Der diametrale Heidenreich: Mutloses ZDF mit lustlosem Bücherloben

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Christine Westermann und Dr. Wolfgang Herles
Quelle: ZDF/Juergen Detmers

Nachdem das ZDF Elke Heidenreich wegen ihrere unflätigen Bemerkungen entlassen hatte, war am 5. Dezember 2008 der Sendeplatz ihrer Büchersendung »lesen!« frei geworden.

Während das ZDF nach eigenen Aussagen für 2009 an einer neuen Büchersendung arbeitet und dabei auch das Gespräch mit den Verlagen sucht, wollte man bereits den Sendeplatz im alten Jahr weiterhin dem gedruckten Medium überlassen. Schließlich ist bald Weihnachten und niemand weiß sonst, was er oder sie lesen oder schenken soll.

Also setzte das ZDF den aspekte-Dino Wolfgang Herles an einen Kneipentisch und – da Lesen schließlich weiblich ist – ihm zur Seite Christine Westermann. Es war ein lust- und teilweise planlos wirkender Versuch, ein paar Bücher zu loben.

Man durchlebte mit den beiden Moderatoren eine dröge halbe Stunde. Anders als Heidenreich waren Herles und Westermann nicht unbedingt in der Lage, ihre Begeisterung für die vorgestellten Bücher rüberzubringen – sofern sie überhaupt vorhanden war. Wie ein schlechter Literaturkritiker oder ein Schüler der Mittelstufe sagte Herles die Handlung der Bücher auf und verriet oft viel zu viel über die Inhalte. Dort, wo es hätte emotional und persönlicher werden können und müssen, denn wirkliches Empfehlen geht nur mit Emotion, da blockte Herles entsprechende Nachfragen seiner Kollegin sofort ab. Ein diametraler Heidenreich.

Eine durch und durch vertane Chance, denn gerade diese halbe Stunde zwischen Heidenreich und Neukonzept hätte die Möglichkeit geboten, einmal völlig Neues und Ungewöhnliches auszuprobieren. Man hätte unbekannte, ja womöglich Moderatoren unter 30 vor die Kamera setzen können und diese einfach mal machen lassen. Vielleicht wäre wirklich etwas frisches Neues entstanden. Man hätte auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen müssen, denn wäre es schief gegangen, so hätte man sich wunderbar damit rausreden können, dass dies ohnehin nur eine Zwischenlösung war. Und wäre es gut geworden, wäre einmal auf experimentellem Weg ein neues Konzept gefunden worden. Aber Spontanität ist nun mal offensichtlich kein Synonym für öffentlich-rechtliches Fernsehen.

Wolfgang Tischer

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