: Saša Stanišić. Dessen Roman “Herkunft” ist nicht nur ein geeignetes Antidot gegen die Serbien-Lügen von Handke, sondern eben auch ästhetisch sehr viel ernstzunehmender.
    In diesem Sinne.

  5. Das ist ein anderes Thema, von dem es mich wunderte, daß es bisher noch nicht erwähnt wurde. Ich denke aber auch, wie die schon erwähnten Literaturwissenschaftler Klaus Kastberger und dann noch Jochen Jung, etcetera, daß man das Politische vom Poetischen trennen muß und was Sasa Stanisic betrifft, denke ich, daß er sich für den Preis auch nur bedanken und auf eine diesbezügliche Frage was er von Hande halte “Politisch nicht sehr viel, er soll aber ein guter Dichter sein!”, antworten hätte können.
    Dann hätte man ihn auch verstanden und sich mit dem poetischen Handke zu beschäftigen, statt über ihn loszuziehen, würde ich sehr empfehlen!

    • Sehr geehrte Frau Jancak,
      das Politische vom Poetischen zu trennen ist ein Missverständnis, das ja gerade die Voraussetzung schafft für ein Verständnis, das versteht, wo sich nichts mehr verstehen lässt. Ich bin der letzte, der einem Schriftsteller nicht zugestehen würde, dass er sich auch mal ideologisch verirren kann. Niemand ist davor gefeit. Franz Tumler, dessen Prosagedicht „Volterra“ besser ist als alles, was Handke in seiner stillen Stube zu Papier gebracht hat, Tumler hat auch absolut unsägliche Texte geschrieben. Aber er hat später dazugelernt und dann eben auch eine Poetik entwickelt, die der Wirklichkeitsfindung dient.
      Bei Handke, dessen frühen Werken ich durchaus etwas abgewinnen konnte, fallen mir leider Milan Kunderas Anmerkungen zum Thema Kitsch ein. „Der Kitsch ist die absolute Negation der Scheiße“, schreibt Kundera sehr drastisch in „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“. In „Die Kunst des Romans“ fallen dann Worte, die ich 1:1 auf den späten Handke anwenden würde, auch wenn ich die Lektüre der „Versuche“ u. a. irgendwann zugebenermaßen aufgegeben habe (und genau aus dem Unbehagen, das jetzt folgt): „KITSCH. Als ich Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins schrieb, war ich etwas unsicher, weil ich das Wort ‚Kitsch‘ zu einem der Schlüsselwörter des Romans gemacht habe. Dieses Wort war nämlich in Frankreich noch vor kurzem fast unbekannt. In der französischen Fassung des berühmten Essasy von Broch ist das Wort ‚Kitsch‘ mit art de pacotille übersetzt. Ein Sinnfehler, denn Broch legt dar, daß Kitsch etwas anderes ist als bloß ein geschmackloses Werk. Es ist eine kitschige Einstellung. Kitschiges Verhalten. Das Bedürfnis nach Kitsch des Kitschmenschen: es ist das Bedürfnis, sich im Spiegel der beschönigenden Lüge zu betrachten und sich mit gerührter Befriedigung darin zu erkennen.“ Ende des Zitats. Kann man Handkes Spätwerk präziser charakterisieren? Und das noch von Kundera: „Der Kitsch ist eine spanische Wand, hinter der sich der Tod verbirgt. Noch bevor man uns vergessen wird, werden wir in Kitsch verwandelt. Der Kitsch ist die Umsteigestation zwischen dem Sein und Vergessen.“
      Insofern konnte Saša Stanišić nicht die von Ihnen vorgeschlagenen Worte sagen. Es wäre ein Verrat an zigtausenden Toten gewesen. Nein, Stanišić hat genau die richtigen Worte gefunden. Sein Roman ist ironisch, witzig, gewitzt, zuweilen sehr anrührend. Das geht Handke ab. Für ihn gilt: Gewaber ist Programm. Soll er meinetwegen über den stillen Ort wabern (auch da schafft er es noch, „die Scheiße zu negieren“), für mich ist das alles nichts. Wenn er aber versucht, Verbrechen zu negieren und das über Jahre notorisch, dann gilt nur eins: Man muss ihm auf die Finger hauen! Insofern sage ich: Danke, Saša Stanišić!
      Mit freundlichen Grüßen
      S. Martin

