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Beitrag vom 20. August 2010 | Rubrik: Literarisches Leben, Schreiben, Zuschussverlage

Warum werde ich nicht veröffentlicht? Oder: Die Große Manuskriptverschickung – Teil 1

Die Große Manuskirptverschickung: Auffangbecken 1Etwa eine halbe Million Menschen, so wird geschätzt, sitzen in den Wohnzimmern der Republik vor Laptops oder sogar Schreibmaschinen und verfassen »Romane«.

Ihre Qualifikation: Deutschunterricht.

Ihr Ansatz: autobiografisch.

Ihr Impetus: Schriftsteller werden, also vor allem reich und berühmt.

In einer fünfteiligen Serie analysiert der Autor Tom Liehr schonungslos, warum diese Werke dennoch kein Verlag veröffentlicht. Immer am Freitag erscheint ein neuer Teil.

Teil 1: Warum es nicht ausreicht, Schriftsteller zu sein

Tom Liehr (Foto:privat)Tom Liehr
Jahrgang 1962, Berliner, ist freier Schriftsteller. Im Aufbau Verlag sind seine Romane »Radio Nights« (2003), »Idiotentest« (2005), »Stellungswechsel« (2007), »Geisterfahrer« (2008) und »Pauschaltourist« (2009) erschienen. Bei Rütten & Loening sind »Sommerhit« (2011) und »Leichtmatrosen« (2013) erhältlich. Er hat zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht, darunter im »Playboy« und in der »c’t«, außerdem Prominentenportraits im österreichischen Magazin »DATUM - Seiten der Zeit« und diverse Sachtexte zum Thema Schreiben im »Autorenkalender«. Er ist Mitbegründer des gemeinnützigen »42erAutoren - Verein zur Förderung der Literatur e.V.«, der u.a. den »Putlitzer Preis« auslobt und den »Autorenkalender« herausgibt und dessen Vorsitzender Liehr jahrelang war. Für eine enorm medienwirksame Aktion schufen die 42er im Sommer 2009 die fiktive Autorenperson »Rico Beutlich«, mit deren Hilfe sie sog. Druckkostenzuschussverlagen erfolgreich auf den Zahn fühlten.

Links:
Autorensite:
www.tomliehr.de
42erAutoren:
www.42erAutoren.de

Romane:
Radio Nights (2003)
Idiotentest (2005)
Stellungswechsel (2007)
Geisterfahrer (2008)
Pauschaltourist (2009)
Sommerhit (2011, soeben als Taschenbuch)
Leichtmatrosen (2013)

Ein Teil der schreibenden Menschen hat erkannt, dass es so einfach dann doch nicht ist. Sie turnen durch Autorenforen, lesen selbst viel, reichen Beiträge zu Kurzgeschichtenwettbewerben ein, nehmen Schreibkurse, verfassen zur Übung Fan-Fiction, beteiligen sich an Gruppen-Textanalyse und konsumieren Ratgeber von Aristoteles‘ »Poetik« bis zu Freys »Wie man einen verdammt guten Roman schreibt«.

Tatsächlich ist es nicht nötig, irgendeine Istik zu studieren, um professioneller Schriftsteller zu werden. Und auch die Frage, ob die berühmten zehn Prozent Talent bei allen veröffentlichten Autoren wirklich vorhanden sind, muss hier nicht diskutiert werden. Oder jene, ob sämtliche Bücher, die von Publikumsverlagen auf den Markt geworfen werden, tatsächlich »gut« sind. Nein, nicht alle Autoren verfügen über etwas, das man »Talent« nennen könnte, und, nein, nicht alle publizierten Romane sind gut. Aber sie verkaufen sich trotzdem, und zwar keineswegs, weil die Leser von den Verlagen dazu gezwungen würden oder weil es keine Alternativen gäbe, sondern weil die Leute das Zeug lesen wollen. Die Gründe hierfür sind diffus und vielschichtig.

Schriftsteller sind – nicht nur fiskalisch, jedenfalls ab dem ersten Verlagsvertrag – Künstler, stellen also Kunst her. Ein Romanmanuskript, ob nun unfassbar schlecht oder von objektiver Brillanz, ist deshalb immer auch Kunst. Und die liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, man muss ihn nur finden. Der einfachste und deshalb auch in der Regel eingeschlagene Weg ist derjenige, das Manuskript Verlagen anzubieten, die einen hübschen Umschlag drumrum wickeln und es dann in einer Startauflage von mindestens 50.000 Stück auf den Markt werfen sollen, selbstverständlich nach Zahlung eines Vorschusses in mindestens fünfstelliger Höhe. Bei Kunst weiß man schließlich nie, wen sie anspricht, und es ist doch die verdammte, ureigenste Aufgabe von Verlagen, diese Leute zu finden, oder?

Also schreiben unsere fünfhunderttausend Schriftsteller ihre Romane, fertigen jeweils zwanzig Kopien an und verschicken diese einfach an die zwanzig Verlage, deren Titel sie selbst im Regal haben. Ein paar Wochen später nehmen dann zehn Millionen Formablehnungen den umgekehrten Weg. Ein interessanter, wenn auch auf Dauer ermüdender, für viele Beteiligte schmerzvoller, extrem unproduktiver Vorgang, der enorm viel Zeit und Geld verschlingt, möglicherweise aber ein brauchbares Motiv für eine Doku-Soap auf RTL II wäre: »Ab ins Buch« (sorry, Oliver) oder »Einsatz mit 26 Buchstaben«. Tine Wittler könnte zwischen zwei Heimwerkershows in die Kammern der Nachwuchsautoren eindringen, zeigen, wie man Manuskripte rückstandsfrei kompostiert, das Schreibzimmer umgestalten und gemeinsam mit einem Team »Freizeitcoaches« Vorschläge für neue Hobbys ausarbeiten. Zwischendurch liest der jeweilige Delinquent zehn Seiten aus seinem Roman vor, als Off-Stimme. Die Lacher dazu kommen vom Band.

Spaß beiseite.

Der sehr umtriebige und in der Szene gut bekannte Hans Peter Roentgen hat im »Sieben Verlag« zwei bemerkenswerte Schreibratgeber veröffentlicht, nämlich »Vier Seiten für ein Halleluja« und »Drei Seiten für ein Exposé«. Darin seziert er einmal (authentische, von Autoren hierfür eingereichte) Romananfänge, jeweils besagte vier Seiten, und im anderen Fall (ebenfalls echte) Exposés, jene offenbar unbedingt notwendigen Kurztexte, die, ausschließlich für Lektoren verfasst, alles über einen Roman sagen, was man dazu wissen sollte, wenn man ihn möglicherweise ins Programm nehmen will. In beiden Fällen geht es um Vermarktung, genauer: um Verlagskontakte. Jene ersten vier Seiten sind es schließlich, die von Lektoren angeblich gelesen werden, bevor sie sich entscheiden, dem Manuskript weitere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen oder es zu den anderen zu legen. Und ein gutes Exposé ist fraglos zwingend. Möglich, dass Hans Peter auch noch »Eine Seite für ein Begleitschreiben«, »Drei Spalten für eine Vita«, »Eine Zeile für den Romantitel« oder »Ein Umschlag für einen Manuskriptversand« nachreicht. Um nicht falsch verstanden zu werden: Die beiden genannten (tatsächlich verfügbaren) Bücher sind unbedingt empfehlenswert! Unabhängig davon, ob die Mythen, die sich um die Vorgehensweise von Lektoren ranken, immer der Wahrheit entsprechen oder nicht, helfen diese Bücher nicht nur Neuautoren auf vortreffliche und unterhaltsame Weise dabei, Kardinalfehler, aber auch schleichende Probleme auszumachen und besser zu verstehen, wie gute Geschichten funktionieren – und warum. Leider veröffentlichen Verlage weder Exposés, noch allein die ersten vier Seiten eines Romans. Und selbst wenn diese beiden Elemente vorhanden und exzellent sein müssen, steht doch vor all dem die Frage: Spreche ich den richtigen Verlag auf die richtige Weise an? Und: Interessiert das, was ich geschrieben habe, überhaupt irgendwen? (Am Rande sei bemerkt: Heutzutage finden Jobbewerber nicht nur im Internet tonnenweise Anleitungen und Vorlagen, die ihnen helfen, die entsprechenden Unterlagen in uniformer Perfektion einzureichen. Ein probates Mittel dagegen, dass sich der Bewerber im Gespräch oder spätestens während der Probezeit als totale Niete erweist, sind sie allerdings auch nicht. Diese Erkenntnis wird lediglich zeitlich verschoben.)

Zu Teil 2: »Warum sich niemand für meinen Roman interessiert«

64 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Cornelia Lotter schrieb am 20. August 2010 um 17:25 Uhr

    Prima, Tom, freue mich schon auf die Fortsetzung!

    LG Cornelia

  2. Andreas Dietz schrieb am 20. August 2010 um 23:24 Uhr

    Tom Liehr versteht es, völlig verstaubten Themen mit ein wenig Esprit so zu gestalten, dass auch Hobbyautoren verstehen, dass Bücher zu schreiben Arbeit ist.
    Wo wir beim Thema sind: Ich habe eine super Idee für einen Roman. Lezte Woche beim Familiengeburtstag – das war vielleicht ne lustige Story. Ich glaube, ich schreibe das mal auf und lese dann nächsten Freitag, wie ich es an den Mann ähm Verlag bringe.

  3. Theo F. Jüchems schrieb am 21. August 2010 um 16:39 Uhr

    Ja, super Einstieg.
    Ich bin auch so ein ‚Möchtegern‘. Allerdings vernichte ich meinen Erstling immer wieder, weil ich merke, daß mir sowohl die Idee, als auch die Fähigkeit fehlt diese umzusetzen.
    Vielleicht erfahre ich ja im Laufe des Beitrags, woran ich das feststelle.
    In diesem Sinne freue ich mich auf die Fortsetzung.
    Gruß Theo

  4. Sven Trautwein schrieb am 22. August 2010 um 16:55 Uhr

    Hallo Tom,

    ich kann mich meine Vor“schreibern“ nur anschließen – ein super umgesetztes, immer wieder aktuelles, Thema. Ich freue mich auf den zweiten Teil.

    Gruß

    Sven

  5. Jutta Wölk schrieb am 23. August 2010 um 12:39 Uhr

    Hallo Tom,

    die Tips, welche Sie auf Ihrer Homepage ausführlich beschreiben, waren sehr hilfreich für mich.

    Meinen neuen Romananfang verdanke ich Ihnen!

    Mit freundlichen Grüßen

    Jutta Wölk

  6. Juli Lessing schrieb am 24. August 2010 um 12:14 Uhr

    Sehr spannender Artikel – freu mich sehr auf den Rest der Serie :)

    MfG
    Juli Lessing

  7. Michael Köhn schrieb am 29. August 2010 um 09:54 Uhr

    rum + ähre

    http://www.management-consult.de/presse/texte/mc_buecher.htm

    null bock buch
    lesen
    ohne punkt und komma

    ich schreibe meinen nächsten
    noch mehr dem mainstream nach
    oder zu
    oder so ähnlich
    sagte autor Tom

    ich nicht
    weiß ich
    denn
    über 27 % der deutschen haben 2009 kein einziges buch gelesen
    der rest sind frauen

    nein
    ich schreibe nicht dem leser
    oder meiner frau zu
    all den tv guckern unsäglicher formate
    lasse mir von der und denen
    und Tom
    meine träume kaputt machen
    bin erneut stark genug um auf der ochsenachse
    agent verlag verlag agent zu scheitern
    abgelehnt zu werden
    wie zuvor in all den foren

    siehst du
    sagt Tom
    sagte ich doch
    so wird das nix

    du
    wenn ich geld verdienen will
    Tom
    sage ich
    trage ich prospekte aus
    also lass mich das teil bei herrn demant ausdrucken
    um es mir in den schrank zu stellen
    und ohne punkt und komma
    neu anzufangen

    august 2010 michael köhn mit gruß an Tom
    http://www.literatalibre.de

  8. Johanna Sibera schrieb am 29. August 2010 um 14:41 Uhr

    Vermutlich muss ich warten, bis diese Artikelreihe fertig gestellt ist und ich alles gelesen habe. Nach dem zweiten Teil weiß ich effektiv nicht, was der Autor eigentlich sagen will, nicht einmal ansatzweise. Er sagt, dass man im stillen Kämmerlein schreibt, dass man Lebensorte und Urlaubsplätze sowie „knackige“ Namen verwendet – na, was denn sonst? Wer, zum Beispiel, Grass, Köhlmeier oder Menasse gelesen hat (um wahllos drei weithin bekannte Schriftsteller zu nennen) weiß, dass die nichts anderes machen. Aber die Geschichte geht ja noch weiter, also kommt noch allerhand!

    beste Grüße
    Aber

  9. Theo F. Jüchems schrieb am 30. August 2010 um 06:55 Uhr

    Ja, das geht schon in die richtige Richtung. Es hilft mir das Unbehagen, daß ich bei meinen eigenen Versuchen empfinde, zu verstehen.
    Ich freue mich auf die Fortsetzung und weitere Erkenntnisse.
    Gruß Theo

  10. Dieter Plep schrieb am 31. August 2010 um 14:28 Uhr

    Die rhetorische Frage, warum sich niemand für den Roman interessiere, ist sicher berechtigt; die saloppe Beantwortung indes, die den „Rat“ impliziert, genau für jenen Markt produzieren zu müssen, der ohnehin von den Verlagen als gegeben vorausgesetzt wird, leistet einer inhaltlichen auch sprachlichen Verarmung des Buchangebotes Vorschub.

