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Maltes Meinung

Die Textkritik im literaturcafe.de

Bedienungsanleitung: Zunächst sehen Sie den gesamten Text. Anschließend folgen die zusammenfassende Bewertung sowie die Detailkritik. Vom Text aus können Sie durch Anklicken der verlinkten Wörter oder Wortgruppen direkt zu der entsprechenden Detailkritik springen und wieder zurück. Basierend auf dieser Besprechung erhält der Text »Lesebrillen« verliehen, wobei fünf Brillen die beste Wertung darstellen.

Der Rezensent: Malte Bremer, Jahrgang 1947, studierte Germanistik in Freiburg, liest viel, schreibt, (veröffentlicht aber nichts, und wenn, dann nur im literaturcafe.de), misstraut allen Adjektiven, ist Brillenträger und Weintrinker.

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Textkritik vom 18. April 2017 | Textart: Lyrik
Brillen: BrilleBrilleKeine BrilleKeine BrilleKeine Brille

Anti-Sonett

von Günther Bach

Ich mag Sonette nicht. Die Zeilenlänge
zwingt mich, das Blatt beim Schreiben quer zu legen;
dazu bin ich nur ungern zu bewegen.
Auch führen sie den Schreibfluss in die Enge.

Es ist mir lieber, ohne alle Zwänge
nur aufzuschreiben, ohne abzuwägen
den Sinn des Wortes nur des Reimes wegen.
Auch so gelingen manchmal Lobgesänge.

Natürlich sollte man es mal probieren;
es mag nicht schlecht sein für die grauen Zellen,
doch ein Vergnügen will es mir nicht werden.

Darum wird kaum eins unter den Papieren
aus meinem Nachlass sich der Frage stellen,
ob ich Sonette liebte, hier auf Erden.

© 2017 by Günther Bach. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung


Untauglicher Versuch, eine verstorbene Gedichtform wieder zu beleben.

Den finalen Streich hatte ihr der großartige Robert Gernhardt verabreicht! Sie möge in Frieden ruhen!

Die Kritik im Einzelnen

Welche Zeilenlänge? Im kürzeste Sonett , das ich kenne, steht folgende Zeilenfolge: abnett/benett/ernett/annett. Es stammt von Ernst Jandl. Was hat Zeilenlänge mit einem Sonett zu tun? Und wenn das lyrische Ich lieber auf DIN-A4-Querformat schreiben will, muss es das nicht dem Sonett in die Schuhe schieben!

Zudem haut das lyrische Ich sich selbst den ersten Satz um die Ohren – aber das soll wohl witzig sein, wenn es behauptet, Sonette nicht zu mögen und deshalb eines zu schreiben. zurück

Und noch ne Schippe drauf: Eine Zeilenlänge führe den Schreibfluss in die Enge … Wer’s glaubt! zurück

Da hat sich das lyrische Ich redlich bemüht, ein astreines Sonett zu schreiben. Geglückt ist es ihm zumindest formal, aber es hapert an der inhaltlichen Struktur: Die beiden Quartette sollten eine Situation beschreiben und die Terzette darüber reflektieren.  zurück

© 2017 by Malte Bremer. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.