  6. So gehen die Ansichten auseinander und man kann, wie man sieht, sich nicht mehr herrlich darüber streiten, was legitim wäre, sondern sogar an seinen Ansichten zerfleischen, was nicht mehr so gut ist. Am Ende kommt es zum Bürgerkrieg darüber oder Peter<Handke legt, was auch schon vorgekommen ist, seinen Preis zurück oder nimmt ihn gar nicht an.
    Für mich bleibt er einer der größten österreichischen Dichter, obwohl ich gar nicht soviel von ihm gelesen habe, trenne das Politische vom Poetischen, das ich gar nicht für so langweilig und zerschnurbelt, wie hier behauptet wird, sondern für großartig finde und daher, wie Sie vielleicht merken können, von obigen Artikel nicht viel halte und ihn nur, wie auch die darauffolgenden Kommentare mit einem erstaunten Kopfschütteln zur <kenntnis genommen habe und was und wie Sasa Stanisic, dessen Erregung ich durchaus nachvollziehen kann, antworten oder nicht antworten konnte, wissen wir wohl beide nicht so wirklich, liebe Grüße aus Wien!

  7. Von wegen Schlaftablette, sieht eher als permanenter Alptraum und Dauerdurchschlafstörung aus, zuminstest das wäre also falsch und von dem anderen könnte man sich überzeugen, wenn man die Bücher liest und Langsamkeit und Entschleunigung höre ich immer, tut gu,t in dieser überhetzten multitasking Zeit, wo die Konzentrationsspanne offenbar nur für ein paar Minuten und einen empörten Aufschrei reicht!

  8. Mich interessiert was die Herren und Damen Handke- Hasser gewöhnlich so lesen, dass ich einordnen könnte, welche Maßstäbe sie anlegen für die rigorosen Urteile, die ich, das merkt man sicher, nicht teile.
    Falls zum Beispiel die Bücher Frau Pilchers ihre Regale füllten, hätte ich, ich gebe es zu, ein Vorurteil, die Urteilsfähigkeit betreffend.

    • Lieber Herr Reimann,

      ums Mal mit meiner verstorbenen Mutter zu sagen: Lieber ein gesundes Vorurteil als gar keine eigene Meinung.
      Unter dieser Prämisse wäre mir Ihre Meinung zu einem Bücherregal voller Pilchers sogar sehr nah. Wobei das Pilchersche Werk letztlich gar nicht so schlecht sein soll, wenn ich mich korrekt an den Nachruf von Wolfgang Tischer hier im Literaturcafé richtig erinnere (https://www.literaturcafe.de/rosamunde-pilcher-rettung-aus-der-fernsehhoelle-ein-nachruf-in-drei-kurzgeschichten/)
      Aber andererseits verstehe ich die Aufregung um Handke nicht. Er war mal angesagt. Damals waren wir beide jung: Handke und ich. Inzwischen sind wir beide – und vermutlich eine Reihe anderer Handke-Liebhaber und -Ablehner ebenso – in die Jahre gekommen. Ich hab ihn als junger Mann gelesen und fand ihn toll. Aber damals fand ich auch Hermann Hesse toll. Und zu beiden Autoren hat sich mit zunehmenden Alter und steigender Lebens- und Leseerfahrung meine Meinung geändert. Inzwischen finde ich Hesse nämlich auch langweilig. Was aber weder das literarisches Werk, Schaffen und den Einfluss beider Autoren keineswegs schmälert.

      • Mag sein, dass manche Literatur den Leser besser unterhält, der aus der Generation des Autors kommt. Andererseits mag ich z.B. Goethes “Faust” oder den “Stechlin” Fontanes sehr gerne, ganz zu Schweigen von vielen französischen Klassikern. Und bin doch etwas später, als diese Herren geboren. Auch nach Generationen ist Qualität natürlich erkennbar, falls der Blick darauf und alles hinter dem Blick nicht zu eng ist.

        Was Handke angeht, unabhängig von Zuneigung oder Abneigung, welcher deutschsprachige Autor hat schon so viele kontroverse Reaktionen in den letzten Jahrzehnten erzeugt? Und somit Literatur in die öffentliche Diskussion gebracht. Mag sein Böll noch. Vielleicht Grass. Das ist für sich genommen schon mal nicht schlecht. Wäre es ein Autor ohne Qualität, hätte doch kein Hahn gekräht, oder Hund gebellt.