    Tatsächlich gibt es Themen, für die allgemeines Interesse zwar nicht vorhanden ist, aber geweckt werden könnte – und dies selbst schon im Segment der Biographien; denn m.E. benötigen wir nicht die 75ste Biographie Leonardo da Vincis, wenn, sagen wir mal, im Bereich der Renaissancekünstler Genies wie Luca Signorelli oder Ambrogio Lorenzetti unbeachtet bleiben… mit dem Argument, daß sie die vorhandenen Lesebedürfnisse nicht träfen, wären auch Autoren wie Arno Schmidt oder meinethalben Marcel Bénabou vom Buchmarkt ferngehalten worden…

    Gewiß steht nicht jeder auf seine Erstveröffentlchung hoffende Jungautor auf vergleichbarem Niveau wie jene, aber stände er, scheiterte er an den für eine Veröffentlichung vorausgesetzten Erfolgserwartungen der Lektorate. Währenddessen wird der Buchmarkt beherrscht von Veröffentlichungen von als Buchautoren auftretenden Journalisten (die über die entsprechenden Verbindungen zu verfügen scheinen) und Fernsehstars (deren Bekanntheitsgrad garantiert, daß Bücher, die ihren Namen tragen, auch Käufer finden).

    Kurz gesagt: Buchhandlungen sind mir heutzutage immer seltener Stätten, an denen ich die Anregung, lesenswertes zu entdecken, erwarte. Will ich ein Buch haben, muß ich’s meistens per Bestellung anfordern lassen, und oft genug erhalte ich dann nur nach einiger Zeit die Antwort, daß der gewünschte Titel doch nicht mehr lieferbar sei, aber auch antiquarisch nicht auffindbar.

    Neue Talende indes sind den großen Verlagshäusern, die sich gern auf bewährte Namen verlassen, nicht willkommen. Und den Lesern scheint zu genügen, was per Verlagswerbung „vorgeschlagen“ wird.

  11. Dieter Plep schrieb am 31. August 2010 um 22:06 Uhr

    Tatsächlich mag es manchem, der schreibend tätig wurde, ähnlich ergangen sein, wie Tom Liehr es in seiner fünfteiligen Serie beschreibt; ich erinnere mich deutlich an die Zeit vor etwa 15 Jahren, als ich selbst einen Text von kaum mehr als 60 vollgeschriebenen Seiten (Schreibmaschine) fertig hatte, der trotz dieses geringen Umfanges durchaus als experimenteller Roman hätte vermarktet werden können, und den ich dann etwa einem dutzend Verlagen zum Druck anbot… unnötig zu sagen, daß ich auf mangelndes Interesse traf; dabei thematisierte ich unter strenger Vermeidung entbehrlicher Längen die Probleme des Überdrusses am literarischen Einerlei der üblichen Genres, verwies auf Vorbilder wie August Klingemann und Thorne Smith, baute eine lustige kleine Szene ein, die eine Querverbindung zu Heines „Die Götter im Exil“ und zu Arno Schmidts „Tina oder über die Unsterblichkeit“ schuf und stattete heiter=vielschichtige Werk, das übrigens völlig OHNE handelnde Person auskam, weil es im Grunde in Form eines Monologes an den Leser, der entschuldigt, weswegen die erwartete Hauptperson des zu schreibenden Romans leider abwesend sei, verfasst war, noch mit einem peniblen Anhang aus, in dem ich „die ganze relevante Sekundärliteratur zu diesem Buch“ gratis noch mit dazugab…

    Das Büchlein wäre ein netter Spaß gewesen, zugegebenermaßen nur für geübte und unerschrockene Leser, die ein solches Vexierbild aus Zitaten, Verballhornungen geläufiger Redensarten, Gedankenspielen und zaghaft vor’m Ausmalen allzu tollkühner Blasphemie zurückschreckend innehaltenden Szenenwechseln hätten lesen mögen.
    Daraus ist nun nichts geworden, und heute widme ich meine Zeit eher der Recherche zu den Biographien vergessener Architekten, die ebenfalls nicht Buchform annehmen werden…

  12. Léon Mantiqueira schrieb am 1. September 2010 um 01:11 Uhr

    lol

    schön zu erfahren, dass ich nicht der einzige bin, der sich in den reihen der im 2. beitrag „hilfreich geschmähten“ wiederfindet.

    da knoble, grüble und werkle ich herum, schlage mir tage und nächte im bemühen um die ohren, jene worte zu finden, die in den köpfen der leserschaft die bilder, gefühle, freuden und ängste auslöst, die ich mir in meiner geschichte vorstelle … und dann bekomme ich hier schwarz auf weiß den nasenstüber, dass ich mir nie ernsthaft gedanken darüber gemacht habe, wer für meinen text eines tages geld ausgeben und meine geschichte mit hoffentlich genuss und gewinn lesen soll.

    ich streue daher asche auf mein haupt und gebe zu, dass jede frittenbude mit mehr blick auf kundenbedürfnisse betrieben wird.

    nur gut, dass ich meine geschichten auch jetzt noch für überzeugend und lesenswert halte.

    danke, dass ihr alle euch hier so viel arbeit macht, mich und andere neulinge in diesem metier mit ratschlägen und warnungen zu beglücken, damit wir nicht in zu viele offene messer laufen.

    merci

    léon

    p.s.
    sobald ich der katze die taste wieder abgejagt habe, kann ich auch wieder große buchstaben schreiben.

  13. Johanna Sibera schrieb am 1. September 2010 um 14:09 Uhr

    Léon Mantiqueira drückt wunderschön aus, worum es geht: Das „Knobeln, Grübeln und Werkeln“, um geieignete Worte zu finden – was wäre das Leben ohne diese Tätigkeiten? Freilich, man geht mit dem Hund spazieren, erledigt Bürojob und Haushalt – aber dann (siehe oben!). Irgendwann einmal findet sich dann schon ein Verlag, sei es so oder so oder auf andere Weise! Man darf die Sache nicht zu verbissen sehen. Dieter Plep gebe ich Recht, wenn er auf die als Buchautoren auftretenden Journalisten und die Fernsehstars verweist, die natürlich super Beziehungen haben und sich jegliche zur Verlagssuche nötige Vorarbeit komplett ersparen.

  14. Léon Mantiqueira schrieb am 1. September 2010 um 20:40 Uhr

    Zufrieden stimmen mich die Ausführungen von Tom Liehr auf seiner Homepage, dass es auch darum gehe, sich allerlei Regeln, Ratschläge, Tips und Warnung zu Gemüte zu führen und unter Umständen danach den Mut aufzubringen, alles in die Tonne zu treten und zu seiner eigenen Schaffensweise vorzudringen.
    Nachdem ich vor langer Zeit mit der „Methode Thomas Mann/ Hermann Hesse“ grandiosen Schiffbruch erlitt, weil deren umfassende humanistische Bildung, ihre Arbeitsdisziplin und wohl erbarmungslose Selbstkritik (gar nicht zu sprechen von ihrem literarischen Genie) von meinen Möglichkeiten weiter entfernt sind als ein Schwein vom ersten Platz in einem Salza-Wettbewerb, gelangte ich viele Jahre später an das Buch über das Schreiben von Steven King.
    Prima!
    Keine Charakterstudien, keine Plots, keine konstruierten Leben und Aktivitäten – gar nichts.
    Nur eine Geschichte finden, die wie ein Fossil im Ufersand vergraben liegt und nach und nach mit Schaufel oder feinem Pinsel ans Tageslicht gebracht werden muss, wie angeblich Michelangelo seine Skulpturen nur noch vom überflüssigen Marmor oder Stein drumherum befreien musste. Hunderte von Seiten funktionierte das auch und oft hetzte ich damals nach Hause, weil ich einfach unheimlich neugierig war, wie die Handlung wohl weitergehen würde.
    Überhaupt nicht gerechnet hatte ich allerdings damit, dass nicht nur ich meine Geschichte zu Papier bringe, sondern dass meine Geschichte ihrerseits mich verändert.
    Wenn ich nicht aufpasse, besonders dann, wenn es um substantielle Absätze, Dialoge und „Weichenstellungen“ geht, sehe ich mich unvermutet mit mir selbst konfrontiert: Autobiografisches schleicht sich ein und Hoffnungen, Ängste und was weiß ich noch alles, die ich längst im Abort der Vergangenheit wähnte, springen mir entgegen und wollen erst einmal verdaut werden, bevor ich mich wieder der Handlung vor mir widmen kann.
    Passiert mir während einer entsprechenden Textpassage (alles was nicht verheiratet ist, geht jetzt zum folgenden Absatz über!) etwas Angenehmes, das frische Unterwäsche erforderlich macht, ist das eine Sache – allerdings ist es auch vorgekommen, dass ich mich in ein heulendes Häuflein Elend verwandelte und mich tagelang nicht mehr in die Nähe meines Textes traute und das ist völlig unwitzig.
    Was das in diesem Beitrag zu suchen hat?
    „Das Buch ist der Boss.“ Auch von Steven King. Pfui! (Bevor ich sein Buch über das Schreiben in die Hände bekam, habe ich übrigens nur 10 Minuten von Shining gesehen und danach war Steven King für mich so interessant wie ein in der Ferne verrostendes Fahrrad – dieses Buch jedoch löst sich mittlerweile durch häufigen Gebrauch in seine Einzelteile auf.)
    Mit Vorstehendem spreche ich an, dass immer wieder allein ich Schwerpunkte und Relevanz zu erkennen glaube, die den Lesern jedoch verschlossen bleiben werden, und jemand muss mich mit der Nase darauf stoßen, dass das nichts in der Geschichte verloren hat – und ich argwöhne, dass ich nicht allein unfähig bin, derartigen Fallgruben auszuweichen.
    Andererseits haben sich allenfalls für einen (nicht existierenden) Therapeuten des Autors interessante Seiten schon zu wirklich guten Sätzen verdichtet, auf die ich anders nie gekommen wäre und die ich keinesfalls missen möchte.
    Ein Lektor wird das nach allem, was ich inzwischen hier gelesen haben, nicht einmal für Geld und ein Candlelight Dinner tun.
    Frage: Wer dann?
    Freunde? Zu nett und fürsorglich.
    Feinde? Zu boshaft, um derartige Chancen auszulassen, mir ins Gekröse zu treten.
    Meine Traumfrau, die mir gerade über die Schulter guckt? Wenn es darum geht, berechtigte Kritik zu üben, ist sie genauso feinfühlig wie Marcel Reich-Ranicki gegenüber einem Autor, der ihm ohnehin schon längere Zeit auf den Keks geht. (Zustimmendes Brummeln hinter mir.)

