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Selfpublisher-Umfrage 2026: Weniger Umsatz, mehr KI

Zum dritten Mal hat der Selfpublisher-Verband seine Umfrage durchgeführt (Quelle Screenshot Umfrage)
Zum dritten Mal hat der Selfpublisher-Verband seine Umfrage durchgeführt (Quelle Screenshot Umfrage)

Zum dritten Mal hat der Selfpublisher-Verband verlagsunabhängige Autorinnen und Autoren befragt. Die Umsätze bleiben für die meisten niedrig, die Abhängigkeit von Amazon ist groß. Bei der Künstlichen Intelligenz ist aus Ablehnung Akzeptanz geworden.

An der wirtschaftlichen Lage im Self-Publishing hat sich wenig geändert, am Umgang mit Künstlicher Intelligenz dagegen einiges. Das sind die beiden auffälligsten Befunde der dritten Selfpublisher-Umfrage, deren Auswertung der Selfpublisher-Verband e.V. im Juni 2026 veröffentlichte.

An der Befragung nahmen 1.389 Personen teil – 334 weniger als 2025 –, davon waren 1.247 bereits als verlagsunabhängige Autorinnen und Autoren aktiv. Nur deren Antworten flossen in die Auswertung ein. Wie in den Vorjahren beruhte die Umfrage auf Selbstauskunft und stand allen verlagsunabhängigen Autorinnen und Autoren offen; verbreitet wurde sie vor allem über die Kanäle des Verbands. Repräsentativ ist sie daher nicht. Tatsächlich gehörten der Auswertung zufolge fast 60 Prozent der Teilnehmenden keinem Verband oder Netzwerk an, im Selfpublisher-Verband selbst waren 29 Prozent organisiert. Neu hinzu kamen Fragen zu Übersetzungen, zum eigenen Newsletter und zur Werbetätigkeit.

Geringe Umsätze bei der Mehrheit

Self-Publishing ist für die meisten Befragten finanziell ein Zuverdienst geblieben, so der Verband. Rund 78 Prozent setzen im Schnitt weniger als 200 Euro brutto pro Monat um, weitere 11 Prozent zwischen 200 und 999 Euro. Vierstellige Monatsumsätze ab 1.000 Euro bleiben damit die Ausnahme. Dabei gehe es um Umsatz, nicht um Gewinn, betont der Verband.

Ein Hinweis zur Datenlage ist hier nötig: Die online gestellte Auswertung enthält Stand Mitte Juni 2026 an mehreren Stellen noch Zahlen aus der Befragung des Vorjahres – offenbar ein Versehen bei der Aktualisierung. Das führt in der Analyse des Verbands zu Widersprüchen. Beim Anteil derjenigen mit weniger als 50 Euro Monatsumsatz etwa ist an einer Stelle von 61 Prozent die Rede, an anderer davon, dieser Wert sei »von 61 auf 67 Prozent gestiegen«. Auch einzelne Angaben zu den Ausgaben pro Buch wirken unverändert aus 2025 übernommen. Solche in sich nicht stimmigen Werte bleiben bei dieser Betrachtung außen vor.

Print-on-Demand bleibt die Regel

Bei den Formaten bleibt das Taschenbuch mit 85 Prozent das Medium, das die meisten Self-Publisher bedienen, gefolgt vom E-Book mit 72 Prozent. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als verlöre Print-on-Demand an Bedeutung: 78 Prozent lassen ihre Printtitel so herstellen, 2025 waren es laut Verband noch 93 Prozent. Dieser Rückgang erklärt sich aber durch eine geänderte Fragestellung. 2026 ließ sich erstmals »beides, je nach Projekt« ankreuzen, was 15 Prozent taten; zusammen mit den 78 Prozent ergibt das erneut 93 Prozent. Print-on-Demand bleibt damit klar die übliche Produktionsweise. Klassischer Auflagendruck über eine Druckerei kommt nur für 4 Prozent ausschließlich infrage, weitere 3 Prozent veröffentlichen derzeit gar keine Printtitel und bleiben beim E-Book.

