Mission Weltrettung: Dirk Rossmann über seinen Thriller »Der Zorn des Oktopus«

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Der Zorn des Oktopus: Dirk Rossmann (rechts) mit seinem Mitautor Ralf Hoppe (Foto: Tischer)
Der Zorn des Oktopus: Dirk Rossmann (rechts) mit seinem Mitautor Ralf Hoppe (Foto: Wolfgang Tischer)

Mit dem Thriller »Der neunte Arm des Oktopus« wurde Drogerie-Unternehmer Dirk Rossmann zum Bestsellerautor. Jetzt hat er mit »Der Zorn des Oktopus« zusammen mit Ralf Hoppe die Fortsetzung geschrieben. Liegt der erste Roman mittlerweile auf dem Nachttisch von Wladimir Putin?

Die Frankfurter Buchmesse 2021 ist ein Schatten ihrer selbst. Manchmal denke ich: Sieht so die Buchmesse in 10 Jahren aus, wenn so gut wie niemand mehr liest? Breite Gänge, ein großzügiges Hallen-Layout, nur 25.000 Besucher pro Tag und selbst große Verlage haben nur kleine Systemstände mit wenig Büchern in den Regalen. In diesem Jahr liegt es an den Corona-Regelungen. Im letzten Jahr ist die Messe ganz ausgefallen. 2021 ist die Messe ein Durchhaltesymbol, ein Lebenszeichen der Buchbranche.

Die Frankfurter Buchmesse 2021 am Messe-Freitag um halb 12 (Foto: Wolfgang Tischer)
Die Frankfurter Buchmesse 2021 am Messe-Freitag um halb 12 (Foto: Wolfgang Tischer)

Doch die Messe ist auch ein Treffpunkt, und ich bin unterwegs zum Stand des Lübbe Verlages, um dort zwei ganz besondere Autoren zu treffen. Es ist das einzige Podcast-Gespräch auf der Buchmesse in diesem Jahr.

Ich will den Unternehmer Dirk Rossmann kennenlernen (Eigentlich: Roßmann). Sein Buch »Der neunte Arm des Oktopus« ist keine Hochliteratur. Und selbst in Sachen Plot und Spannung konnte mich der Roman nicht überzeugen (siehe Rezension). Hat sich da ein Multimillionär und Drogeriekettengründer einen Traum erfüllt, einen Roman geschrieben und den Verkauf mit Fernseh- und Radiowerbung angekurbelt? Als die Buchhandlungen im letzten Lockdown-Winter schließen mussten, konnte er seinen Roman weiterhin in seinen Drogerien verkaufen. »Der neunte Arm des Oktopus« stand ganz oben auf der Bestsellerliste.

Doch so einfach ist es nicht. Viele Leser:innen und selbst einige gestandene Kritiker:innen empfanden das Buch als lesenswert. Denn es ging darin um die Klimakrise und die Weltrettung. Rossmann erzählt die Geschichte, dass sich in nicht allzu ferner Zukunft die USA, Russland und China zu einer Klima-Allianz zusammenschließen. Klima, Bevölkerungskontrolle und Abrüstung stehen im Fokus, und selbst Putin mutiert zum Gutmenschen, nachdem er einen Oktopus streichelt.

»Der Zorn des Oktopu« ist Dirk Rossmanns zweiter Roman, geschrieben zusammen mit Ralf Hoppe (Foto: literaturcafe.de)
»Der Zorn des Oktopus« ist Dirk Rossmanns zweiter Roman, geschrieben zusammen mit Ralf Hoppe (Foto: Wolfgang Tischer)

Ein Jahr später, im Herbst 2021, erscheint das Nachfolgebuch »Der Zorn des Oktopus«. Das Buch spielt im Jahre 2029. Nachdem es 2025 einen vermuteten Anschlag auf die US-Präsidentin Kamilla Harris gab, gibt es auch im in Island angesiedelten Meta-Ministerium der Allianz merkwürdige Vorfälle. Ein kleiner Beamter, der sich bislang um Käsesorten gekümmert hat, wird zur Aufklärung entsandt.

Rossmann ist mit seinen 75 Jahren noch ein drahtiger Mann, neugierig und aufgeschlossen. Seine Antworten sind geprägt aus einer Mischung von Bescheidenheit und großem Selbstbewusstsein. Das Trommeln und Werben in eigener Sache scheint sein langjähriger Freund Ralf Hoppe zu übernehmen. Hoppe ist Mitautor des zweiten Buches, betont aber, dass es vollkommen ok sei, dass Rossmanns Name auf dem Umschlag ein ganz klein wenig größer gedruckt sei. Hoppe ist Journalist, schrieb jahrelang für SPIEGEL und ZEIT und arbeitet u. a. als Scriptdoktor für Drehbücher. Sein Einfluss hat dem zweiten Buch gutgetan, denn als Thriller liest es sich wesentlich stimmiger als der Vorgänger-Band.