    Ich ziehe den Schluss, dass zumindest ich tatsächlich irgendwann einen Geburthelfer benötigen werde, der mir bei der Entbindung des Schriftstellerei-Babys sowohl tröstend die Hand hält, als auch mit einem kräftigen Tritt dazu beiträgt, dass ich schnöde Verlags- und Agenturen-Realität erkunde und berücksichtige.
    Somit bleiben nur Leidensgenossen, die sich wie ich mit ihren Texten balgen oder eben ein Agent, der über den Tellerrand seiner eigentlichen Funktion hinaus blickt und vor allem handelt … und es bleiben Beiträge aus der Praxis für die Praxis, wie diese 5er-Serie, von der ich schon jetzt profitiere.

    Also, mehr und mehr geschätzter Tom Liehr:
    Sollte es mir mit Hilfe deiner Artikel gelingen, aus den Arbeitsweisen von Mann/Hesse und Steven King eine erfolgreiche weil realistischere und eigene Methode des Schreibens zu entwickeln, kannst du dich auf einen Kaffee und ein Stück Himbeertorte im „Sowohl als auch“ freuen.

    Beschlossen und verkündet am 1. September 2010

    Léon

  15. F.A. Hallé schrieb am 2. September 2010 um 08:23 Uhr

    „Für wen schreibe ich eigentlich?

    Für die Leser. Natürlich. Autoren schreiben für Leser. Das klingt so richtig, so entspannt, so zwangsläufig und irgendwie auch altruistisch. Wir schreiben selbstverständlich nicht für uns (das machen Therapieschreiber, und die mag niemand)…“

    An den Ausführungen von Herrn Liehr ist sicher viel Wahres dran; der oben zitierte Punkt wird aber meines Erachtens von der Realität klar konterkariert. Mag sein, dass ich hier v.a. aus österreichischer Sicht argumentiere, aber ich habe den Eindruck, dass die ‚gehobene‘ Literatur seit Jahrzehnten von AutorInnen dominiert wird, für die das Schreiben zuallererst Eigen-Therapie darstellt, ob nun bewusst oder unbewusst. Das fing an mit Thomas Bernhard; zur Zeit ist natürlich Elfriede Jelinek die Grande Dame jener Richtung, und der heurige Bachmann-Preisträger Peter Wawerzinek passt da prima rein. Solche AutorInnen produzieren kaum Bestseller, aber sie dominieren die Feuilletons und sind offenbar die Lieblinge der Verleger – warum auch immer; siehe den Briefwechsel Unseld- Bernhard. Mag sein, dass Autoren v.a. für die Leser (für viele Leser) schreiben sollten; das hilft aber herzlich wenig, wenn der Herr Verleger eine andere Vorstellung von Literatur hat.

  16. Adorna schrieb am 3. September 2010 um 20:23 Uhr

    Vielen Dank für diese Artikelreihe! Genau so ist es, und wer glaubt, dass Verlage nicht mutig sind, der sollte vielleicht dies wissen:

    Die so gern geschmähten Bestseller von Prominenten, aus der Unterhaltungsecke („Unterhaltung- igitt!“) und neuerdings auch aus dem Fantasybereich („alles Eskapisten!“) bezahlen letztendlich die kleinen, feinen Büchlein, die wichtig sind für unsere Kultur.

    Erfolgreiche Autoren beweisen übrigens immer wieder, dass beides geht: kluge Bücher zu schreiben und dabei auch noch zu unterhalten. Sie werden nur ziemlich sicher nicht zum Bachmann-Preis eingeladen.

  17. Gokax schrieb am 3. September 2010 um 20:37 Uhr

    „Der dicke Ewald“ schickt mir vorhin diesen Link. Wir nennen ihn alle so, er ist deshalb nicht eingeschnappt. Es ist einfach ein Spitzname. Nur ein Spitzname. Er ließt hier mit. Er wollte mal, dass ich etwas an einen großen Verlag abliefere.

    Habe mir die drei Beiträge des Stoppeligen ungenau und schlampig durchgelesen und meine: Alles Quatsch. Kann auch anders kommen:

    „Du schreibst uns doch immer so tolle Briefe, wie kleine Geschichten, schick doch mal was DA hin, schick doch mal was DORT hin!“, sagte Ewald damals. Dann war ein Wettbewerb. Die Besten 10 Kurzgeschichten werden in einem Buch gedruckt. Also schickte mal was DORT hin und dachte nicht mehr dran. Keine Kopie. Einfach vergessen. Mein Job war spannender. Im Ernst. Und ich hatte regelmäßigen Sex. So einer braucht keine Bücher.

    Ein Jahr später. Meine Urlaubstage waren schon im August aufgebraucht und ich wollte drei Tage um meinen Umzug zu organisieren. Ich saß beim Arzt und überlegte was ich Simulieren sollte. Die „Tinnitus“ oder wieder „Fuss verknackst beim Rasen mähen“-Lüge? Beides hatte ich schon zu oft. „Nackenschmerzen“ auch. Jeder anständige Arbeitnehmer sollte ein chronisches Leiden haben! Ich konnte mich bis jetzt nicht mit mir selbst auf eins einigen. „Kreislauf schwach“ gabs schon zu oft, im Betrieb. Auch „Sehnenscheidenentzündung“. Außerdem wirkte es beides enorm unmännlich. Nur Waschlappen und Stopelige haben solche Krankheiten.

    Auf dem Wasserspender lag ein hässliches dünnes Buch. Daneben ein anderes hässliches dünnes Buch. Bücher sind an sich sehr hässlich. So ein blöder Klumpen Papier, drumrum ein hässlicher störrischer Karton. Das erste hässliche dünne Buch war blau und ein speckiger Faden hing raus. Das andere hatte einen dieser geschwungenen Handschrift – Titel. Wenn etwas ein Verbrechen an der Menschlichkeit ist und nach Den Haag gezerrt hört, dann ein geschwungener Handschrift – Titel. „Und Jimmy ging im Regen Koten“ oder sowas in geschwungener Handschrift in einer Arztpraxis! Kein Wunder, dass die Leute um mich rum so krank aussahen. Einer zuckte mit der Unterlippe, während seine Ohren dabei wackelten. Er war ganz grau. Wahrscheinlich von zu vielen Büchern ala „Regen Koten“. Ich hätte gerne ein Video von ihm gemacht um die Nachbarskinder zu erschrecken. Aber ich schweif ab.

    Ich nahm das blaue Buch, schlug es auf und las meine Geschichte die ich hin vor einem Jahr an den Verlag schickte. Grässlich das eigene Zeug zu lesen. Wenns auch nur ein Anlesen war. Wie wenn man von sich selbst ein Foto ansieht und denkt: das bin ich gar nicht, der Fotograf ist eine Niete und sollte sich aus Strafe am Besten selbst verstümmeln müssen.

    Aber das war mein Text. Darunter stand kursiv:“Lieber Autor, leider haben Sie vergessen Ihre Adresse anzugeben, wir wollten aber trotzdem auf keinen Fall auf den Abdruck verzichten!. Wenn Sie das lesen sollten .. bitte melden Sie sich bei uns, wir würden gerne mehr von Ihnen lesen!“

    Ich habe mich nie dort gemeldet. Wozu? Mein Job ist befriedigend, ich will der verdammten Welt nichts mitteilen, verdiene gut, habe trotz eines Druchschnittspenis regelmäßig wilden Sex und noch alle Zähne. Wozu all das Zeug schreiben? Wozu?

    Ewald habe ich nie von diesem Arztbesuch erzählt. Tja, jetzt weißt du es.

  18. Jutta Wölk schrieb am 4. September 2010 um 11:43 Uhr

    Hallo zusammen,

    vielleicht bin ich eine Ausnahme, vielleicht aber auch nicht.
    Ich schreibe inzwischen nicht nur für den Leser, sondern auch für mich. Ob dies einer Therapie gleichkommt, kann ich nicht beurteilen. Es macht mir einfach Spaß, und ich genieße es, meine Texte zu überarbeiten.

    Als ich vor sechs Jahren mit dem Schreiben begann, war ich noch sehr naiv in Bezug auf Veröffentlichungen. Mittlerweile habe ich gelernt und erfahren, dass es gar nicht so einfach ist, damit Geld zu verdienen.
    Auch steht für mich der Erfolg, Ruhm und Reichtum nicht mehr im Vordergrund.
    Allerdings wäre ich nicht abgeneigt, meinen Lebensunterhalt mit meinen Geschichten zu verdienen. Ich würde lügen, behauptete ich das Gegenteil. Andererseits weiß ich, dass es fast unmöglich ist, als unbekannte Autorin auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen.
    Was mich jedoch nicht abschreckt, ich mache weiter!

    Was ich eigentlich sagen will, ist, dass man sich nicht von allzu vielen gut gemeinten Tips und Ratschlägen verunsichern lassen soll. Schnell geht dabei der eigene Schreibstil verloren.

    Ich lese und höre immer wieder von literarisch hochgelobten Texten, nur solche wollen gelesen werden. Ich sehe das anders: Was nutzt mir ein hervorragend geschriebenes oder ausgezeichnetes Buch, wenn es mich zu Tode langweilt?

    Liebe Grüße Jutta

  19. Dieter Plep schrieb am 4. September 2010 um 13:05 Uhr

    Es ist verständlich, daß Verlage die Notwendigkeit sehen, vom Verkauf der Bücher „leben“ zu müssen und daher Manuskripteinsendungen bevorzugen, die erwarten lassen, Käufer zu finden… indem aber Literatur grundsätzlich an diese Bedürfnisse leichter Lesbarkeit, der Zugehörigkeit zu bewährten Genres, zugkräftiger Verfassernamen oder gängiger Sujets angepasst wird, senkt sich zugleich die Wahrscheinlichkeit, daß die Bereitschaft etwas hiervon abweichendes zu lesen – was so gesehen die Lektorate in ihrer Vorauswahl als self-fulfilling prophecy nur bestärkt.

    Der Wunsch, die Leser auch zu wachsendem Qualitätsbewußtsein „zu erziehen“, ist quer durch alle Verlage eigentlich völlig verlorengegangen, die Maxime, dem Leser „entgegenzukommen“ (ihn dort „abzuholen“, wo er ist oder verlagsseitig vermutet wird), führt Literatur unweigerlich ins Kielwasser des trivialen und macht sie also langfristig entbehrlich.

  20. Léon Mantiqueira schrieb am 4. September 2010 um 13:08 Uhr

    Vielleicht wirken Texte ja dadurch für professionelle Kritiker unverständlich erfolgreich im Hinblick auf Verkaufszahlen, weil sie etwas von dem transportieren, was im Verfasser vorging, während er schrieb und litt und schrieb und strahlte schrieb und verzweifelte schrieb und sich weiter kämpfte?

    Wenn ich nach des Tages Mühen erschöpft daheim in meinen Ohrensessel sinke und mich dann ein Buch in eine vielleicht einfache, aber erholsam interessante und schönere Welt entführt, dann ist es mir schnurzpiepegal, ob das „gehobene“ Literatur oder Grisham, Stout, Spillane oder die Autobiographie von Donald Duck ist.

    Telepathie, Gedankenübertragung, das ist es, was im günstigsten Fall zwischen dem Autor und mir als Leser vor sich geht … das rote Kaninchen mit dem blauen Fragezeichen auf dem Rücken, das sich Steven King vor Jahren vorgestellt hat, erscheint jetzt hier vor meinem inneren Auge.

    Könnte also gut sein, das ich das auch mit meinen bescheidenen Texten bei fleißigem Üben eines Tages hinbekomme, wenn ich alle Regeln verstanden und dann wissentlich missachtet habe … oder?

  21. Dieter Plep schrieb am 4. September 2010 um 13:27 Uhr

    Meiner Vorrednerin Jutta Wölk: Ein hervorragend geschriebenes Buch KANN gar nicht langweilen, weil die Beherrschung der Sprache selbst das geeignete Mittel ist, Interesse am geschilderten Gegenstand zu wecken und literarische Schönheit zu erzeugen.

