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Konfuser Morgen
von G?nter W*gner

Eines Morgens um sieben klingelt der Wecker. ?Die Stunde ist eigentlich o.k.?, geht es ihm durch den Sinn, doch ein Gef?hl beschleicht ihn, wie wenn pl?tzlich ein Ding oder so fehlte.
     Der sch?ne Junge, noch im Bett, drehte sich dem Fenster zu. Die Sonne schien durch eine ?ffnung des Rollos direkt in sein Gesicht. Der Himmel, nicht wie sonst, ist heute eher gr?nlich. Doch Sonne und Wolken sind wie immer dort droben wo jeder sie gewohnt vermuten w?rde. ?Merkw?rdig?, murmelte er und schlurfte in die K?che.
     ?Morgens immer erst ein wenig dopen?, schoss es ihm ins Bewusstsein, doch jener Trunk, dessen er sich sonst immer erfreute ist heute weg. Tee ist hier und ein d?nner Rest Nesquik, der ihn eher ekelte. Whiskey und Bier ebenso, doch diese Stunde ist noch zu fr?h f?r solches. Der Kessel steht wo er immer steht, doch zum Trinken gibt es heute offensichtlich nur Milch. ?Trinke ich eben Milch.?
     In der Zeitung nur komische Worte und F?gungen, merkw?rdig klingend, sein Morgen ist durchdrungen von immer gr??er werdendem Missmut und Skepsis. ?Wenn nur einer zu mir sprechen w?rde, um es mir mitzuteilen, so w?rde ich mich suchend umtun, um Verlorenes wieder zu bekommen. Doch ist noch nicht deutlich vor mir, unter welchem Verlust ich heute leide.? Milch im Becher findet er irgendwie doof und duschen ist sicherlich ebenso nicht drin, wo schon die Bereitung von Tee ohne die gewohnte Fl?ssigkeit unm?glich ist. Denken ist schwerer wie sonst, denn die Worte kommen nur sukzessive in den Sinn und sind nicht wie gewohnt im Fluss. Mehr ein Stottern. ?Vielleicht ist es dr?ben besser,? denkt er, erhebt sich und geht ins gegen?berliegende Zimmer zum Schreibtisch, um sich dort zu setzen.
     Computer und Drucker, Bleistift und F?ller, wei?e, unbeschriebene Zettel verstreut im Zimmer. Wie immer und dennoch ein Gef?hl des Vermissens. ?Wie ein Loch, in dem ein Ding oder so verschluckt wurde. Wie mein Kopf zu jener Morgenstunde, die zeitlich hinter der Feier von Bernds Verlobung so schrecklich dr?ge gewesen ist. Zuviel Wein und Bier und weiteres Zeugs, und dieses noch gemischt. Ist doch logisch. Dort ist meine Birne voller L?cher gewesen, wie heute eben. Es ist ein Empfindung, wie wenn einer Xylophon oben in meinem Kopf spielte, ohne Unterbrechung. Doch gestern ist von mir kein Bier und so vertilgt worden.?
     So denkt er vor sich hin. Jetzt m?chte er eine Kleinigkeit schreiben, doch schwierig ist dies diesen Morgen. Zettel liegen bereit und der F?ller voller Tinte. Der Computer summt und ist bereit Worte zu speichern. Doch irgend ein Werkzeug fehlt ihm. Er beschlie?t mit System vorzugehen. Er nummeriert die Dinge nun durch, einen Index will er erstellen und hofft so Gewissheit zu bekommen ?ber die fehlenden Dinge.
     Den vollen Morgen ist er mit der Nummerierung von Zetteln eingenommen, bis pl?tzlich ein Gef?hl des Hungers ihn ?berkommt. Die K?che ist indes noch die gleiche. Zu kochen gibt es nur Milch und Nudeln, ein bisschen Konfit?re ist noch hier. ?Nudeln in Milch zu kochen ist irgendwie merkw?rdig, doch essen m?sste ich solch ein Gericht schon k?nnen. Ist doch nichts Schlechtes drin, nur verwegen komponiert.?
     Und so greift er zu einer Box mit werbewirkungsvoller Schrift: Nudeln in Letterform. ?Soll wohl so sein...?, denkt er und gie?t die Lettern in den Topf mit Milch. Verwundert ist er schon gewesen, denn nicht wie gewohnt gemischt sind die Lettern in den Topf gerutscht. Kein B, kein C und so weiter. Nur eine Letter, die jedoch oft. Beziffert sind es sicher einige hundert gewesen, und die schwimmen nun in der Milch. Nun wusste er, welche Verwirrung eine fehlende Letter bewirkt.

© 2001 by Günter W*gner. Unerlaubte Duplizierung oder Verteilung - gleich in welcher Weise - verboten.

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