Anzeige
Startseite E-Books Touchscreen oder Kästchen, die die Welt bedeuten

Touchscreen oder Kästchen, die die Welt bedeuten

Zeigt das eBook mehr vom Autor als das BuchVor kurzem konnte man auf perlentaucher.de lesen, wie stark die chinesische Literatur im Online-Bereich boomt. In diesem Artikel scheinen Zahlen auf, die manche europäische Autorinnen schwindelig werden lassen. Der Amazon Kindle scheint die Papierproduzenten heimlich zum Zittern zu bringen, und das eBook an sich gilt als der ultimative Todesstoß für die Druckindustrie. Aber ist das nun wirklich die letzte Runde, in der sich gedrucktes Buch und digitaler Text im finalen Kampf gegenüberstehen, und ist es tatsächlich so vorhersehbar, dass das Buch zu Boden gehen wird?

Ich habe einen Traum. Und ich denke, mit mir haben diesen Traum viele bücherverliebte Menschen, die das gedruckte Buch nicht aussterben werden lassen. Immerhin werden noch immer Platten gepresst und Plattenspieler gebaut, während wir von der Kassette über die CD bis hin zum iPod jede Entwicklung mitgemacht haben.

Wenn ich sage, dass die gedruckten Bücher noch lange leben werden, dann meine ich nicht billige Paperbacks, die nach dem einmaligen Lesen reif für den Altpapiercontainer sind. Ich meine das gute Papier, den Leineneinband, das kleine gewebte Bändchen als Lesezeichen, den Geruch, das aufwändig gestaltete Cover. Ich kann das Buch sehen als ein Privileg einer luxusgewöhnten bibliophilen Masse, als Sammlerstück, als Kunstobjekt. Handgemachte Literatur. Überhaupt Buchdruck als eigene Kunstform, und Luxus und Kunst sind die beiden letzten Dinge, die in einer Genussgesellschaft wie der unsrigen aussterben.

Allerdings habe ich noch einen zweiten Traum, und der dreht sich heftig um die Möglichkeiten digitalisierte Bücher und der zugehörigen Hardware. Niemand hat Lust, reinen Text von einem Plastikbildschirm abzulesen. Das Buch der Zukunft ist das ultimative mediapacket, wahrscheinlich sogar mit interaktiven Ansätzen. Der Autor wird entweder versierter in zusätzlichen Kunstformen, oder die Zusammenarbeit zwischen Künstlern verschiedener Sparten wird intensiver. Ich möchte Bücher mit Ton, Bildern und Videos. Ich kann mir einen von einer allseits bekannten Trendsetterfirma entworfenen, aufklappbaren Handheld mit angemessen großem Display vorstellen, der mir außen den Titel des aktuell aktiven Buches anzeigt. Wenn ich ihn aufklappe, bin ich automatisch auf der richtigen Seite. Keine Eselsohren, keine verlorenen Lesezeichen. Per Touchscreen kann man mit einem Fingerzeig umblättern oder zoomen. Wenn ich möchte, liest mir der Autor den Text vor. Bei Zitaten und Verweisen kann ich mir die Quelle anzeigen lassen, kann vielleicht sogar das Musikstück anhören, aus dem eine Liedzeile zitiert wird. Bei historischen Romanen kann ich Zeitungen aus Archiven zu bestimmten Daten abrufen. Vielleicht ist ein Video einer Lesung des Autors als Special bei meinem eBook dabei oder ein aufwendig gestaltetes Wallpaper für mein Betriebssystem. Bevor die Industrie auch nur anfängt etwas zu bauen, möchte ich hier einen Designwunsch deponieren: Wir wollen alles.

Diese Lesegeräte werden kleine Kästchen sein, die die neue Bücherwelt bedeuten.

Gleichzeitig mit seinen Büchern wird auch der Autor immer mehr zum digitalen Wesen, er hat ein MySpaceProfil und stellt seine Lesungen nachträglich in Ausschnitten auf YouTube. Vielleicht kann man ihn zu bestimmten Uhrzeiten in einem Literaturchat zu einer Diskussion treffen oder gar per Skype ein paar Fragen ganz persönlich stellen.

Dennoch werden wir immer gerne auf richtige Lesungen gehen. Und dort richtige Bücher kaufen. Am liebsten mit persönlicher Widmung. Vielleicht schreibt uns der Autor ja auch einmal auf unsere Facebook-Pinnwand?

Cornelia Travnicek

3 Kommentare

  1. Das “ultimative Medienpaket mit interaktiven Ansätzen”, genau, so was hat noch gefehlt. Es wird ja kommen, einfach, weil es machbar ist und vielleicht ist es auch vonnöten, ich weiß es nicht…Als Gegensatz dazu dann das Leinenbändchen für den Bibliophilen, oder als Entsprechung, Ergänzung?
    Wie auch immer: Im Netz lese ich gerne kürzere, kompakte Sachen und nix, aber auch gar nix wird mir je den Genuß des Eintauchens in ein Buch ersetzen können.(In einem rückenfreundlichen Sessel, versteht sich!)

  2. Warum denn das Buch? Ich lese jeden Tag Zeitung und erzeuge damit jede Menge Altpapier. Die paar ausgwählten Artikel von einem handlichen Bildschirm abzulesen würde ich gerne tun. Bücher dagegen dürfen noch eine Weile erhalten bleiben. Sie machen keinen Lärm, bewegen ihren Text nicht und man kann sie verschenken. Das sind wichtige Vorteile gegenüber ultimativen Medienpaketen.

  3. Nette Ideen, aber bitte nicht für mich. Ich sitze den ganzen Tag am Rechner, Zeitung und News am Bildschirm finde ich ok, aber alles was darüber hinaus geht, möchte ich eben nicht vom Bildschirm lesen. Und ein multimediales Medienpaket möchte ich schon gar nicht. Vor allem keine Bilder, FIlme etc. Es lebe die Fantasie, erhaltet sie Euch!

Schreiben Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein.
Bitte geben Sie Ihren Namen ein