Behmels Bösewichter (7): Wenn die Schurken Es sind

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Albrecht Behmel, Initiator des Samiel Awards
Albrecht Behmel (Foto: privat)

Der Große Böse Wolf, Mephistopheles, Dracula und die Panzerknacker – wer liebt sie nicht? Schurken sind ein zentraler Erfolgsfaktor in Geschichten, gleich ob es Märchen sind, Thriller oder Romanzen. In gewisser Weise brauchen sogar Sachbücher Antagonisten oder zumindest antagonistische Kräfte, denn wir Menschen sind von Konflikten, Siegen und Niederlagen fasziniert.

In dieser Kolumne zum Samiel-Award ergreife ich Partei für das Böse. Im siebten Teil geht es um die Frage, was böse Mütter und Werwölfe mit Sigmund Freud verbindet.

Samiel Award 2013 - Bester AntagonistDer Samiel Award
ist ein Literaturpreis für Autoren, die herausragende Antagonisten erschaffen haben: Monster, Schurken, Fieslinge und Gegenspieler. Bis zum 1.12.2013 können Verlage und Autoren Ihre Charaktere für den Preis vorschlagen, der vor Weihnachten verliehen wird. Das literaturcafe.de unterstützt als Partner den Wettbewerb.

Albrecht Behmel ist der Initiator des Samiel Awards. In dieser Kolumne begibt er sich auf die Spur des Bösen.

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Geschichten, bei denen der Antagonist ein innerer Dämon des Protagonisten ist, sind in vielerlei Hinsicht mit den Theorien Sigmund Freuds über die Trias von Ich, Über-Ich und Es erklärbar, wobei der Protagonist stets die Rolle des Ich übernimmt, während die Antagonisten im Über-Ich oder im Es zu suchen sind.

Beispiele für diese Konstellation sind etwa Alfred Hitchcocks Psycho und die Novelle des Dr. Jekyll und Mr. Hyde von Robert Louis Stevenson. Norman Bates litt unter einer dominanten Mutter, die ihm einredete, dass alle Frauen (außer ihr selbst) moralisch verwerflich seien. Sie steht damit für eine krankhafte Version des Über-Ich, also einer Kompilation von Regeln und Vorstellungen, die mittels rationaler oder quasi-rationaler Erklärungen einen Einfluss auf das Verhalten des Ichs haben.

Dr. Jekyll auf der anderen Seite versucht, das Es seiner Person zu befreien. Auch Dr. Caligari unternahm einen ähnlichen Versuch, indem er seine Patienten durch Hypnose auf das Unterbewusstsein zu reduzieren versuchte. Beide, Dr. Jekyll und Dr. Caligari, sahen im Triebhaften und im Vegetativen des Menschen den wahren Antagonisten der Vernunft und des Humanum, und sie versuchten, diese Urkraft freizusetzen. Das Ergebnis, Mr. Hyde ist zum Inbegriff des inneren Dämonen geworden, der sich selbständig macht und sich gegen seinen Meister aufzulehnen beginnt. Die Werwölfe sind ebenso ein Beispiel für das, wie Sigmund Freud sagte, Triebhafte, das sich der Kontrolle der Vernunft und der Kultur entzieht, wie Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde.

Albrecht Behmel

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