Unter den Print-on-Demand-Anbietern liegt laut Auswertung Tredition mit 60 Prozent klar vorn (2025: 51 Prozent), vor KDP Print (Amazon) mit 24 und BoD mit 21 Prozent; tolino media (12 Prozent) und epubli (8 Prozent) folgen im Mittelfeld. Die Dominanz des Dienstleisters Tredition mag verwundern. Bei Tredition nehmen viele Autorinnen und Autoren oft mehr Dienstleistungen in Anspruch als den reinen Druck. Dass ausgerechnet dieser Anbieter so deutlich führt, sagt auch etwas über die Zusammensetzung der Befragten: Eine freiwillige, per Selbstauskunft erhobene Umfrage bildet nicht den gesamten Self-Publishing-Markt ab.

KI-Einsatz: Akzeptanz statt Ablehnung

Am deutlichsten hat sich die Haltung zur Künstlichen Intelligenz verschoben. 61 Prozent der Befragten gaben an, bereits KI-Werkzeuge zu nutzen; im Vorjahr hatten noch 58 Prozent deren Einsatz abgelehnt. Genutzt werde KI laut Verband vor allem für Recherche, Grafikdesign, Social-Media-Inhalte und Übersetzungen. Als Schreibassistenz, in der Umfrage 2025 noch auf Platz zwei der Einsatzfelder, rangiere sie inzwischen nur noch auf Platz sechs.

Die grundsätzliche Skepsis blieb dennoch bestehen. 41 Prozent der Befragten bewerten den Einfluss von KI auf die kreative Arbeit als kritisch (2025: 40 Prozent); die größten Bedenken gelten der Qualität, ethischen Fragen und dem Verlust kreativer Vielfalt. Ähnlich uneinheitlich fällt die Antwort bei den neuen Übersetzungsfragen aus: 27 Prozent der Befragten lassen ihre Bücher übersetzen, wobei professionelle Übersetzung (9 Prozent) und KI-gestützte Übersetzung (8 Prozent) fast gleichauf liegen. Häufigste Zielsprache ist mit Abstand Englisch.

Ob KI-Übersetzungen am Markt eine Chance haben, lässt die Umfrage offen – das abzufragen wäre durchaus interessant gewesen. Denn Übersetzungen erzielen, gleich wie sie erfolgt sind, auf den ausländischen Märkten in der Regel kaum nennenswerte Reichweite.

Bei den Erfolgreichen dominiert Amazon

Der zweite Teil der Auswertung betrachtet wie in den Vorjahren die wirtschaftlich erfolgreichen Self-Publisher gesondert. Die Schwelle dafür hob der Verband 2026 von 2.000 auf 2.500 Euro durchschnittlichen Monatsumsatz an; 95 von 1.247 aktiven Teilnehmenden erreichten sie (2025: 56 bei der niedrigeren Grenze). Für diese Gruppe ist das E-Book das wichtigste Medium: 76 Prozent erzielten damit 2025 ihren höchsten Umsatz. 94 Prozent veröffentlichen über Amazon KDP, 83 Prozent nehmen an der Leseflatrate KDP Select teil, 75 Prozent erhielten einen Amazon-Bonus.

Auf die Kehrseite weist der Verband selbst hin: Eine solche Abhängigkeit von einer einzigen Plattform bringe Risiken mit sich. Auffällig ist zudem, dass 72 Prozent dieser Gruppe überwiegend Reihen oder Serien veröffentlichen und 83 Prozent eine eigene Website betreiben, gefolgt vom eigenen Newsletter – also Kanäle, die unabhängig von den Algorithmen sozialer Netzwerke funktionieren.

Ein Erfolgsrezept ergibt sich daraus nicht, und der Verband versieht die Best-Practice-Auswertung ausdrücklich mit dem Hinweis auf den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität. Wer im Self-Publishing Geld verdient, schreibt meist seit Jahren, veröffentlicht regelmäßig in einem gefragten Genre und baut sich eigene Wege zur Leserschaft auf. Eine Erfolgsgarantie sei das aber nicht.

Das Profil der Befragten

Am Profil der Teilnehmenden hat sich laut Selfpublisher-Verband wenig geändert. 56 Prozent identifizieren sich als weiblich, der Altersschwerpunkt liegt zwischen 51 und 70 Jahren, 96 Prozent leben in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Für die meisten ist das Schreiben ein Hobby; 14 Prozent der Befragten bezeichnen es als Hauptberuf – nach 13 Prozent im Vorjahr und 19 Prozent 2024.

Eine Zahl fällt zum Schluss auf: 18 Prozent der Befragten bilden sich laut Auswertung gar nicht fort. 2024 waren es zehn, 2025 elf Prozent.

Wolfgang Tischer

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