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Bachmannpreis-Podcast 2026: Komprimierung des Eröffnungsabends

Die beiden Bachmann-Preis-Podcaster Wolfgang Tischer und Bozena Badura nach der Aufnahme am Eröffnungsabend der 50. Tage der deutschsprachigen Literatur.
Die beiden Bachmann-Preis-Podcaster Wolfgang Tischer und Bozena Badura nach der Aufnahme am Eröffnungsabend der 50. Tage der deutschsprachigen Literatur.

Der Bachmannpreis-Podcast meldet sich direkt aus Klagenfurt: Zum 50. Jubiläum sprechen Wolfgang Tischer und Bozena Badura in dieser ersten Folge über den Eröffnungsabend der 50. Tage der deutschsprachigen Literatur – über die erstmals live auf 3sat übertragene Eröffnung, die Klagenfurter Rede von Helga Schubert, die deutliche Worte des Juryvorsitzenden Klaus Kastberger – und was sonst noch aufgefallen ist.

Aufgenommen am Mittwochabend nach der Eröffnung in den Hallen des ORF-Theaters, noch ohne Gast und noch nicht auf der Bühne: Ab Donnerstag nehmen Wolfgang Tischer und Bozena Badura täglich um 18 Uhr live vor Publikum am Lendhafen auf – dann mit einem täglich wechselnden Gast.

Es ist die erste Folge im Zeichen des Doppeljubiläums mit 50 Jahren Bachmann-Preis und dem 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann. Wer sich einstimmen möchte: In der Vorankündigungsfolge hat Wolfgang Tischer drei Bücher von Autorinnen und Autoren vorgestellt, die in den Vorjahren in Klagenfurt gelesen haben.

Eine gestraffte Eröffnung – erstmals live auf 3sat

Prominenz beim 50. Bachmannpreis in Klagenfurt (v. l. n. r.): Karin Bernhard (Direktorin des ORF Kärnten), Sheila Bachmann, ihr Mann Heinz Bachmann (Bruder von Ingeborg Bachmann), dahinter Horst L. Ebner (Koordinator der »Tage der deutschsprachigen Literatur«, ORF Kärnten) und Gaby Schaunig (1. Landeshauptmann-Stellvertreterin von Kärnten). Foto: Wolfgang Tischer
Prominenz beim 50. Bachmannpreis in Klagenfurt (v. l. n. r.): Karin Bernhard (Direktorin des ORF Kärnten), Sheila Bachmann, ihr Mann Heinz Bachmann (Bruder von Ingeborg Bachmann), dahinter Horst L. Ebner (Koordinator der »Tage der deutschsprachigen Literatur«, ORF Kärnten) und Gaby Schaunig (1. Landeshauptmann-Stellvertreterin von Kärnten). Foto: Wolfgang Tischer

Zum Jubiläum hat 3sat die Eröffnung erstmals live übertragen, von 19 bis 20.15 Uhr. Das brachte spürbare Veränderungen: Die Lesereihenfolge wurde bereits am Vortag, dem 23. Juni 2026, ausgelost und gestreamt, die Reden der Sponsoren und Amtsträger auf kurze Einspielfilme eingedampft. Stattdessen rückten die 14 Lesenden und ihre Texttitel stärker in den Mittelpunkt. Erstmals fand die komplette Eröffnung im umgestalteten Garten des ORF-Theaters statt, dem Ingeborg-Bachmann-Park – bei bestem Bachmannwetter (über 30 Grad) und mit einer Musik, die diesmal wirklich passte: es spielte die Band »Manjana und die Uvos« und es sang der kärtnerisch-slowenische Chor Oktakord.

Die Klagenfurter Rede: Helga Schubert

Gewinnerin 2020 und Jurorin 1987 bis 1990: Helga Schubert hielt in diesem Jahr die »Klagenfurter Rede zur Literatur«
Gewinnerin 2020 und Jurorin 1987 bis 1990: Helga Schubert hielt in diesem Jahr die »Klagenfurter Rede zur Literatur«

Die 27. Klagenfurter Rede zur Literatur hielt in diesem Jahr Helga Schubert. Keine könnte besser zum Doppeljubiläum passen: 2020 gewann sie mit 80 Jahren als bislang älteste Preisträgerin den Bachmannpreis, von 1987 bis 1990 saß sie selbst in der Jury, und 1980 hätte sie bereits als Lesende teilnehmen sollen – die DDR verweigerte ihr jedoch die Ausreise. Ihre Rede trug den Titel »Und führe uns nicht in Versuchung«. Für die Bühne und die Live-Sendung wurde sie gekürzt; die vollständige Fassung ist auf der Website des ORF nachzulesen und als Aufzeichnung zu sehen – gedruckt erscheint sie wie immer in der Edition Meerauge.

Klare Worte des Juryvorsitzenden Klaus Kastberger

Der Jury-Vorsitzende Klaus Kastberger sprach auch unbequeme Dinge an
Der Jury-Vorsitzende Klaus Kastberger sprach auch unbequeme Dinge an

Zum – nach eigener Ankündigung – letzten Mal hielt Klaus Kastberger die Rede des Juryvorsitzenden. Er benannte nach eher harmlosen Reden von ORF Kärnten-Chefin Karin Bernhard und Landeshauptmann Daniel Fellner in deutlichen Worten die Elefanten im Raum des Literaturbetriebs: Kürzungen und Sparzwang, die vor allen Dingen die freie Szene treffen. Trotz der Erhöhung des Preisgeldes von 25.000 auf 30.000 Euro setzte er Seitenhiebe Richtung Lokalpolitik und Kulturpolitik in Deutschland. Außerdem ließ er nicht unerwähnt, dass in einem neuen Buch über die Literaturkritik im Kapitel »Literaturkritik im Fernsehen« mit keinem Wort der Bachmann-Preis erwähnt wird.

Ausblick

Auffällig im Jubiläumsjahr: eine Rekordzahl an Akkreditierungen und viele Menschen aus dem Literaturbetrieb, die zum ersten Mal oder nach langer Abwesenheit wieder vor Ort sind. Ehemalige Jury-Mitglieder oder Lesende sah man beim Jubiläum hingegen so gut wie nicht.

Wolfgang Tischer empfiehlt zum Schluss den Bachmann-Film »Jemand, der einmal ich war« (siehe Rezension), der morgen, am 25. Juni, dem 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann, in die Kinos kommt.

Morgen werden dann die fünf Lesungen des ersten Tages und die Jury-Diskussion besprochen – zu Gast um 18 Uhr am Lendhafen ist dann die Literaturagentin Astrid Poppenhusen.

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