    Deswegen sind auch gute Ratschläge, durch Einhaltung gewisser Regeln den Text zu „vereinfachen“
    [http://www.webwriting-magazin.de/guter-stil-klare-sprache-20-handwerkstipps-fuer-einsteiger/], um es dem Leser zu erleichtern, seinen Sinn zu entziffern, eigentlich kontraproduktiv: Wer VIEL liest, sollte in den Stand gesetzt sein, auch komplexere inhaltliche Zusammenhänge, schwierigere Formulierungen, doppelte Verneinungen, Anspielungen auf aus der Mode gekommene Zitate zu verstehen – ja sogar solche Dinge, wenn sie feste Bestandteile des persönlichen Stil eines Autors geworden sind, besonders zu mögen…

    Manche Bücher gewinnen gerade durch den altmodischen Erzählton, in dem sie geschrieben sind.

  22. Rolf Pflug schrieb am 6. September 2010 um 10:02 Uhr

    Zum Artikel Nummer2: Nun gibt es aber auch leute die für sich schreiben. Ich verarbeite Erlebtes oder baue meinen Frust ab. Dabie käme ich aber nie auf die Idee das Verlagen anzubieten. Die Regale in den Buchhandlungen stehen voel von mittelmäßigen „Werken“ ich muss nihct versuchen diesen Pool noch mehr zu füllen. Ach: einen dritten grund habe uich auch noch: Ich schreibe auch weils mir Spass macht.

  23. Der Herr schrieb am 8. September 2010 um 19:29 Uhr

    Da schreibt irgendein Mensch, irgendetwas und..

  24. Siri D. schrieb am 9. September 2010 um 15:02 Uhr

    Buongiorno Tom Liehr,
    warum machst du alles und jeden eigentlich nieder. Wo ist denn die Loyalität gegenüber anderen Autoren, auch wenn sie noch keine Veröffentlichung haben? Hier wird nur ständig gesagt, was wer nicht machen soll, nur nie wie wer was machen soll. Außerdem was ist schlecht an Schreibmaschinen? Gar nichts! Ohne die Schreibmaschine, gäbe es keine Tastaturen! Was ist schlecht an einem Wohnzimmer? Gar nichts! Wenn der Schreibende seine Fantasie auf ein Blatt Papier bannt. Nimm zum Beispiel: Nora Roberts – sie schrieb ihren ersten Roman, wie sie eingeschneit war – in ihrem Wohnzimmer! Heute ist sie Bestseller-Autorin, ihre Romane sind bereits teilweise verfilmt. Vielleicht manchmal etwas kitschig, aber dennoch, sehr entspannend im Bett vor dem Einschlafen zu lesen oder bei einem verregneten Sonntag, kuschlig in einem bequemen Sessel bei leiser Musik und einer schönen Tasse Tee. Was ist so schlecht daran? Nein – es ist gut.
    So sind doch noch einige unentdeckte Talente, die es wert sind, gelesen zu werden und vielleicht auch ein wenig Erfolg zu haben. Es gibt soviel Negatives und Widerliches heute in dieser Welt, dass es doch schön ist seinen Gedanken freien Lauf zu lassen, ohne dass etwas zerpflückt wird. Es ist schließlich Ansichtssache, was jeder für lesenswert hält. Ich finde deine Bücher auch nicht gerade umwerfend!

  25. anner griem schrieb am 9. September 2010 um 16:01 Uhr

    léon, gut geschrieben! nur, die himbeertorte wirst du alleine verkosten müssen auf der unterlage intelligent-fleißig beschriebener blätter weißen papiers, befürchte ich.
    geburtshelfer/in? ich denke mal, alleine diesen oder diese zu finden, wird zur zangengeburt. also, für wen schreibe ich? für mich und meine neben, über, vor und hinter mir lebende hauptfrau, die mich zum lohn kritikfertig macht um mir danach zur leidensbelohnung ein tellerchen radieschen aus ihren garten kredenzt.

    ich schreibe weiter!

    vom berg, anner

  26. Burkhard Spohn schrieb am 10. September 2010 um 02:04 Uhr

    Nach Jahrelanger Suche nichts „Neues“ Herr Liehr!
    Schon ein Goethe machte sich auf die Suche nach einen Verleger und scheiterte… Ich brauche nicht weiter ausholen. Für Sie nichts „Neues“.

    Doch machen Sie einmal eine Straßenumfrage nach den besten Schriftstellern. Ich wette mit Ihnen das ich selbst die meisten der genannten Promis sicher nicht kenne. Bis zum heutigen Tag kannte ich auch Sie nicht und Ihre Bücher. Das ist mit Sicherheit auch keine Schande bei den unzähligen drittklassigen Büchern die jeden Tag auf den Markt geschmissen werden.

    Eine Schande dagegen ist es das ein großer Teil unserer Bevölkerung die alten Meister nicht mehr kennt. Ich will Ihnen auch sagen woran das liegt: Sie wollen sie nicht mehr kennen. Goethe ist langweilig zu lesen. Hugo ist ja soo anstrengend ausführlich. Die Meister hätten heute keine Chance mehr auf dem Markt, weil sie zu anständig sind. Ja, auch sie haben Missstände ihrer Zeit aufgegriffen mit hohen moralischen Grundsätzen. Doch heute würde man sie nicht mehr veröffentlichen obwohl sie die Kunst des Schreibens beherrschen. Sie sind für die Verlage nur interessant weil sie einen berühmten Namen haben.

    Heute schreibt ein Popstar ein Buch, obwohl er keine Ahnung vom Schreiben hat. Heute lesen Fans diese Bücher und bewundern sie auch noch, obwohl, nein, weil sie keine Ahnung von guter Literatur haben. Leider haben Sie in Ihrem Bericht beide Seiten als Kunst beschrieben. Was für eine bedauernswerte Kunst ist das, die durch Provokationen, anecken oder Perversionen auffällig wird. Da bleibe ich doch lieber auf der Reservebank der Nichtveröffentlichten sitzen.

    Wo bleibt der Idealismus der guten Feder? Untergegangen in einem Wirrnis von Müllhalden. Ein Buchhändler sagte mir: „Sie schreiben zu gut. Daran ist niemand interessiert“. Die gebadete Sau will sich im Dreck wälzen. Doch verstehen Sie mich nicht falsch, Herr Liehr, anklagen möchte ich nicht die Schreiberlinge. Die wissen es nicht besser (wer sich hemmungslos seinem Publikum entblößt, wird auffallen und er wird auch berühmt und reich). Sie wissen es nicht besser weil sie geistig verarmt sind, dekadent und sie brüsten sich mit einem Buch das ihrem niedrigen Niveau entspricht. Ein Tier würde ich nicht anklagen weil es seinen Mist fallen ließ, wohl aber seinen Herrn.

    Wer spielt sich als Herr über junge Autoren auf? Studierte Leute, die es wissen sollten, Verleger, riesige Mulikonzerne drücken uns ihren Preisstempel auf. Die Kunst ist hier schon lange abhanden gekommen. Hier geht es nur noch um die Kunst des Überlebens. Nein Danke, ich will nicht in einem Sumpf überleben. Lieber leiste ich mir ein hohes geistiges Niveau und schreibe für mich selbst. Für mich selbst – ist Selbstachtung.

    Eines hat mir das erste Stöbern in einem Forum auf jedenfall gebracht. Ich weiß warum ich nicht veröffentlicht werde.

    Wissen Sie, warum es Ihnen anders geht?
    Grüße: http://www.bunter-literatur-graben.com

  27. Jenny schrieb am 10. September 2010 um 11:26 Uhr

    Hi Tom,
    ich verfolge deine Reihe von Anfang an mit großem Interesse. Die Zeit, in der ich zu den mit Absagen gut eingedeckten Möchtegerns zählte, ist noch nicht so lange vorbei, und ich sehe mich trotz Veröffentlichung noch nicht so weit davon entfernt, hab ich das – in meinen Augen – beste MS doch noch in der Schublade.

    Inzwischen hab ich das Interesse an deiner Kolumne allerdings ein wenig verloren, konnte aber erst nach dem aktuellen Teil differenzieren, woran es liegt: Deine Artikel sind extrem … negativ. Du zählst auf, was die Autoren falsch machen, oder was sie auch nicht falsch machen – aber dass sie in aller erster Linie erstmal keine Chance haben.
    Das Beispiel heute von A,B, C und D – was soll uns das sagen? Dass auch sehr gute MSe es nicht in den Verlag schaffen (und die Autoren es daher gar nicht erst versuchen sollen?). Dass Verlage es grundsätzlich „besser wissen“? Nun, dann stellt sich aber schon die Frage, warum auch zig-fach abgelehnte MSe manchmal noch Bestseller werden.
    Die potentiellen Gründe, ein MS abzusagen, kommen mir hier ein wenig ein wenig zu oberflächlich & einseitig abgehandelt vor.

    Über allem schwebt hier dieser Pessimismus. Du berichtest ausführlich über die chancenlosen Hobbyautoren, zuerst etwas ironisch über jene, die wirklich chancenlos und marktunfähig sind; dann aber im gleichen Atemzug über die, die sehr wohl Chancen hätten, aber am Quentchen Glück scheitern oder mit ihrem MS einfach zur falschen Zeit am falschen Ort sind.
    Was mir zum Ausgleich ein wenig fehlt, sind zu all den „so läuft das nicht“s auch mal konkrete Tipps, wie es besser laufen könnte. Sowas hatte ich mir ein wenig erhofft/ erwartet.
    So, wie die Kolumne nun ist, wäre sie allenfalls eine Hilfe für die, bei denen wirklich Hopfen und Malz verloren ist – aber dass die solche kritischen Texte nicht lesen, sondern lieber 50€ in BoD investieren, wissen wir doch alle.
    Mir fehlen ein wenig die „neueren Erkenntnisse“ für die, die das Thema wirklich brennend interessiert.
    Aber vielleicht kommt da ja noch was ;-)

    LG Jenny

  28. Tom Liehr schrieb am 10. September 2010 um 11:56 Uhr

    Ich werde erst nach Abschluss der Reihe auf Kommentare eingehen und Fragen beantworten.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  29. Dieter Plep schrieb am 10. September 2010 um 12:42 Uhr

    Also der vierte Teil unseres Vortragenden Tom Liehr ist ja nun urkomisch. Wenn KEINER weiß, was „der Leser“ wünscht, inwiefern „verbessert“ das Nichtwissen entsprechend den Wünschen des Verlegers oder Lektors eigentlich die Marktgängigkeit des Buches, indem seinem Autor „Veränderungs-“ oder „Besserungsvorschläge“ unterbreitet werden?
    Der Autor steht mit seinem Namen dafür ein, daß ER der Urheber des vorliegenden Buches ist – nicht nur des seinem Rohgerüst zugrundeliegenden Gedankens. Wenn Bücher ohnehin eine konturenlos geschliffene Kooperation von Verfasser, Literaturagent und Lektorat sind, was nützt’s dem Autor, der seine Schöpfung im Buch nicht mehr wiedererkennt?

  30. Nadia Audi schrieb am 10. September 2010 um 13:30 Uhr

    vielen dank,
    ich habe sehr viel gelernt und manches gewusst.
    die debile konkurrenz spornt mich an ;-)
    PS: herr liehr,
    könnten sie mich bitte per email kontaktieren?

  31. LastGunman schrieb am 10. September 2010 um 13:32 Uhr

    So lange man die Scheine in der Brieftasche wiedererkennt, wäre mir das egal :D

  32. Dieter Plep schrieb am 11. September 2010 um 17:35 Uhr

    Das Fazit (nach 80% des angekündigten Gesamtumfanges) wäre also: Es gibt zu viele Leute, die ihr Glück auch auf dem Buchmarkt versuchen wollen, zu viele Leute, die also möglicheriweise kein klares „Konzept“ haben, ein Buch, das auch genau in bestehende Verlagssortimente passt, zu liefern…

    Also ich kann mir nicht helfen: Und dabei habe ich ja auch schon recht viel gelesen, öfters eine Buchhandlung aufgesucht, Bücher gekauft, bin oft genug von dem, was auf dem Markt ist, enttäuscht worden und habe oft genug beim Stöbern nach Lesestoff nichts passendes gefunden…

    Manchmal könnte das Buch eines Newcomers jener Versuch sein, ein sich anbietendes Thema aus unkonventioneller Sicht zu bearbeiten. Und eben Vielfalt der möglichen Sichtweisen macht doch den wesentlichen Reiz der Literatur aus: Daß ein Gegenstand eben auch durch die indivduelle Betrachtungsweise gewinnt.