        Den Pilcher – Link habe ich angeklickt und den Artikel gelesen. Was soll ich sagen? Pilcher hat viele Leser und Zuschauer der Verfilmungen, wer bin ich mich darüber zu erheben?

    • Lieber Herr Reimann,
      was Ihre Frage zum Inhalt meines Bücherregals betrifft, so verrate ich Ihnen den Titel eines meiner Lieblingsbücher: “Die Wand” von Marlen Haushofer. Übrigens Österreicherin.
      Viele finden dieses Buch tödlich langweilig. Zugegeben, das durch eine unsichtbare Wand abgeschottete Leben auf der Alm ist inhaltlich in der Tat nicht spannend. Aber: Die Abläufe sind hochspannend ge/beschrieben. Das ist es, was mich an Literatur in erster Linie interessiert –die Sprache. Die Wand zu lesen, war diesbezüglich für mich ein Hochgenuss. Denn Haushofer beherrschte eine große literarische Kunst: Einfachheit in der Ausdrucksweise. Vermeintliche Einfachheit, konkret gesagt. Denn einfach zu schreiben, ist nicht einfach. Das weiß jeder, der sich mit Schreiben beschäftigt …

      • Wenn es um einfaches, geradeliniges Schreiben geht: Ich erinnere mich an eine autobiographische Schrift Handkes, deren Titel mir nicht einfallen will, in der er eine Wohnung und die Wohnsituation einer Familie der Kriegs-Generation in den Fünzigern beschreibt, die arm war, sich in ihr Schicksal gefügt hat. (alles besser, als Bomben und Hunger, aber arg verhaftet in spießbürgerlichen Anschauungen)

        Einfache Sätze, die jeden der die Zeit erlebte, sicher stark berührt haben.

        Das Buch von Marlen Haushofer kenne ich nicht. es wurde mit Martina Gedeck verfilmt, so weit ich weiß. Ich lese eher französiche und englische Literarur. Es gibt so viele gute Autoren weltweit. Das Leben ist einfach zu kurz für alle.

        • Lieber Herr Reimann, hier ein Link zu einem Blogbeitrag, den ich 2014 über “Die Wand” verfasst” habe. Dort habe ich auch einen kleinen Absatz aus dem Buch zitiert, der mich mit seiner beeindruckenden Einfachheit emotional sehr berührt hat. Möglicherweise auch, weil ich auf dem Land aufgewachsen bin …
          https://www.editionblaes.de/weltliteratur-vom-feinsten-die-wand/

          PS: Die Verfilmung wurde der Großartigkeit des Buches in keiner Weise gerecht. Vermutlich liegt das daran, weil das Buch von seiner Sprache lebt. Und die kann man schwer in Bildern darstellen.

          • Liebe Frau Blaes, danke für den Link. Ich fürchte, das ist nicht für mich geschrieben.

            Für mich geschrieben ist (zumindest, was zeitgenössische Literatur anhgeht) alles von Marie Luise Kaschnitz.

            Vieles von Jean Echenoz “14” und “Ravel”; Lemaitre “Die Farben des Feuers “; Claudel, einiges von Mondiano. Auch Alice Munro oder Toni Morrison.
            W.G. Sebald. “Austerlitz” höre ich zum dritten mal gerade, wunderbar von Michael Krüger gelesen. Und kürzlich hörte ich Iris Berben zum dritten mal, mit “Ein Festtag” von Graham Swift, von dem ich gerade “Ich wünschte, Du wärst hier” lese. Ich warte immer mit Ungeduld auf ein neues Buch von Patrick Deville “z.B. Pest und Cholera”.

            Mit schlechtem Gewissen muss ich sagen, deutsche Autoren sagen mir meist nicht so viel. (Als freischaffender Maler, möchte ich natürlich selbst deutsche Interessenten haben für meine Arbeiten, ich selbst dagegen…)

            Kürzlich las ich ein paar Erzählungen von Monika Maron. Waren gut.

      • Diskutieren wir nicht über die Qualität allgemein angekannter Literatur, weil das nichts bringt, die “Wand” ist ein hervorragendes Buch einer hervorragenden Autorin, das “Wunschlose Unglück” und noch vieles andere von Handke ist es, der “Faust”, “Der Mann ohne Eigenschafgten” und noch unzählige andere Werke, von den wir in der Schule lerntenm die vielleicht auch nicht so leicht zu lesen sind, die sollten wir stehenlassen, auch wenn wir lieber “Harry Potter” oder rosemarie Pilcher lesen.