»Der neunte Arm des Oktopus« von Dirk Rossmann
»Der neunte Arm des Oktopus« von Dirk Rossmann (Foto: Wolfgang Tischer)

Für ein Sachbuch hätte seine Expertise nicht ausgereicht, sagt Rossmann. Daher habe er die Meinung von Wissenschaftler lieber in einen Roman gepackt. Die Handlung von »Der neunte Arm des Oktopus« habe er ursprünglich geträumt. Bei der Zusammenarbeit an »Der Zorn des Oktopus« ging es da schon handfester zu und über einen Zeitraum von acht bis neun Monaten habe man drei bis viermal am Tag telefoniert und sich einmal in der Woche getroffen, berichtet Ralf Hoppe. Über die gemeinsame Arbeit erzählen die beiden Autoren ausführlich im Podcast des literaturcafe.de. Man glaubt Rossmann sofort sein Bedauern, dass man bei Lübbe über 100 Seiten am Manuskript gestrichen habe, denn sehr viel länger als 600 Seiten sollte der zweite Roman nicht werden.

Und es wird deutlich: Dirk Rossmann hat eine Mission und eine Vision: die Welt und das Klima retten. Auf meine Frage, ob er eine Klima-Allianz, eine Art »Klima-Diktatur« wirklich für einen möglichen Weg halte, empfiehlt mir Rossman das Buch »Der Weg aus der Klimakrise« von Svend Andersen.

Am Ende des Gespräches will ich zudem noch eines wissen: Im letzten Kapitel von »Der neunte Arm des Oktopus« taucht Rossmann als Figur im eigenen Roman auf. Sein Freund Gerhard Schröder soll Wladimir Putin den Roman übergeben. Ist Rossmann das im wahren Leben gelungen? Hören Sie auch hier die Antwort und das ausführliche Gespräch mit Dirk Rossmann und Ralf Hoppe im Podcast des literaturcafe.de, geführt am 22. Oktober 2021 auf der Frankfurter Buchmesse.

Nutzen Sie den Player unten auf dieser Seite. Der Podcast des literaturcafe.de ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunesSpotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren.

Wolfgang Tischer

Dirk Rossmann; Ralf Hoppe: Der Zorn des Oktopus: Roman. Gebundene Ausgabe. 2021. Lübbe. ISBN/EAN: 9783785728017. 20,00 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
Dirk Rossmann; Ralf Hoppe: Der Zorn des Oktopus: Roman. Kindle Ausgabe. 2021. Lübbe. 15,99 €  » Herunterladen bei amazon.de Anzeige

4 Kommentare

  1. PS: Dass einem reichen Zeitgenossen wie Herrn Rossmann alle Medien-Plattformen zur Verfügung gestellt werden, ärgert mich. Was macht der Typp mit den Einnahmen aus seinem Buchverkauf? Ich hoffe, er spendet sie.
    Warum macht das Literaturcafe nicht mal ein Interview mit einer Kleinverlegerin am Ammersee, die vor wenigen Monaten ein Buch (eine Anthologie von Menschen mit der tückischen Krankheit NF2) herausgebracht hat – ohne auch nur einen Cent daran zu verdienen? Weil sie ihre Arbeit ohne Honorar gemacht hat, und die Verkaufseinnahmen zu 100 % auf das Konto einer Stiftung gehen.
    Das wäre doch mal ein Thema. Nicht populär, aber lesenswert. Finde ich …

  2. Charity starts at home, heißt ein schönes Sprichwort. Herr Rossmann will die Welt retten, also soll er mal in seinem Konzern anfangen und alle unnötig in Plastik verpackten Waren auslisten. Fensterreden hören wir von Politikern genug, die brauchen wir nicht auch noch in Buchform.

  3. Inhaltlich ist es sinnvoll über den Klimawandel zu schreiben. Das Problem liegt aber seit Jahrzehnten auf der Handlungsebene. Die Literatur hat schon früh auf das Problem aufmerksam gemacht, siehe z.B. den Roman von Harry Harrison Make Room! Make Room! von 1966, aus dem der Film Soylent Green entstand. Als erste offizielle Institution haben jetzt die noramerikanischen Geheimdienste die Einschätzung offengelegt, dass die Welt das 1,5-Grad-Ziel wohl verfehlen wird und man sich auf Schadensbegrenzung einrichtet. Nicht überraschend, da die Welt auf 3 Grad zusteuert, Tendenz steigend, und die Kippelemente bereits wackeln. Auch die bisher bekannten Ziele der neuen deutschen Koalition auf Bundesebene sind unzureichend. In der aktuellen Situation ist es tatsächlich schwer vorstellbar, dass auf demokratischem Wege die Radikalität des notwendigen Umschwungs durchsetzbar ist. Nicht mit den heutigen Parteien. Aber in Anbetracht der Interessenlage und des bisherigen Verhaltens der drei von Herrn Rossmann genannten Staaten, vor allem Russland und China, erscheint es unplausibel von diesen Staaten Rettung zu erlangen. Alle drei haben verstanden, dass umgebaut werden muss, doch keiner will das Risiko eingehen ökonomisch ins Hintertreffen zu geraten. China schraubt zwar am Motor seines Rennwagens herum, rast aber weiter auf den Abgrund zu um nicht überholt zu werden und versucht lieber noch rechtzeitig Flügel an den Schlitten zu basteln. Alle anderen Industriestaaten machen es ähnlich. Wir haben weniger als 10 Jahre Zeit um abzubremsen und stehen auf dem (Erd)Gaspedal. Wer glaubt, dass die psychologischen und geopolitischen Ursachen sich schon in den nächsten Jahren ändern werden, ist, sagen wir mal, sehr optimistisch.

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