  33. WortArtiG schrieb am 11. September 2010 um 20:18 Uhr

    Auch wenn ich keine Romane verfasse – mich der Deutschunterricht (den ich in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts genossen habe) literarisch zu eher gar nix qualifiziert – und ich zwar schreibe, aber dieses Tun am allerwenigsten mit Ruhm und Reichtum in Verbindung bringen würde, habe ich die bisherigen Folgen ‚Warum werde ich nicht veröffentlicht? Oder: Die Große Manuskriptverschickung‘ tapfer gelesen.

    Selbstverständlich habe auch ich schon ein Exposé (mit viel Neugier und ein klein wenig Hoffnung verpackt) an genau zwanzig Verlage verschickt.
    Es sind übrigens nicht die Verlage, die da antworten – es sind ihre Antwortmaschinen. Achtzehn nichtssagende höfliche Antwortbriefchen, mit höflichen nichtssagenden Sätzchen, haben mich erreicht – und mir beinahe nichts gesagt, aber das sehr höflich. Eine konkrete und charmante Absage kam via E-Mail. Eine ernstzunehmende Aufforderung (natürlich eines ganz kleinen Verlags), mein Manuskript bitte einzusenden, ebenfalls.
    Das Manuskript habe ich nicht versendet.
    Für mich war zu diesem Zeitpunkt nämlich noch nicht geklärt, ob ich mich bei diesem scheinbar notwendigen Prozedere als Anbieter oder Bittsteller fühle. Aber auch die einmalige Teilnahme bei der GMV hilft beim Nachdenken und dem Lösen der Frage: wer will hier was – und warum?
    Der Gedanke an das eigene Buch mag wohl sexy sein – aber ich habe inzwischen die Gewissheit, dass es für Geschriebenes (natürlich abhängig vom Genre) nicht zwingend einen Verlag braucht. Ich will doch nur schreiben, gelesen werden und Freude daran haben. Und ob das Schreiben für mich nun Selbsttherapie -, Suche nach Beachtung oder das erfüllende Produzieren Wort gewordener Gedankenkonstrukte ist, das ist mir – mit Verlaub und von ganzem Herzen – im maximalen Superlativ scheißegal. Ich schreibe wenn es mich zwickt – und nicht um Ziele zu erreichen.

    Ungedrucktes muss jedenfalls nicht artgerecht in der Schublade gehalten werden, nur weil die Buchmaschinerie es nicht haben mag bzw. nicht brauchen oder verwerten kann.
    Ohne Angst davor, den eigenen Texten einfach die Freiheit zu schenken (das dürfte bei vielen Autoren ein echtes Problem sein), ist die erste Hürde schon geschafft. Die eigene Webseite in Form einer Online-Lektüre (z.B. unter einer Creative Commons Lizenz) zu gestalten, ist aber nur ein Anfang. Und das Gestalten steht dabei im Vordergrund.
    Dann gibt es da noch jede Menge Lesebühnen und Open Mics.
    Ich habe mich für den Poetry Slam entschieden. Gut doppelt so alt als die anderen Teilnehmer, mit einer Familienpackung Lampenfieber ausgestattet, weichen Knien und versagender Stimme vor sechzig, hundertfünfzig, oder manchmal auch einigen hundert Menschen den eigenen Texten Leben einzuhauchen, das ist ein echtes Erlebnis. Es kann süchtig machen.
    Im Nachhinein waren es auch die Rückfragen zweier Verlage, die das ermöglichten. Nämlich die Frage danach, an welche Zielgruppe sich meine Texte denn richten würden. Na, wenn die Verlage das nicht wissen, dann hat mein Manuskript bei diesen ohnehin nichts verloren. Und ich bekomme das auch selbst heraus, wenn ich wissen will.
    Meine Zielgruppe schickt mir im Schnitt zwei bis drei E-Mails in der Woche über mein Webmail-Formular (Rückmeldungen zu eigenen Texten sind immer etwas Besonderes) oder geht regelmäßig auf Poetry Slams. Aber ich glaube, da gibt es noch mehr. Ich zielgruppensuche weiter – das macht richtig Spaß.

    Inzwischen hat sich ein Sprecher gefunden, der meine Texte für ein Demo sprechen möchte – eine CD wird es wohl auch noch geben.
    Geld spielt dabei keine Rolle – weil ich keines dafür bekomme. Was eine Rolle spielt ist die Neugierde darauf, was alles so passiert, wenn man den Dingen entkrampft und entschleunigt ihren Lauf lässt.
    Vielleicht findet sich irgendwann ein|e Lektor|in, der|die mir hilft die Texte leseschmerzfrei – und ein E-Book im E-PUB-Format zu gestalten. Vielleicht etabliert sich bis dahin schon ein deutsches Online-Portal, auf dem ungedruckte Autoren ihre E-Books publizieren und zum Download freigeben können. Vielleicht …
    Die regelmäßigen Rückfragen danach, weshalb es kein Buch von mir gibt, schmeicheln der kleinen Autorenseele jedenfalls weit mehr, als es die Frage täte, weshalb mein zwanghaft zum Druck gebrachtes Buch niemand lesen will.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich noch einmal einen Verlag mit einem Exposé belästigen werde.
    Die Frage danach, warum ich nicht veröffentlicht werde, muss man sich nicht stellen. Sie ist vielmehr eine Folge davon, der Buchproduktion entsprechen zu wollen – oder zu müssen.
    Könnte natürlich auch sein, dass ich das alles nur deshalb so sehe, weil es mir nebst Rechtschreibsicherheit auch noch an Fleiß und Stehvermögen – und an der Bereitschaft mangelt, meine Frustrationstoleranz an den Maßstäben derer, die dem literarischen Nutzmenschen die Erfolgsparameter definieren, auszuloten.

  34. LastGunman schrieb am 12. September 2010 um 15:30 Uhr

    Nun, ich gebe zu, ich habe noch keine Absage, weil ich noch nie was bei einem Verlag, bzw. eine Agentur eingeschickt habe. Zum Schreiben bleibt bei Familie, einem Dreischichtberuf und einer Redaktionstätigkeit eben nicht viel Zeit. Solange mir mein Job aber Spaß macht, und ich damit gutes Geld verdiene, kann ich da auch nicht klagen.

    Für meine Kurzgeschichten habe ich mit Smashwords eine Ebook-Plattform (wenn auch eine amerikanische) entdeckt, bei denen man die Ebooks in allen möglichen Formaten und zu unterschiedlichen Konditionen einstellen kann. Ich habe meine dort alle kostenlos drin und heruntergeladen werden sie zu genüge. Für meine bisher einzige englischsprachige Story habe ich auch schon sehr gute Resonanz bekommen, was gerade für einen Nichtmuttersprachler schmeichelhaft ist.

    Für fast alles gibt es ein Publikum, man muss nur herausfinden, wie man es erreicht. Und man muss sich damit abfinden, dass sich die Verdienstmöglichkeiten nach der Größe dieses Publikums richten.

  35. theofriedrich schrieb am 12. September 2010 um 18:06 Uhr

    … eigentlich wollte ich erst nach dem letzten Teil noch einmal kommentieren, weil ich beim dritten Teil gemerkt habe, daß ich mir eine andere Vorstellung gemacht hatte. Ich habe jedoch fleißig weitergelesen und bin nun gespannt, wie Tom Liehr die Sache auflöst. Denn es wäre ja gelacht, wenn nach dieser akribischen Vorbereitung nicht noch ein AHA-Erlebnis auf uns warten würde. Im übrigen sind die post’s von WortArtiG und das letzte von LastGunman ganz in meinem Sinne (das ist der eigentliche Grund für diesen Kommentar)
    Ich freue mich auf Freitag.
    schöne Woche bis dahin
    Theo F.

  36. Gerhard Falk schrieb am 13. September 2010 um 15:56 Uhr

    Auf den 5. Teil bin ich gespannt.

    Vielleicht habe ich es überlesen, aber einen Aspekt der Schreibmotivation hat er nicht behandelt: das Bedürfnis nach Kommunikation und nach geistiger „Fortpflanzung“. Sich mitzuteilen und Spuren zu hinterlassen ist doch ein urmenschliches Bedürfnis. Wenn wir an alten Bänken oder Bäumen in Parks oder an markanten Orten vorüber kommen, dann sehen wir dort zumindest eingeschnitzte Initialen, vielleicht mit einem Herz darum. Hier haben wir uns geliebt, könnte es lauten. Beim Strandspaziergang ritzen wir Worte, Bilder oder sonst was in den Sand und schauen genüsslich zu, wie die nächste Welle sie mit sich nimmt. In zahllosen Gästebüchern wird geschrieben, gemalt und dabei an diejenigen gedacht, die es später lesen werden. Irgendwann ist es ein Gedanke, ein Gefühl, das mit Worten dauerhaft gemacht werden soll und ein Gegenüber sucht, auf Zustimmung, Widerspruch oder einfach nur Aufmerksamkeit hoffend. Für einen kurzen Moment oder auch nachhaltig soll jemand daran teilnehmen. Es soll bei ihm möglicherweise etwas bewirkt haben. Eine Spur zu hinterlassen, die nicht gleich mit der nächsten Welle fort gewischt wird und nicht nur ein Fußabdruck ist, sondern das beinhaltet, was uns Menschen ausmacht – den Gedanken.

    Heute gibt es so unendlich viele Möglichkeiten, diesem Bedürfnis nachzukommen. So wird eine Flut von Manuskripten produziert. Warum auch nicht? Das eine oder andere wird irgendwo hängen bleiben, manche spült es in einen Verlagshafen, andere gehen unter. Sie hatten aber alle ihren Wert in dem Augenblick als sie geschrieben wurden. Ich wünschte mir, dass noch mehr Menschen eher in ihrer Freizeit etwas produzieren als endlos irgendwo herum zu hängen und zu konsumieren, es sei denn, es wäre ein Buch! Für alles gibt es eben diese eine Ausnahme, die eine Behauptung zu widerlegen scheint.

  37. Jo schrieb am 14. September 2010 um 22:57 Uhr

    Eine gelungene Serie, die am richtigen Ort erscheint. Danke.

  38. Dieter Plep schrieb am 16. September 2010 um 22:42 Uhr

    Der fünfte Teil wird erst morgen erscheinen, aber beim Stöbern in den Textinhalten des neugestalteten Literaturcafés entdeckte ich einen Beitrag, der thematisch ja nun zu schön passt, wo’s um die Sorgfalt verlegerischer und lektoraler Auswahl verlegenswerter Manuskripteinsendungen geht…

    Welche Bücher unsere Zeit braucht, entscheidet also allein der mehrheitliche Zeitgeschmack in Hinblick auf Themenwahl und Sprachnutzung? Kein Wunder, daß ich schmerzlich selten noch mal ein aktuelle Buch finde, das mir lesenswert erscheint…

  39. Dieter Plep schrieb am 17. September 2010 um 20:30 Uhr

    Wenig überraschend scheint, daß diese fünfteilige Serie nun mit dem Fazit schließt, daß, wer schreibt, sich mit Unterstützung eines Agenten also einen Teil der Arbeit in Hinblick auf Verlagsfindung und Textanpassung an zu erwartende Boomthemen am aktuellen Buchmarkt erleichtern lassen soll. Jetzt muß man sich nur noch fragen, ob es nicht ein einfacher und kürzerer Werbetext getan hätte, diese Weisheit zu vermitteln…

    Interessant ist auch dies Interludium, nicht allein das Produkt „Buch“ zu schreiben zu haben, sondern quasi sich selbst als „Marke“ und als unverwechselbare Entität von Verfassername, Verlag und Werk (incl. der Fortsetzungen zu Geschichten mit einmal festgelegtem Romanpersonal) darzustellen…

    In der nächsten Ausgabe des Literaturmagazins Volltext soll übrigens ein Interview William Gaddis
    http://richtersblog.wordpress.com/2010/09/10/der-alptraum-des-william-gaddis
    abgedruckt werden, das der Autor 1995 Klaus Modick gab, und worin eben dieses Problem der medialen Selbstinszenierung des Künstlers weitaus weniger euphorisch betrachtet wird…

  40. Kai Beisswenger schrieb am 18. September 2010 um 11:00 Uhr

    Hallo Herr Liehr,
    schade, dass Sie die Serie erst jetzt geschrieben haben. Ein Jahr früher hätte ich die Tipps besser verwerten können als heute.

