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Börsenverein präsentiert Zahlen zum Buchmarkt: Weniger Titel, weniger Umsatz in 2025

Umsatz der Buchbranche 2009–2025 (Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels)
Umsatz der Buchbranche 2009–2025 (Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels)

Zum ersten Mal ging der Umsatz der Buchbranche innerhalb eines Jahres um 2,7 Prozent zurück. Die Zahl insbesondere junger Buchkäufer nimmt weiter ab. Von »Lesekrise« und »sinkender Lesekompetenz« ist die Rede, ohne dass der Bericht den Zusammenhang wirklich belegt.

Heute, am 9. Juli 2026, stellte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt die neuen Zahlen zur Entwicklung des Buchhandels vor. Sie beleuchten die Entwicklung für das vergangene Gesamtjahr 2025 und das erste Halbjahr 2026.

Junge Menschen kaufen weniger BĂĽcher

Die Zahl der jungen Buchkäufer zwischen 10 und 15 Jahren ging im Jahre 2025 um besorgniserregende 30,6 Prozent zurück. Diese Gruppe gab 23,8 Prozent weniger für Bücher aus.

Natürlich könnte dies daran liegen, dass die jungen Menschen weniger Taschengeld bekommen, dass sie sparen oder schlichtweg ihr Geld für andere Dinge und Medien als für Bücher ausgeben. Ein Grund für den Rückgang ist aus den Zahlen nicht ersichtlich.

Doch für Sebastian Guggolz, Vorsteher des Börsenvereins, ist die Sache klar: »Jahrzehntelange Versäumnisse in der Bildungspolitik haben zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Lesekompetenz geführt – das Ergebnis lässt sich nun unmittelbar an den Marktzahlen ablesen.« Es brauche »umgehend konsequente Maßnahmen, um Bildung und Lesekompetenz zu verbessern«.

Guggolz benennt es nicht, aber die Aussage dürfte auch in Richtung Bundesfamilienministerium gerichtet sein, das unlängst die Förderung für »Lesestart 1-2-3« auslaufen ließ, eine der wichtigsten frühkindlichen Maßnahmen zur Leseförderung.

Studien wie die Grundschulstudie IGLU, die für 2001 bis 2021 einen deutlichen Rückgang der Lesefähigkeiten zeigte, oder die PISA-Erhebung 2022 belegen die schwindende Lesekompetenz, wenngleich ein Zusammenhang mit den rückläufigen Verkaufszahlen die Interpretation des Börsenvereins bleibt.

Spitzen gegen die Politik

Denn der Bericht richtet eine weitere Spitze gegen die Politik, die nicht direkt mit der Umsatzentwicklung in Verbindung steht: Erneut fordert der Verband klare Regularien zum Einsatz von KI. »Eine vielfältige Buchhandels- und Verlagslandschaft hingegen öffnet Debattenräume«, sagt der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins Peter Kraus vom Cleff. Dabei setzen die Verlage selbst bereits KI in fast allen Bereichen ein.

UmsatzrĂĽckgang trotz Belletristik-Zunahme

Zurück zu den Zahlen: Der gesamte Umsatz der Buchbranche sank 2025 gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent auf 9,62 Milliarden Euro. Erneut betraf der Rückgang alle Warengruppen – bis auf die Belletristik und speziell das Genre New Adult. Hier stieg der Umsatz um 9,6 Prozent, in der Belletristik insgesamt um 1,2 Prozent. Während die Zahl der Buchkäufer in fast allen Altersschichten rückläufig ist, stieg sie im Bereich der 16- bis 19-Jährigen um 7,7 Prozent. Doch anders als in den Vorjahren, wo die Zunahme in der Belletristik in der Gesamtsumme zu einem Plus führte, ist dies 2025 nicht mehr der Fall.

Weniger neue BĂĽcher

Auch die Zahl der Erstauflagen ist (seit Jahren) rückläufig. Im Jahre 2025 waren es nur noch 52.644 neue Titel, das sind 9,8 Prozent weniger als 2024 (58.346). 2020 waren es noch 69.180 Titel. 57 Prozent der verkauften Bücher waren 2025 jedoch Backlist-Titel, also keine der 52.644 neuen.

Der Umsatzanteil der E-Books (ohne Schulbuch und Fachbuch) ist um 0,2 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent gestiegen.

Zum Vergleich: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wuchs der Einzelhandelsumsatz in Deutschland 2025 real um 2,4 Prozent, nominal um 3,6 Prozent. Der Buchmarkt bewegte sich damit gegen den allgemeinen Trend der Branche. Das Geschäft im Buchhandel vor Ort ging laut Börsenverein im Vergleich zu 2024 um 3,7 Prozent auf 3,93 Milliarden Euro zurück. Damit hat der Sortimentsbuchhandel (ohne E-Commerce) einen Anteil von 40,8 Prozent am gesamten Branchenumsatz. Hierzu zählen sowohl kleine Einzelbuchhandlungen als auch die Filialen der Buchketten.

Was ist fĂĽr 2026 zu erwarten?

Auch für 2026 sieht es nach aktuellen Zahlen nicht besser aus. Der Börsenverein schreibt: »Nach den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 liegt der Umsatz in den zentralen Vertriebswegen um 4,1 Prozent hinter dem des Vorjahreszeitraums zurück, der Absatz um 4,5 Prozent.«

Wolfgang Tischer

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