Lesekreis-Portal von dtv: »Mit Neugier und Lust auf einen Text einlassen«

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Das dtv-Lesekreis-Porjektteam: Das Projektteam von links oben im Uhrzeigersinn: Thomas Zirnbauer, Heike Bogenberger, Alexandra Bowien, Annika Schneeweiss, Cornelius Traub, Veronika Pfleger (Foto: dtv)
Das dtv-Lesekreis-Porjektteam: Das Projektteam von links oben im Uhrzeigersinn: Thomas Zirnbauer, Heike Bogenberger, Alexandra Bowien, Annika Schneeweiss, Cornelius Traub, Veronika Pfleger (Foto: dtv)

Der dtv Verlag hat ein Portal für Lesekreise online gestellt. Dort gibt es Zusatzmaterial zu ausgewählten Buchtiteln, das als Diskussionsgrundlage für regelmäßige Treffen von Lesebegeisterten dienen kann. Zum Start gibt es Material zu zehn sehr unterschiedlichen Titeln des Verlags, angefangen von Arno Geigers »Der alte König in seinem Exil« bis hin zu Jasper Ffordes »Der Fall Jane Eyre«.

Wir sprachen mit Annika Schneeweiss von dtv, die dem sechsköpfigen Projektteam angehört, warum Lesekreise nicht von gestern und für Verlage wichtig sind.

Verlage setzten auf Social Media, betreiben Blogs und posten bei Facebook. Ein Portal für die guten alten Lesekreise, das klingt ja fast ein wenig retro.

dtv: Nur scheinbar. Es gibt offensichtlich ein großes Bedürfnis danach, sich mit anderen Menschen zusammenzusetzen und über Literatur auszutauschen, und das nicht nur virtuell. Die Idee ist entstanden, weil wir zahlreiche Anfragen nach zusätzlichen Informationen zu Autoren und ihren Büchern bekommen, die in Lesekreisen besprochen werden. So bekommen wir auch mit, dass ständig neue Lesekreise ganz unterschiedlicher Natur entstehen – ob privat im Freundeskreis oder angebunden an Buchhandlungen, Volkshochschulen oder Literaturhäuser. Erst kürzlich wurde zum Beispiel im Hamburger Literaturhaus ein neuer Lesekreis gegründet, der sich in seiner ersten Runde an Heimito von Doderers literarisches Schaffen annähert.

Was für Material kann man denn auf dem Portal finden? Wie entsteht dieses Material?

dtv: Zu jedem Buch bieten wir ergänzendes Hintergrundmaterial an. Das können Texte zur Entstehungsgeschichte, einführende Essays oder Interviews mit den Autoren sein. Darunter befindet sich immer ein exklusiver Beitrag, der nur im Lesekreis-Portal zu finden ist und zum Teil von den Autoren, Übersetzern oder Herausgebern speziell dafür verfasst oder übersetzt wurde. Die sogenannten ›Sieben Wege zum Buch‹ sodann bestehen aus offenen Fragen, aus Thesen und Zitaten, die ans Werk heranführen sollen. Schließlich stellen wir noch ein ›Lesejournal‹ zur Verfügung, ein Hilfsmittel, um Leseeindrücke zu strukturieren und festzuhalten und sich so auf die Diskussion vorzubereiten. Wir haben beim Erstellen der Materialien allerdings ganz bewusst auf didaktische Ansätze verzichtet. Lesekreis-Leser wollen keinen Fragenkataloge abarbeiten, sondern sich mit Neugier und Lust auf einen Text einlassen.

Welche Rolle spielen Lesekreise aus Verlagssicht?

dtv: Wenn wir erfahren, dass eines unserer Bücher besprochen wird, ist das eine schöne Bestätigung für uns: Über dieses Buch wird diskutiert, eine Gruppe von Lesern hat sich darauf verständigt, und es ist bereits auf Resonanz gestoßen. Vielleicht hat auch ein einziger Leser als Multiplikator gewirkt und nun wird das Buch von zehn Leuten gelesen. Das Schönste ist: Bei diesen Lesern muss man nicht für Bücher werben. Sie haben sie schon entdeckt und unser Angebot ist eine Form, dies als Verlag zu honorieren.

Haben Sie einen Überblick, wie viele dieser Lesekreise es in Deutschland gibt?

dtv: Die Betreiber von mein-literaturkreis.de schätzen, dass es rund 30.000 organisierte Lesekreise in Deutschland gibt. Seit Bekanntgabe unseres Projekts haben wir bereits viele positive Reaktionen von Lesekreisen bekommen, mit denen wir bisher noch nicht in Kontakt standen. Das wollen wir natürlich weiter ausbauen.

Was ist das faszinierende an Lesekreisen? Warum sollte ich einem solchen Beitreten oder vielleicht sogar einen gründen?

dtv: Das müssten Sie die Lesekreis-Mitglieder fragen. Wie unsere Verlegerin Claudia Baumhöver sagt: Hier manifestiert sich das ureigene Bedürfnis der Menschen nach dem »Lagerfeuer«: Menschen kommen zusammen, um Geschichten zu erzählen und erzählt zu bekommen. Das ist ja seit jeher ein gemeinschaftsstiftendes Ereignis.

Welche Bücher eigenen sich denn sehr gut für die Diskussion im Lesekreis? Welche sind eher weniger geeignet?

dtv: Grundsätzlich gibt es hier keine Einschränkungen. Manche Lesekreise widmen sich speziell literarischen oder schwer zugänglichen Romanen, die sie alleine nicht anpacken würden, manche Lesekreise finden auch unter fachlicher Anleitung statt. Andere wiederum bevorzugen eher leichtere Kost und wollen sich einfach über ihre Lieblingsbücher austauschen.

Frau Schneeweiss, vielen Dank für das Gespräch.

Link ins Web:

Literaturtipp zum Thema Lesekreise:

2 KOMMENTARE

  1. Wir von http://www.mein-literaturkreis.de freuen uns, dass Verlage zunehmend auf Lese- und Literaturkreise aufmerksam werden! Lieber Herr Tischer, wir würden uns freuen, wenn Sie unsere Webseite auch mal vorstellen und stehen sehr gerne für ein Interview zur Verfügung. Immerhin ist unsere Plattform für Lese- und Literaturkreise die einzige verlagsunabhängige Webseite für diese Zielgruppe und bereits seit mehreren Jahren aktiv.
    Wir wünschen weiterhin viel Spaß beim Lesen und Diskutieren!

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