    Ich empfehle Ihnen, falls Sie das noch nicht ins Auge gefasst haben, die Serie zum Buch auszuarbeiten oder in eimem PDF zusammmenzufassen und auf Ihrer Website zum Download bereitzustellen.

    Gruß
    Kai Beisswenger

  41. LastGunman schrieb am 18. September 2010 um 11:37 Uhr

    Ja, wenig überraschend. Der letzte Teil steht etwas hinter den ersten vier zurück, in allen Punkten. Gerade was den Witz angeht und wie interessant sich der Text liest.

    Aber das war auch vor dem Lost-Finale nichts neues, dass das Ende die Erwartungen nicht erfüllt – sehr viele Bücher, Filme und Tv-Serien sind so.

    Dennoch eine sehr interessante Artikelreihe, die ich gerne gelesen habe, obwohl sie mir persönlich kaum neues vermittelte.

  42. Dieter Plep schrieb am 18. September 2010 um 12:25 Uhr

    In Kommentar #28 vom 10. September 2010 schrieb Tom Liehr, daß er nach Abschluß der Serie sich hier einer Disputatio stellen wolle.
    Auf die immerhin 40 sonstigen hier vorhandenen Leserkommentare ist bis jetzt nicht eingegangen…

  43. Susanne schrieb am 18. September 2010 um 16:06 Uhr

    Klasse, Tom. Das hat’s mal wieder kenntnisreich und pointiert auf den Punkt gebracht. Ein Teil der Kommentare ist ebenfalls witzig – aber eher unfreiwillig. Klar, jetzt haut man den Autor, der’s (warum auch immer, und ein Quentchen Glück gehört alle Male bei allem Talent dazu) auf den Markt geschafft hat. Der es aber nicht aufgibt, anderen, bisher weniger Glücklichen mit seiner Erfahrung und seiner Sachkenntnis zur Seite zu stehen. Und was erntet man mit solchen Bemühungen?
    Schelte. Oder Häme.
    Seltsam, seltsam. :-)))

  44. theofriedrich schrieb am 18. September 2010 um 16:22 Uhr

    … leider doch nicht der AHA-Effekt, sondern das was sich andeutete. Literatur ist eine Industrie und wer sich an die Regeln des Marktes hält hat größere Aussicht auf Erfolg. Das kann ich, auch wenn ich es bisher nicht so realisiert hatte, nachvollziehen und akzeptieren. Dank an Tom Liehr, für die verständliche Form der Darstellung und die damit verbundene Mühe.

    Allerdings wird meine, daneben bestehende, eher romantische Vorstellung davon wenig berührt. Es gab, es gibt und es wird immer Menschen geben, die ihr schreiben nicht als Profession, sondern als Berufung sehen. Wenn es so ist, daß im Markt für diese Art Schriftsteller keine oder nur eine verschwindend geringe Möglichkeit besteht veröffentlicht zu werden, ist es zwingend erforderlich, Publikationsmöglichkeiten zu schaffen, die dieser Arbeit gerecht werden. Es deutet sich ja in einigen der hier abgegebenen Kommentare schon an, daß neben BOD weitere Formen der Publikation in der Entwicklung sind. Das wird sich sicherlich in den nächsten Jahren weiter fortsetzen.
    In diesem Sinne
    ein schönes Wochenende
    Theo F.

  45. Jo schrieb am 18. September 2010 um 18:02 Uhr

    An diesem Ort empfinde ich Tom Liehrs Betrachtungen durchaus als angebracht. Ergänzend Robert Schindels eher pädagogische betrachtungen im Standard: http://richtersblog.wordpress.com/2010/09/18/free-climbing/

  46. Peter Hellinger schrieb am 18. September 2010 um 21:42 Uhr

    Nach der Diskussion hier http://l2wb.de/5r und der bald darauf folgenden Ankündigung war ich ja auf die Serie schon gespannt. Woche für Woche folgte ich den Ausführungen von Tom Liehr. Dabei stellt er ja einige, ich nenne es mal Thesen auf.

    These 1: Viele Menschen schreiben, die wenigstens können es.
    Auf der einen Seite beklagt Herr Liehr – durchaus zurecht – die schlechte Qualität vieler Texte, die nicht veröffentlicht werden, macht sich aber gleichzeitig über die Bemühungen der Verfasser lustig, ihr Können zu verbessern. Da wird auf alle, die Schreiben als ihr Hobby, ihre Berufung, vielleicht sogar als ihre Profession sehen, breitflächig eingedroschen. So als ob es schlecht wäre, Schreibratgeber zu lesen, VHS-Kurse zu besuchen oder Schreibgruppen beizutreten und dass bei so etwas sowieso nur mindere Qualität hervorgebracht wird.
    Ich frage mich, ob wir diese Diskussion führen würden, wenn wir alle Musiker, Maler oder Bildhauer wären. Dort ist es eine Selbstverständlichkeit, dass nur Übung zu Meisterschaft führt. Und es gibt Tausende Menschen, die Klavier spielen, Spaß und Freude daran haben vor 100 oder 200 Leuten aufzutreten und niemals auch nur in die künstlerische Nähe eines Lang Lang kommen, geschweige denn Konzertsäle wie er füllen können. Schriftsteller dagegen scheinen nur etwas zu gelten, wenn sie bei Suhrkamp/Rowohlt/Aufbau/Fischer einen Bestseller landen. Die vielfältigen Wege der Literatur, kleine Veranstaltungen, szenische Lesungen, handverlesene Literaturzeitschriften mit Miniauflagen, Poetry-Slams usw. alles findet außerhalb des klassischen „Literaturbetriebs“ statt. Aber das zählt nicht für Herrn Liehr.
    Die von mir sehr geschätzte Schriftstellerin Petra von Cronenburg http://l2wb.de/7a bringt es letztendlich in Carsten Tergasts Durchschuss-Blog http://l2wb.de/79 auf den Punkt (letzter Kommentar):
    „Was wäre eigentlich so schlimm daran, wenn Tante Ernas Tagebuch im Strickclub drei Leserinnen fände? Und alle anderen Tante Ernas Werk eben nicht kauften?
    In meiner Jugendzeit haben wir wie die Bekloppten Texte hektografiert oder kopiert und im Copyshop “echte” Zeitschriften und Möchtegernbücher gebastelt. Wir haben schlimmste Texte für Fanzines verbraten und selbst ein Fanzine nach dem anderen aufgemacht, sogar verkauft.
    Das war “Learning by Doing”, sicherlich schmerzhaft für die Leser, doch ansprechend für manche.
    Wenn mir damals jemand gesagt hätte, ich solle den Mist gefälligst in der Schublade lassen und nicht am lebenden Objekt testen, wäre ich wohl weder Journalistin noch Buchautorin geworden.“
    Sicher: Wenn einer kein Talent zum Schreiben hat, wird ihm auch das andauernde Üben nichts nützen. Wie es auch Leute gibt, die über das Klimpern am Klavier nie hinauskommen. Was ist aber so schlecht daran, sein Handwerk zu lernen, Fehler zu machen, sich zu verbessern, sich zu entwickeln? Herr Liehr bleibt die Antwort schuldig. Lustig machen als Effekt um des Effekts willen. Vielleicht glaubt er auch, in Amateurmannschaften Fußball zu spielen wäre hinderlich, wenn man mal beim FC Bayern landen möchte. Möglich wär‘s. Nur: Man kann nicht auf der einen Seite beklagen, dass so viele Texte schlecht sind, aber auf der anderen Seite den Eindruck vermitteln, alle Möglichkeiten der Übung und Verbesserung wären umsonst. Klar muss man irgendwann den Amateurstatus verlassen, und sein Können auf die Probe stellen, wenn man es mit dem Schreiben ernst meint. Herr Liehr nennt dies die „große Manuskriptverschickung“.

    These 2: Verlage drucken, was verkauft wird.
    Ein paar abgedroschene Binsen für unsere Weisheitensammlung. Verlage sind keine Wohltäter an der Kultur – obwohl sie sich gerne so geben. Nein, Herr Liehr hat hier vollkommen recht: Gedruckt wird, was sich verkaufen lässt. Verlage wollen Geld verdienen. Autoren wollen Geld verdienen. Buchhandlungen wollen Geld verdienen.
    Wahr ist auch, dass Qualität nicht der geringste Grund ist, ein Buch zu verlegen – vielleicht noch bei kleinen Independent Verlagen (die Herr Liehr auch nicht so recht mag, spricht er doch nur von Publikumsverlagen) – nein, alleine die Absatzchance ist das bestimmende Element. Ein aufmerksames Betrachten der Auslagen von Thalia, Hugendubel usw. bestätigt das.
    Was Herr Liehr allerdings verschweigt, ist die Tatsache, dass nicht das gedruckt wird, was sich verkaufen lässt; sondern vor allem das, was der Verlag _glaubt_ verkaufen zu können.
    Tatsächlich gibt es hier http://l2wb.de/77 eine „Worstseller“-Liste für das Jahr 2006 und man ist schon erstaunt, da Namen von bekannten Autoren mit verkauften Exemplaren unter 100 Stück zu finden. Scheinbar ist also die Kombination Autor/Verlag als Marke, wie uns Herr Liehr glauben machen will, nicht immer ein Zugpferd. Trotzdem war der Verlag bereit „ein Dutzend oder noch mehr Menschen im Haus damit zu beschäftigen, aus einem Manuskript ein Buch zu machen und es dann anschließend über Tausende von Händlern und mit großem Aufwand unter die Leute zu bringen“.

    These 3: Die „große Manuskriptverschickung“ ist schlecht und schafft nur Frust bei den beteiligten Autoren und Verlagen.
    Ja, so ist es. Es ist frustrierend für beide Seiten. Um eine Perle zu finden, muss man eine Menge Austern öffnen. So ist das Leben. Wer sich dem nicht aussetzen will, muss das Schreiben im kleinen Kämmerlein betreiben und niemand zeigen, was er da so macht. Die Vorstellung, dass nur „gute“ Manuskripte verschickt werden, weil sich der schlechte Autor bewusst ist, nur Mist zu fabrizieren, ist ebenso wirklichkeitsfern, wie die Vermutung, nur weil das Buch bei einem namhaften Verlag erscheine, müsse es schon gut sein.
    Wo Herr Liehr aber völlig unrecht hat, wie ich glaube, ist der Punkt „Markt“. Gehen wir wieder zur Auslage einer der großen Buchhandelsketten und betrachten, was da auf den Tischen liegt. Wenn ich den großen Meister richtig verstanden habe, muss man sich also fragen, was man davon schreiben könnte, und welcher Verlag das kaufen würde. Oder um es deutlicher zu machen: Welcher Verlag will die dreißigste abgenudelte Vampir-Seifenoper kaufen? Welcher Verlag will die tausendste Kopie von Pilcher, Ahearn, Eschbach, Grisham, Schätzing, Follet und wie sie alle heißen haben?
    Nein, so funktioniert der Markt nicht, im Gegenteil: So entsteht ja gerade die „große Manuskriptverschickung“: Verlage kriegen Manuskripte geschickt, die sie gar nicht wollen.
    Bücher haben oft eine Vorlaufzeit von mehreren Jahren. Wer in drei Wochen über die Frankfurter Buchmesse schlendert und die Neuerscheinungen betrachtet, sieht das, was vor ein, zwei, drei Jahren bei den Verlagen aktuell war. Wer etwas verkaufen will, der muss entweder einen guten Riecher für den kommenden Trend haben oder einfach nur Glück, dass er genau dazu etwas parat hat. Wer den Trend erst vom Regal in der Buchhandlung abliest, hat schon verloren in diesem Spiel. Oder, er setzt den Trend! Vor Stephenie Meyer war das Genre Vampirroman ausgelutscht. Verschwörungen in der katholischen Kirche spielten vor Dan Brown keine Rolle auf dem Markt. Und wer hätte gedacht, dass sich Jugendbücher über einem elfjährigen Zauberer so fantastisch verkaufen lassen.
    Herr Liehr ist als arrivierter Autor möglicherweise in der beneidenswerten Lage vom Verlag angesprochen zu werden, ob er nicht etwas in der oder der Richtung schreiben könne, da man glaube, dies könnte der kommende Trend werden. Oder Herr Liehr geht zu einem Verlag und überzeugt die Lektoren, dass sich seine Idee in ein auflagenstarkes Buch umsetzen lässt. Nur – wenn er letzteres tut, was unterscheidet ihn von all den anderen, die den Verlagen ihre Idee unterbreiten, außer der Tatsache, dass er schon Erfolg damit hatte – was natürlich keine Garantie ist, wieder Erfolg zu haben? Und warum ist er so erpicht darauf, allen einzureden, den Versuch erst gar nicht zu wagen? Ich weiß es nicht. Außer einer gewissen zynischen Stutenbissigkeit, die der Artikelserie anhängt, kann ich kein Motiv erkennen und ehrlich gesagt, irgendwie ist mir dies als Erklärung zu vordergründig.

