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Textkritik: zeitlos – Lyrik

Eine Textkritik von Malte Bremer

zeitlos

von reinhold stumpf
Textart: Lyrik
Bewertung: 4 von 5 Brillen

JETZT

(habe ich
ein zeitlos
gezogen
in der lotterie des augenblicks
hauptpreis
ein hauch von ewigkeit

das beste daran
jedes los gewinnt
ein leben lang)

BIN ICH UNSTERBLICH

© 2002 by reinhold stumpf. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Hier kriegt das Ewigkeits- und Unendlichkeitsgeschwafel endlich auch einmal in Gedichtform sein feines Fett weg; übrig bleibt ein leichtes Spiel mit sinnentleerten Begriffen. Noch besser wäre es allerdings ohne die verlinkte Zeile!
Gelungen auch: die Form, die Auseinanderziehung des Jubelrufes durch die trügerische Begründung: Unsterblichkeit lediglich ein Leben lang.

Die Kritik im Einzelnen

Diese Zeile stört massiv in diesem Gedicht: es geht um Zeit, um die Veralberung der Unendlichkeit, um zeitlos bzw. Zeitlos; zieht jemand ein Los, dauert das sowie so nur einen Augenblick (das Ziehen, nicht die unbedingt die Entscheidung), das ist auch überhaupt nicht wichtig!.
Was aber geschieht hier? Hier wird mit dem Bedeutungs-Hammer ein massiver Kitschpfahl in das zarte Fleisch des Gedichtes getrieben: die Lotterie es Augenblicks! Damit wir der das feine Spiel zeitlos-Zeitlos verdrängt zugunsten der sattsam bekannten Augenblick-Ewigkeit-Sülze!
Ich bitte händeringend um Revision oder Entfernung dieser Zeile! Lebenslotterie? Lotterieleben? Glücksspirale? Besser wäre: Entfernung der ganzen Zeile. Aber alles, sogar Mülleimer oder Super 6 oder literaturcafe.de, wäre in dieser Zeile tausendmal besser als Lotterie des Augenblicks! zurück

© 2002 by Malte Bremer. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe – gleich welcher Art – verboten.