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Textkritik: Zusammengepfuschte Pseudospannung

Textkritiker Malte Bremer ist ob dieses Prosatextes recht ungehalten und findet deutliche zusammenfassende Worte.

Die Wölfe

von Regina Vogel
Textart: Prosa
Bewertung: 0 von 5 Brillen

„Oh Gott, ich werde Rosalie nie wiedersehen!“ Der Schweiß rinnt mir von der Stirn und läuft in meine Augen. Sie beginnen zu brennen. „Ich komme hier nie wieder raus!“ Voller Verzweiflung und Wut prügle ich mit der Peitsche auf meine beiden Rösser ein. Sie können einfach nicht schneller laufen, das weiß ich, aber ich will nicht sterben! Wir werden von einem Wolfsrudel verfolgt. Die Meute ist jetzt noch 1000 Meter entfernt, holt aber blitzartig auf. Kein Mensch ist in der Nähe, der mir helfen könnte. Vor und hinter mir erstreckt sich die verschneite Tundra. Die Luft ist so eisig, dass sie beinahe gefriert. Ich friere in der Kälte nicht, denn es geht für mich und meine Pferde um Leben und Tod. Jetzt strauchelt auch noch Antonow, mein braunes Sattelpferd. Beide Tiere wiehern voller Panik und versuchen sich aus dem Schlittengeschirr zu befreien. Mein Kinn kribbelt vor glühendem Zorn.

© 2019 by Regina Vogel. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Noch nie habe ich so viel geballten Schwachsinn auf einem Haufen gesehen! Da sind die einseitigen, abgeschlossenen Romane der Regenbogenpresse ja geradezu nobelpreiswürdig! Dabei handelt es sich nur um den ersten Absatz mit 1 Ausblick in den zweiten, doppelt so langen: Wieso reagiert Protagonist*in überhaupt mit solcher Panik, wenn er/sie sich später einfach aus dem toten Körper befreit? Aber ich höre auf, denn bei diesem Text ist überhaupt nichts zu retten.

Die Kritik im Einzelnen

Ja da schau her: Der Schweiß rinnt von der Stirn und läuft in ihre Augen? Nicht etwa den Rücken runter? Könnte ja sein, wenn auf diese Bagatelle so viel Wert gelegt wird! zurück

Jetzt erfahren wir zu unser aller Überraschung, dass Augen zu brennen anfangen, wenn da Schweiß reinkommt! – warum wird diese Selbstverständlichkeit dermaßen aufgebauscht? Bei den Groschenheft-Schreibern nennt man das Zeilenschinderei, weil die danach bezahlt wurden (werden?), wie viele Zeilen sie abliefern!  zurück

Es wird weiter geblödelt: Dieses Wolfsrudel holt die 1000 Meter »blitzartig auf«! Mit Verlaub: Ein Blitz hat eine Geschwindigkeit von 300km PRO SEKUNDE! Da kann die Protagonistin auf die armen Pferde eindreschen wie sie will – sie hat keinerlei Chance auf auch nur einen Schlag, dann hat das Rudel sie bereits wolfsmäßig zerlegt! Das ist das Ergebnis, wenn man etwas gar schröcklich pseudodramatisch zusammenpfuscht! zurück

Die Pseudospannung setzt noch einen drauf: Jetzt ist die Luft so kalt, dass sie beinahe – aber nur beinahe! – gefriert. Allerdings ist auch dass eine maßlose Übertreibung, denn noch nie ist es gelungen, Luft einzufrieren! Bei -165 Grad Celsius ist sie immer noch flüssig … Je nun: Weil derlei kitschige Übertreibungen Spannung erzeugen sollen, ist grober Unfug offenbar bestens geeignet! zurück

Blödsinn! Es geht weder um Leben noch um Tod, es geht nur um eine ungeheuer dämliche Protagonistin, die ihre sieben Zwetschgen nicht beieinander hat! Die ist doch samt ihren verprügelten Gäulen schon längst gefressen! Und zwar blitzartig vertilgt! zurück

Jetzt kriegt die Protagonistin auch noch ein vor glühendem Zorn kribbelndes Kinn … Und dann kommen die Wölfe langsam blitzartig immer näher und Ich-Erzähler*in wird gefressen und befreit sich aus dem toten Körper und und und – zurück

© 2020 by Malte Bremer. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe – gleich welcher Art – verboten.