    These 4: Für wen schreibe ich eigentlich?
    Herr Liehr meint also wir schreiben für uns. Oder den Leser. Oder Herr Liehr meint, wir schreiben für den Verlag. So ganz schlau werde ich nicht daraus. Ich zitiere mal: „und wir wären keine Künstler, wenn wir für Verlage schrieben, also tun wir es fraglos für die Leser. Bildende Künstler malen auch nicht für Galerien, Darsteller interpretieren nicht für Produktionsfirmen, Tänzer drehen ihre Pirouetten nicht für Ballettregisseure.“
    Irgendwie scheint mir da die Frage abhandengekommen zu sein, für wen denn die Galerien, Produktionsfirmen und Ballettregisseure arbeiten. Und nicht zuletzt die Verlage. Nicht für den, der die Kunst konsumiert? Nicht für den Bildersammler, für den Kinogeher, für die Theaterbesucher? Nicht für den Leser? Wer zum Teufel kauft die Bücher, die der Verlag produziert, dann? Ich sehe niemand, der die 9 Milliarden Euro Umsatz im Buchhandel generiert, als den Leser. Wenn der Leser das Buch des Autors nicht mag, kann der beste Verlag keinen Umsatz machen.
    Einen wahren Punkt streift Herr Liehr natürlich. Ein großer Verlag beschäftigt Leute, die versuchen herauszufinden, was der Trend sein könnte, der das ein oder andere Genre vorantreibt. Das kann der Autor nicht leisten, da hat er weder die Ressourcen noch die Zeit dazu. Da gehe ich vollständig d’accord. Natürlich sollte man nicht unerwähnt lassen, das Verlage viel mehr Menschen damit beschäftigen, dem Leser einzureden, was er denn lesen soll. Man nennt dies Marketing.
    Lustig finde ich in dem Zusammenhang das Schlusswort der Serie: „Und übrigens. Lektoren sind Leser.“ Aber wir schreiben ja nicht für den Leser – oder doch, Herr Liehr? Ach ja: Und übrigens. Autoren sind auch Leser.

    These 5: Spreche ich den richtigen Verlag auf die richtige Weise an?
    Das ist ein Punkt, der mir schon bei der Diskussion hier http://l2wb.de/5r seltsam anmutete. Kurz zusammengefasst: Ein Autor stellte seine Bemühungen dar, sein Werk an einen großen Verlag zu verkaufen. Das fragliche Manuskript hatte es sogar bis in die Lektorenkonferenz eines namhaften Verlages geschafft, scheiterte dort aber. Herr Liehr bemerkte daraufhin, dass man das Produkt wohl etwas „verlagskompatibler“ gestalten hätte müssen. Ich wagte dann einzuwerfen, wie denn wohl ein Böll oder Grass reagiert hätten, wenn man ihnen gesagt hätte, ein Werk wäre nicht „verlagskompatibel“, worauf mich Herr Liehr hinwies, er hätte nur die „Verpackung“ und nicht den „Inhalt“ damit gemeint. Ein seltsamer Einwurf: Denn wenn es das Manuskript bis in die Lektorenkonferenz schafft, hat es offensichtlich nicht an der Verpackung gelegen. Entweder war es nicht der richtige Verlag (auch wieder die Frage: Wieso kam dann das Manuskript soweit) oder man hat Marktchancen und Publikationsaufwand nicht in ein gewinnversprechendes Verhältnis gebracht. Wie auch immer, vielleicht erklärt Herr Liehr ja mal, was er da meint.
    Herr Liehr zog damals den Schluss – wie auch hier – dass man zu einer Agentur gehen sollte, die vielleicht besser beurteilen kann, welchen Verlag man mit welchem Manuskript behelligen kann. Das ist sicher ein guter Tipp.
    Ich frage mich nur, was sich an der beklagten „großen Manuskriptversendung“ ändert, wenn der Adressat des Manuskripts von „Verlag“ zu „Agentur“ geändert wird? Für den Autor ist die Hürde genauso groß, wie bei einem Verlag. Und der Agent bekommt den gleichen Kram auf den Tisch und muss genauso aussortieren wie der Verlag auch. Ein Nullsummenspiel im Endeffekt. Außer für die Verlage, die damit praktisch den Sichtungsprozess outsourcen können.
    Dass Verlage und Agenturen auf der Suche nach neuen Autoren sind, bezweifelt auch Herr Liehr nicht. „Gott sei Dank!“ möchte man fast ausrufen, kommt doch die ganze Artikelserie mit der unterschwelligen Botschaft an: „Versucht es erst gar nicht, ihr könnt es ja eh nicht! Überlasst das Geschäft besser den Profis, weil wir wissen, wie das Geschäft funktioniert. Und bitte nicht noch eine Autobiografie, weil: Wir können es nicht mehr sehen!“ Ok, Letzteres schein eine einseitige Abneigung von Tom Liehr zu sein, ist doch der diesjährige Bachmann-Preisträger mit Autobiografischem recht erfolgreich und immerhin für den Deutschen Buchpreis nominiert, was sehr für die Verkaufbarkeit von zumindest kantigen Biografien spricht. Marketing nicht vergessen!

    Letztendlich bleibt Tom Liehr die Antwort auf die Frage „Warum werde ich nicht veröffentlicht?“ schuldig, weil er sich in pauschalen Vorurteilen verheddert. Auswege aus dem Dilemma werden nicht aufgezeigt, die Argumentation des Artikels dreht sich mehrfach im Kreis, dazu ein bisschen Amateurbashing. Liegen ihre Wurzeln, sehr verehrter Herr Liehr, nicht auch im Amateurbereich, in so einem Wettbewerb, und in so einem Forum und in so einer Schreibgruppe? Und das Ganze präsentiert in einem Forum, in dem der Anteil der Amateure den der Profis deutlich übersteigen dürfte. „Für wen schreiben Sie denn, Herr Liehr?“ möchte man da fragen, aber eigentlich – eigentlich will man es gar nicht mehr wissen.

  47. bingchrosby schrieb am 18. September 2010 um 23:32 Uhr

    wann endlich wird begriffen, daß es den Markt nicht gibt. Daß von etwas geredet wird, das künstlich ist. Daß auch ein Thomas Mann in der heutigen Zeit keine Chance hätte einen Verlag zu finden. Warum, weil der Kaufmann das sagen hat, nicht der Künstler, oder der Verleger der an Kunst interessiert ist.

  48. LastGunman schrieb am 19. September 2010 um 09:54 Uhr

    @Susanne: Schelte? Häme? Oder doch einfach nur Kritik, mit dem man sich als Schreibender – egal ob man nur Kurzgeschichten, Artikel oder doch Romane und Sachliteratur verfasst, immer (und hoffentlich so professionell es geht) auseinandersetzen muss.

    Auch wenn man Kritik erhält, die nicht angebracht oder gar unsachlich ist, so ist das nun mal so, weil wir alle nur Menschen sind und alle unterschiedlich ticken. Und es wäre doch beängstigend, könnte man jemandem den Willen oder die Meinung aufzwingen – und das noch übers Internet.

  49. Axel H. schrieb am 19. September 2010 um 11:41 Uhr

    Danke allen Beteiligten für die Artikelserie und die Kommentare – ich finde/fand es informativ und wertvoll, die Gedanken darüber schweifen lassen zu können; lediglich Teil 4 hat mir wenig gegeben.

  50. Björn schrieb am 19. September 2010 um 12:25 Uhr

    @bingcrosby
    Ein Verlag ist nun mal weder die Heilsarmee noch der Staat; er muss Geld verdienen. Andernfalls wäre er sehr schnell bankrott. Dass künstlerisch hochwertigere Texte eine deutlich geringere Aussicht auf Publikation haben ist auch unbestritten. Das war allerdings niemals anders und wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern. Der erfolgreichste Theaterautor des späten 18. und des gesamten 19. Jahrhunderts war August von Kotzebue, der heute nur noch Historikern (seiner Ermordung wegen) und Literaturwissenschaftlern ein Begriff ist, und zur Trivial-/Unterhaltungsliteratur gerechtnet wird. Selbst der vielgepriesene Goethe hat in Weimar Kotzebues Stücke inszeniert. Von der Literatur des 19. Jahrhunderts sollen sogar nur zwei Prozent noch aufgelegt werden und dies sind die Klassiker (Goethe, Fontane u. s. w.), die oft erst Jahre nach dem Tod des Autors von der breiten Masse (meist im Deutschunterricht) rezipiert werden (der Fortsetzungsroman in einer Provinzzeitung aus dem Jahre 1884, die ich an der Uni für ein Seminar durchgearbeitet habe, wurde niemals in Buchform herausgegeben. Anders gesagt: Viele Autoren (sofern sie veröffentlicht werden) haben nur die Wahl, für den gegenwärtigen Lebensstandard zu schreiben oder für die Literaturgeschichte (Thomas Mann und Goethe und wenige andere wären hier die große Ausnahme). Ein Schriftsteller, der unbedingt die Menschheit mit seinen Werken erfreuen möchte, muss heutzutage nicht mal mehr einen eigenen Verlag gründen, um sein Buch mit einem wohlklingenden Verlagsnamen zu schmücken. Allerdings muss der Autor selbst es dann übernehmen, potenzielle Leser zu überzeugen, ihr (manchmal hart verdientes) Geld in ein Buch zu investieren.

  51. Tom Liehr schrieb am 20. September 2010 um 09:44 Uhr

    Liebe Kommentatoren,

    da ein völlig unverdienter Kurzurlaub ansteht, werde ich die an mich gerichteten Fragen und Kommentare erst in der kommenden Woche beantworten können. Ich danke für das rege Interesse an dieser, eigentlich überhaupt nicht kontroversen, kleinen Reihe. Ein Dank auch an Wolfgang Tischer, der sie ermöglicht hat.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  52. Gerhard Falk schrieb am 20. September 2010 um 09:58 Uhr

    Neben meinem Arbeitsplatz steht im Regal ein kleines Büchlein des Reclam-Verlages, Stuttgart. Ich halte es in Ehren, weil es ein Geschenk meiner Deutschlehrerin war. Es trägt den Titel „Deutsche Erzähler der Gegenwart“.

    Im lesenswerten Vorwort, Göttingen 1959, von Willi Fehse steht unter anderem zu lesen:

    „……Der Herausgeber war jedenfalls bemüht, eine möglichst farbige und vielfältige Anthologie zu schaffen und die Auswahl dabei so zu treffen, wie die Sache sie erfordert. Wenn er hier einen charakteristischen Reigen von deutschsprachigen Erzählern unserer Zeit vorzustellen versucht und berühmte Mitarbeiter unbekümmert neben solchen aufführt, die ihm vielleicht erst durch eine einzige Veröffentlichung in einer Zeitschrift oder Zeitung aufgefallen und verheißungsvoll vorgekommen sind, so weiß er doch gut, dass bei allem Streben nach Objektivität auch das kritische Wissen in der Wurzel durch ein Gefühl von Sympathie oder Antipathie bestimmt wird. Da liegen die natürlichen Grenzen und Lücken jeder Auswahl; und darum wurde letzten Endes hier wie überall nur das ausgesucht, was man persönlich werterachtet oder liebt.“

    Ob dieser Geist in den Verlagen auch heute noch anzutreffen wäre, wo Unbekanntes neben Etablierten so ganz selbstverständlich Platz nehmen kann?

