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Gruselige Literatur: »Mama« von Jessica Lind

MAMA mit ohne Schutzumschlag
MAMA mit ohne Schutzumschlag

»Mama« von Jessica Lind ist eine schaurig beklemmende Gruselgeschichte mit literarischem Anspruch. Ein Buch mit dem Zeug zum Klassiker zwischen Stephen King und Marlen Haushofer.

Die einsame Waldhütte ist ein beliebtes Horror-Sujet. Denn dort, so wissen wir, lauert das Böse.

»Mama ist gleich wieder da.«
»Mama ist gleich wieder da.«

Amira und Josef kommen aus einem ganz bestimmten Grund in die einsame Holzhütte, die Josefs Mutter ansonsten an Urlauber vermietet: Amira und Josef wollen dort ihr Wunschkind zeugen. Doch schon auf der ersten Seite des Buches überfährt Amira beinahe ein Reh, am nächsten Morgen glaubt Amira einen Wanderer zu erkennen, der im Wald zwischen den Bäumen steht und die Hütte beobachtet. Dann taucht eine Hündin auf, die sich merkwürdig verhält. Amira erfährt, dass unweit der Hütte Josefs Vater bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Die Urlaubsatmosphäre wird immer beklemmender. Und will Josef wirklich ein Kind mit ihr?

Amira wird schwanger, und kurz vor der Geburt fahren Amira und Josef erneut zur Hütte im Wald. Doch dann laufen die Dinge aus dem Ruder, und auf einmal steht da auf einer Waldlichtung ein Kind …

»Mama« ist der Debüt-Roman der österreichischen Drehbuchautorin und Schriftstellerin Jessica Lind. Entstanden ist er aus der gleichnamigen Erzählung, mit der Lind 2015 den Open-Mike-Wettbewerb gewann. Am Ende des Buches bedankt sich Jessica Lind bei ihrer Lektorin Tanja Raich, die »diesen Roman aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat«. Diesem Dank kann man sich nur anschließen.

Bachmann-Podcast mit Jessica Lind vom Eröffnungsabend 2017 - Juror Michael Wiedermann im Gespräch
Jessica Lind (links) mit Doris Brockmann und Wolfgang Tischer im Bachmannpreis-Podcast 2017. Lind war damals Teilnehmerin des Klagenfurter Literaturkurses. Zur Podcast-Folge »

Denn »Mama« ist ein teuflischer Text, der sowohl der Hauptfigur Amira als auch den Leserinnen und Lesern mehrfach den Boden unter den Füßen wegzieht. Ungeheures geschieht mit größter Selbstverständlichkeit. Träume sind Albträume und dann auf einmal Wirklichkeit. Beim Lesen vermischen sich die Geschichten, die Zeitebenen und am Ende auch die Figuren des Romans. Aus den Motiven von Horrorfilmen wie Tanz der Teufel oder Cujo erschafft Jessica Lind einen literarischen Schauerroman, aus dessen Zentrum ein Märchen erwächst. Eine Geschichte, die streckenweise selbst zum Märchen wird, die aber ebenso Anklänge an Marlen Haushofers »Die Wand« enthält.

Buchdetail: MAMA in feiner Ausstattung
Buchdetail: MAMA in feiner Ausstattung

Zum Lesevergnügen trägt auch die Ausstattung bei, die der österreichische Verlag Kremayr & Scheriau, den 192 Seiten verpasst hat: ein kräftiger Pappeinband mit markanter Gestaltung, die sich auf dem Vorsatz und den Teilen des Buches fortsetzt, und ein haptisch ungewöhnlicher Schutzumschlag, Lesebändchen.

Man hält mit »Mama« einen fein gearbeiteten bösen Text und ein schönes Buch in der Hand.

Wolfgang Tischer

Jessica Lind: Mama. Gebundene Ausgabe. 2021. Kremayr & Scheriau. ISBN/EAN: 9783218012805. 20,00 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
Jessica Lind: Mama. Kindle Ausgabe. 2021. Verlag Kremayr & Scheriau. 14,99 €  » Herunterladen bei amazon.de Anzeige

1 Kommentar

  1. Ja stimmt, ein schaurig böses oder mir manchmal etwas unverständliches Buch, bei Steven King kenne ich mich nicht so aus, die Assoziation zur”Wand” ist unübersehbar und die Märchenbücher dürfen wir auch nicht vergessen, bin gespannt, ob es auf die Buchpreislisten kommt?
    /2021/08/16/mama/

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