        • Vielleicht sollten wir dann einmal über den Begriff “allgemein anerkannte Literatur” diskutieren, verehrte Frau Jancak.
          Aber mit Ihnen werde ich das bestimmt nicht machen, weil Sie meinem Eindruck nach nur mit Menschen diskutieren, die Ihrer Meinung sind. Was das Ganze ad absurdum führt.
          Solange Menschen wie Sie, also Menschen, die meinen, ALLES über Literatur zu wissen und ultimativ beurteilen zu können, in solchen Foren wie dem Literaturcafé Meinungen Andersdenkender vom Tisch fegen, ist eine fruchtbare Diskussion aussichtslos. Denn wenn eine Partei meint, sie habe die Weisheit mit Löffeln gefressen, sind Hopfen und Malz verloren.
          PS: Kommentare mit weniger Tippfehlern lesen sich angenehmer.

          • Ich meine absolut nicht alles über Literatur zu wissen, ein bißchen aber schon, weil ich mich schon sehr lange und, wie, ich glaube, durchaus über den Tellerrand, damit beschäftige, diskutiere eigentlich gerne und habe gerade auf dem “Blauen Sofa” eine Diskussion mit Dennis Scheck https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/scheck-blaues-sofa-16-10-2019-100.html gesehen, die sich eigentlich mit meiner Meinung deckt und die ich sehr empfehlen kann und ich kann es durchaus stehen lassen, daß Sie Peter Handke nicht mögen.
            Mag es aber nicht, wenn er beschimpft wird und über die Behauptung, daß er ein schlechter Dichter wäre, darüber kann man sich, glaube ich, nur hier streiten und das finde ich ein wenig seltsam, fahre aber, glaube ich, über gar nichts drüber!
            Liebe Grüße aus Wien!

          • Mit den Tippfehlern habe ich recht, das passiert mir manchmal, wenn ich zu schnell bin, ich werde mich aber bemühen, aufzupassen, daß das nicht mehr so oft passiert!

  9. Ja, so kann man urteilen, wenn man auch als Kritiker beachtet werden will.
    Einer wirft Bücher in den Papierkorb, die er für überflüssig hält und Malte Bremer macht sich die Mühe einer grafischen Veränderung einer Tablettenverpackung als Aufhänger für bösartige Zeilen. Wie gehen wir heute miteinander um!

  10. Dem kann ich mich nur anschließen, daß mich genau diese Tablettenpackung störte und die Art, wie diese “Polemik” geschrieben wurde und natürlich auch, daß sich Leute fanden, die begeistert, “Das sehen wir auch so!”, riefen, statt ein paar Bücher von ihm zu lesen, um ihn kennenzulernen und sich ihr eigenes Urteil zu machen.
    Es stört mich nicht, wenn jemand Peter Handke nicht gefällt, weil er ihn für zu schwierig und zu langatmig hält oder auch, weil ihm seine politische Meinung wegen Serbien nicht gefällt!
    Ich denke, da wird immer gegen die Blogs argumentiert, daß sie schlecht wären und nich qualitativ hochwertig schreiben und dann wird auf einem “Literaturcafe”, das sich auch mit dem Bachmannpreis befaßt, Peter Handke, als “Schlaftablette” statt, als vielleicht widersprüchiger Künstler über den man auch differenziert diskutieren kann, bezeichnet und die Leute schreien noch “So ist es und die anerkannten Qualitätsurteile sind uns egal und gelten für uns nicht, auch wenn wir vielleicht noch nichts von ihm gelesen haben!”
    Ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist?
    In Österreich steht Peter Handke im Deutschunterricht auf den Leselisten und wenn einer sagt, “Handke ist ein qualitätiv hochwertiger Autor!”, wird nichtgeantwortet “Das ist nur Ihre Meinung und fahren Sie nicht über uns drüber!”, sondern höchstens, “Das sehe ich anders!” oder “Damit habe ich meine Schwierigkeiten!”, was ich beispielsweise über Thomas Bernhard sagen würde, weil der mir persönlich zu viel schimpft!
    So freue ich mich, daß doch noch ein paar Leute das “Literaturcafe” lesen, die schon gehört haben, daß Peter Handke ein anerkannter Autor ist und ihn vielleicht sogar mögen!

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