  53. Andreas Kurz schrieb am 20. September 2010 um 17:24 Uhr

    Ja, so ist es durchaus. Und auch wieder nicht. Jedenfalls aus meinem Mikrokosmos betrachtet. Nach vielen vergeblichen und einigen geglückten Versuchen, Romane und Erzählungen zu veröffentlichen, nach einigen gewonnenen (und vielen verlorenen) Literaturpreisen, manch schmeichelhafter Kritik in durchaus größeren Zeitungen (und erstaunlich wenigen echten Verrissen), bietet sich mir persönlich ein eher trübes Bild der Verlags- und Agentenszene.

    Mein knappes Fazit: Acht von zehn Kontakten sind unerfreulich, da man bestenfalls ignoriert wird, öfters aber auch beleidigt, verspottet, verachtet oder schlicht betrogen.

    Ein Schriftsteller ist eben kein reiner Handwerker, wie manche glauben machen wollen, sondern zuerst mal Künstler. Als solcher hat er keinerlei Wert, außer es findet sich genügend Publikum, um ihn wertvoll werden zu lassen.

    Durch diese Szene wabert unablässig der pure Zufall. Damit muss man leben können, auch, dass man verdammt viel Glück braucht. Oder eben Pech hat. Alle hier beschriebenen Tipps sind richtig und gut, natürlich braucht es Talent und Fleiß, der entscheidende letzte Schritt zum echten Erfolg aber wird geschenkt.

    Damit vor allem muss man erst mal leben können. Und dann noch weiterschreiben.

  54. Hunter Adams schrieb am 20. September 2010 um 21:06 Uhr

    Nachdem ich vor allem die ersten beiden Teile noch mit Gewinn gelesen habe, war ich vom fünften Aufguss enttäuscht. Keine neuen Erkenntnisse, keine neuen Aussagen, wieder nur die alten Phrasen. Und die Frage, weshalb es selbst die besten Manuskripte nicht schaffen, wurde meiner Meinung nach nicht überzeugend beantwortet.

  55. Kurbjuweit, Till schrieb am 21. September 2010 um 21:11 Uhr

    Warum schreibt jemand Autorenratgeber? Weil er mit dem Buch Geld verdienen kann. Und zwar nur mit diesem Buch. Denn: wenn er einen „verdammt guten Roman schreiben“ könnte, würde er es tun, anstatt anderen Leuten zu erzählen, wie man das macht.

    Schwieriger wird es, zu verstehen, warum es Leute gibt, die wirklich gute, nützliche Ratschläge zum Schreiben von Romanen ins Netz stellen. Einfach so. Gratis. Ich lese die gerne und profitiere davon (bilde ich mir zumindest ein), aber warum sie es tun, bleibt mir ein Rätsel. Purer Altruismus?

    Und dann kommt Tom Lier und schreibt im Netz in fünf Folgen, warum es keinen Sinn macht, etwas zu schreiben und an Verlage (oder Agenturen) zu schicken. Gegen die Annahme, dass er es tut, um seine wunderschön ironisierende und kunstvoll diskreditierende Schreibe zu präsentieren, damit ein Verlag auf ihn aufmerksam wird, spricht, dass er schon arriviert ist, also einiges zwischen Buchdeckeln veröffentlicht hat.

    Er ist schon Schriftsteller und ist dankbar dafür, wie er in unendlicher Demut auf seiner Website verrät. Aber warum pinkelt er dann auf die, die noch nicht sind, wo er schon ist, herunter? Warum rät er ihnen, es doch bitteschön zu lassen, weil es doch eh keinen Zweck hat, weil es „Scheiße“ ist, was sie da absondern?

    Ja, warum? Es sieht aus, als verachte er die ganze Bande, die da mit der Qualifikation „Deutschunterricht“ wieder und wieder versucht, einen Fuß in die Tür zum Literaturbetrieb zu bekommen. Könnte es sein, dass er in Wirklichkeit einfach nur Schiss hat, dass jemand beim Aufbau-Verlag etwas einreicht, was dieser besser findet als das nächste Opus von Tom Lier? Da er keine Tipps gibt, wie man es besser machen könnte, sondern nur schreibt, dass man es lassen soll, drängt sich diese Interpretation ja geradezu auf.

    Vielleicht könnten wir ihm in die Hand versprechen, zumindest dem Aufbau-Verlag nichts mehr zuzuschicken, dann könnte er doch wieder ruhig schlafen. Und sich und uns die sechste Folge ersparen. Meint
    Till Kurbjuweit

  56. Dieter Plep schrieb am 22. September 2010 um 11:38 Uhr

    @ Till Kurbjuweit: Es ist wahr, daß hinter jedem Buch die Absicht steht, auch Käufer dafür zu finden, und hinter jeder Veröffentlichung im www die Absicht, Leser zu erreichen, ggf. auch die Klickzahlen auf der eigenen Homepage zu erhöhen…
    Widersprechen muß ich allerdings Ihrer Aussage, daß Tom Liehr hier lediglich die bei Verlagen noch nicht erfolgreichen Nachwuchsautoren zu entmutigen wünscht oder gar abqualifiziert – er rät doch dazu, einen Literaturagenten einzuschalten, dessen Rat ggf. diese Erfolgschancen zu vergrößern hilft, und dies deckt sich doch mit Vito von Eichborns Geschäftsmodell, der vom Verleger eben zum Agenten umgesattelt hat…

  57. gretl beinfraß schrieb am 27. September 2010 um 20:59 Uhr

    Sehr geehrter Herr, ah, Dings, Ihr Beitrag hatt
    sämtliche Clichees bezüglich der Verlagsbranche bestätigt.

    Merke: Wer odeln will, braucht große Schaufeln!

    MfG

    GB

  58. Leo Altgruftipunk schrieb am 27. September 2010 um 23:28 Uhr

    – fünfhunderttausend Hobbyschreiberlinge
    – ein Autor, der sein Wissen stilistisch fein garniert
    – ein Medium, das ersteren Zugang zu letzterem gewährt

    Was geschieht? – Die Halbmillion meldet sich in Form eines kommentierenden Extrakts zu Wort und bestätigt die Erfahrungen des Autors. Das ist zutatenbedingt und daher nicht verwunderlich, aber dennoch erheiternd (wie bereits treffend angemerkt).

    Einige von uns nehmen die Stilmittel für bare Münze, andere beharren störrisch gerade auf den zu vermeidenden Fehlern. Freimütig demonstrieren wir die vom Autor gar nicht erst erwähnte mangelhafte Beherrschung der Muttersprache. Manche sprechen dem Verfasser das Wissen ab, das sie gerade erst konsumiert haben, verkennen gar seine Intention.

    Warum sollte der Autor uns beschimpfen? Wir sind Leser! Er will wohl eher unsre Mühsal verringern, ein wenig auskeilen auch – aus Rache vielleicht, oder um Frust abzubauen. Es hält auch den Text spannend. Zugegeben, am Ende knickt sein schöner Bogen seltsam ein, der Kuchen fällt ein wenig zusammen. Der Eindruck rührt daher, dass Herr Liehr für seinen Rat von Ironie zu Klartext wechselt.

    Irgendetwas wird auch dieser Kommentar bestätigen, sonst gehörte ich nicht zur eingangs erwähnten Millionenhälfte. Vielleicht Autorenblindheit, spottend selber einen Mist verzapfen. Macht nichts, habe lachen dürfen, will drum mit eigen Bla nicht geizen. ;)

  59. Dieter Plep schrieb am 28. September 2010 um 19:42 Uhr

    Am 20.9. versprach Tom Liehr, nach Beendigung eines spontanen Kurzurlaubs auf die hier versammelten Zuschriften, Fragen und Kritikpunkte einzugehen. Für einen Kurzurlaub scheint mir die Zeit, die seitdem verstrichen ist, reichlich bemessen zu sein. Es sieht mir eher so aus, als wolle er seiner fünfteiligen Serie nun doch keine Paralipomena folgen lassen.

  60. Tom Liehr schrieb am 29. September 2010 um 09:31 Uhr

    Hallo, Dieter.

    Die – etwas länger geratene – Antwort liegt bereits vor. Ich vermute, dass sie vom Betreiber des Literaturcafés am kommenden Freitag publiziert wird.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  61. Nudelsuppe schrieb am 30. September 2010 um 01:40 Uhr

    „Hallo Ernie. Ich habe dein Manuskript gelesen. Tolles Buch. Aber …“
    „Was ist damit?“
    „So nimmt das höchstens ein Kleinverlag. Oder es landet bei BoD.“
    „Hm.“
    „Es ist viel zu kurz. Kannst du es auf 300 Seiten bringen? Und dann habe ich Probleme mit der Hauptfigur.“
    „Hm.“
    „Ein alter Mann, ich bitte dich. Wir müssen an die Filmrechte denken. Schreib das so, dass Tom Cruise oder Johnny Depp als Hauptrolle passen. Oder Will Smith.“
    „Wer?“
    „Na, so eine Randgruppe macht sich immer gut. Ich hab’s. Wie wär’s mit einer Frau?“ 
    „Frau?“
    „Wir brauchen auch noch einen besseren Titel. Die Anglerin, das ist es. Ein tolles Buch, Ernie.“
    „Hm.“
    „Dann kriegen wir auch noch zwei Sexszenen unter und am Schluss heiraten sie.“
    „Wer, sie?“

    „Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“ sagte er, während er mit einem süffisanten Lächeln den knarzenden Reißverschluss seiner ausbeulenden Hose öffnete.
    „Ja, gib mir deinen Wurm“, hechelte sie. Ihr Meerbusen wogte, ihre Brustspitzen wanderten seinem Mund entgegen, der sich mit einem feuchten Klatschen um eine ihrer steilen Spitzen schloss. Wie ein Aal wand sie sich unter ihm, als seine lüsterne Zunge ihren Springbrunnen beglückte. Er versank in ihrer feuchten Quelle und schwamm nun im Meer.
    „Heirate mich“, keuchte er zwischen zwei Zungenschlägen.
    Die Anglerin bäumte sich auf, das Boot schwankte und sie schrie auf dem Höhepunkt ihrer Lust: „Ja“.

  62. Gerhard Falk schrieb am 30. September 2010 um 08:29 Uhr

    Was soll das „Die Anglerin“? Solche Titel gibt es massenhaft. Es muss etwas Neues sein: „Die Lustangel“ zum Beispiel oder ähnlicher Quatsch. Man muss sich am Publikum orientieren, an wem sonst? Hier geht es um knallhartes Geschäft und nicht um Literatur. Was ist das überhaupt?

  63. Gerhard Falk schrieb am 5. Oktober 2010 um 07:00 Uhr

    Melinda Nadj Abonji erhält den Deutschen Buchpreis 2010 für ihren Roman „Tauben fliegen auf“

    Ein autobiografischer Roman aus einem kleinen Verlag? Vielleicht hätte der Verlag doch erst hier nachlesen sollen, warum man so etwas eigentlich nicht veröffentlichen darf? Und dann noch ein Literaturpreis?

    Nein so was, dass man sich einfach nicht an die Regeln halten kann. Das wird Herrn Liehr nun gar nicht gefallen können. Was machten wir nur, wenn uns die pauschalen Urteile verloren gingen? Chaos, sage ich euch, Chaos! Da könnte ja jeder kommen! Schrecklich!

  64. Redaktion schrieb am 5. Oktober 2010 um 11:49 Uhr

    Mit der Veröffentlichung des Nachtrags zu dieser Serie und den Antworten von Tom Liehr schließen wir die Kommentare an dieser Stelle und verweisen auf die Kommentarmöglichkeit dort.

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