Über Lesekreise: Ein Gespräch mit Thomas Böhm – Buchmesse-Podcast 2011

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Das Lesekreisbuch von Thomas BöhmThomas Böhm war Programmleiter für das Gastland »Island« auf der Frankfurter Buchmesse 2011. Im kommenden Jahr wird er die gleiche Funktion beim Internationalen Literaturfestival in Berlin ausüben. Davor war er jahrelang Programmleiter des Kölner Literaturhauses.

Wir blicken im Gespräch mit Thomas Böhm zunächst zurück auf den Gastlandauftritt Islands, der in diesem Jahr tatsächlich von Land und Literatur und nicht von politischen Verwerfungen geprägt war.

Thomas Böhms Leidenschaft jedoch sind Lesekreise. Darüber hat er sogar ein ganzes Buch geschrieben: »Das Lesekreisbuch« ist Anleitung und kompetenter Ratgeber für alle, die mit anderen Menschen über Bücher sprechen sollen.

Leidenschaft für Lesekreise

Wenn Thomas Böhm von Lesekreisen erzählt, dann spürt man seine Begeisterung. Für ihn hat das Thema nichts mit den Vorurteilen zu tun, in denen man vielleicht über 60-Jährige nachmittags in der Stadtbücherei über Heine und Rilke reden sieht.

Das Großartige sei, dass man selbst jederzeit einen Lesekreis gründen könne und die Regeln für seinen Kreis bestimme, so Böhm. Über Jahre hinweg tausche man sich mit zunächst fremden Menschen über Bücher aus. Über die Zeit lerne man so nicht nur die Bücher, sondern auch die Lesekreisteilnehmer immer besser kennen, und sie werden zu Freunden.

Der sanfte Druck, bis zum nächsten Treffen ein Buch oder einen Teil daraus lesen zu müssen, kann zudem sehr positiv sein. Denn wo sonst hat man die Möglichkeit, endlich einmal über ein Buch zu sprechen, dass man gerade liest?

Vom Lesekreis zum Social Reading

Lesekreise waren das Buzzword der Frankfurter Buchmesse 2011, auch wenn sie unter dem Namen »Social Reading« daherkamen und beim Thema E-Books immer wieder gerne genannt wurden. Denn theoretisch – und teilweise auch schon praktisch – erlauben es die mobilen Geräte, sich textlich direkt bei der Lektüre auszutauschen. Dies kann entweder mit fest definierten Personen oder aber mit einem beliebigen Kreis erfolgen.

Der Vorzug des analogen Lesekreises

Was hält Thomas Böhm von dieser neuen digitalen Form des Lesekreises? Böhm bleibt diplomatisch, findet es toll, wenn Menschen auch diese Möglichkeit nutzen, doch man merkt im Gespräch mehr als deutlich, dass es für ihn gerade der persönliche Kontakt zu den Menschen ist, der Lesekreise ausmacht.

Das Lesekreisbuch – Umfassender Ratgeber für Literatur und Psyche

Böhms Lesekreisbuch sei allen ans Herz gelegt, die sich über ihre Lektüre mit Gleichgesinnten austauschen wollen. Das Werk behandelt alle Aspekte, die bei der Organisation eines Lesekreises wichtig sind. Der Autor geht u. a. auf die Fragen ein, wie man passende Teilnehmer für die eigene Leserunde gewinnt, wo sich der Lesekreis treffen könnte und wie man die geeigneten Bücher findet. Als Bonus stellen Prominente wie Denis Scheck oder Elke Heidenreich ihre persönlichen Lesekreis-Leselisten vor.

Schweigende und Wichtigtuer: Wie redet man über Bücher?

Wichtig ist der Aspekt der Gesprächsführung selbst. Wie redet man über Bücher? Wie geht man mit Menschen um, die sich in den Vordergrund drängen wollen? Da ist psychologisches Fingerspitzengefühl gefragt. Amüsant ist Thomas Böhms Typencharakterisierung von Lesekreisteilnehmern. Da gibt es beispielsweise Vielredner und Schweigende, Logiker und mit Problemen Belastete, es gibt Besserwisser und Ablenkende.

Das Gespräch mit Thomas Böhm fand am Buchmesse-Samstag im Pavillon des Gastlands Island statt. Wir wünschen viele Spaß beim Anhören – und vielleicht ja demnächst in Ihrem Lesekreis!

Thomas Böhm: Das Lesekreisbuch: Eine Anleitung. Taschenbuch. 2011. Berlin Verlag Taschenbuch. ISBN/EAN: 9783833307737
Thomas Böhm: Das Lesekreisbuch: Eine Anleitung. Kindle Ausgabe. 2011. Bloomsbury Verlag eBook

2 Kommentare

  1. Bin selbst absoluter Freund von privaten Lesekreisen. Der Vorteil, seine Mitstreiter zu kennen, ist enorm: Genauso vermeidet man nämlich böse Überraschungen, wenn es um Diskutierverhalten und Buchgeschmack geht. Wir sind in unserem Buchclub nur zu dritt, was in meinen Augen eine perfekte Größe ist. Da war es auch überhaupt kein Problem, sich auf gemeinsame “Regeln” und die Vorgehensweisen zu einigen. Stressig wird das Ganze, wenn man mit zuvielen Personen einen gemeinsamen Termin finden muss. Da fangen die Probleme bei vielen Leseclubs ja schon an…

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