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Die Nörgelei am Café-Tisch
August 1999 - Diesmal von Wilhelm Weller


Nix wie weg!
Wilhelm Weller

Mann o Mann, schon wieder ein Weltuntergang. Mir reichts, ich verschwinde.
     Übermorgen fliege ich nach Fidschi. Ohne großes Gepäck. Dort soll es ein Meter große Hühner geben. Verhungern werden wir da nicht. Aber meine Schaufel nehme ich mit. Sicher ist sicher.
     Acht Stunden und ich habe mir mein Loch gegraben, noch mal acht Stunden mauern und der Bunker steht. Da habe ich Übung. Das flutscht.
     Dann soll es nur knallen.
     Und die Idioten versammeln sich am 11. August in Stuttgart. Sonnenfestival, Event, Party.
     Blöd muss man sein. Woher wissen die denn, dass es nach zwei Minuten wieder vorbei ist? Angeblich gibt es einen sicheren Abstand zwischen Sonne und Mond. Einige Tausend Kilometer. Und wenn die sich irren? Dann gute Nacht.
     Bevor ich so etwas nicht selbst mit meinem Meterband abgemessen habe, glaube ich das alles nicht.
     Aber gut, nehmen wir mal an, es passiert nichts. Kann ja sein. Nach zwei Minuten wird es wieder hell, die Vögel zwitschern wieder. Alles paletti.
     Und was wird mit Cassini? Eine Raumsonde, beladen mit 33 kg Plutonium, schwirrt wie ein Bumerang auf irgendwelchen Bahnen zwischen Erde, Jupiter und Saturn herum. Am 14. August schrammt das Ding haarscharf an uns vorbei, ganze 500 km entfernt. Sagen die.
     Braucht nur schief zu gehen. Irgendein verrückter amerikanischer Wissenschaftler hat die Daten für die Flugbahn etwas manipuliert. Dort begegnet man doch an jeder Straßenecke einem Amokläufer.
     OK, ok. Vielleicht seh ich zu schwarz in die Sterne. Seit ich mich mit Esothermik beschäftige, habe ich aber die grundlegenden Gesetze verstanden, da ist man nicht mehr naiv. Ich sage nur Nostradamus, Armageddon.
     Und wenn es doch gut geht, kein Feuergott, keine totale Verstrahlung?
     Kann ja sein. Nichts ist unmöglich.
     Dann mindestens ein Börsencrash, gab es in den letzten Jahren doch jedes Mal im Herbst. Weiß ich doch, brauch doch nur auf mein Konto zu schauen.
     Oder am 6. Dezember kommt es zu einer Invasion von Außerirdischen. Und hinterher heißt es, es wär der Nikolaus gewesen. Nein, mir macht man nichts mehr vor.
     Am 31. Dezember ist es sowieso ganz vorbei. Flugzeuge fallen vom Himmel, Aufzüge bleiben stecken, die Kernkraftwerke in der Ukraine explodieren, die russische Marine feuert zu Silvester irrtümlich ihre Atomraketen von ihren kaputten U-Booten ab, überall Anarchie, Feuersbrünste, Ladendiebstähle. Die Menschheit wieder ganz bei Null.
     Also mir solls recht sein, ich bin weg, in meinem Bunker down under.

Tschüs Leutels!

Euer Wilhelm Weller


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