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Die Welt in besten Stücken: »Ochsenkopf« von Manik Sarkar

»Ochsenkopf« von Manik Sarkar
»Ochsenkopf« von Manik Sarkar, deutsch von Ruth Löbner

Rensing liebt sein Handwerk. Beste Qualität ist seine Leidenschaft. Rensing ist Metzger. Als bei ihm auf dem Dorf ein Supermarkt mit Billigfleisch eröffnet, will er die Kunden mit Qualität und neuen Verkaufskonzepten überzeugen. Doch Rensing fehlt das Gespür für die Menschen. Und Autor Manik Sarkar lässt ihn in Abgründe blicken.

Der schmale 170-Seiten-Roman »Ochsenkopf« ist sicherlich nicht für Menschen geeignet, die sich immer ein wenig mit der Hauptfigur identifizieren müssen, um ein Werk gut zu finden. Denn so richtig blicken wir nicht in den Kopf von Rensing hinein. Schon als Kind hat Rensing, dem Manik Sarkar keinen Vornamen gibt, ein Gespür für gesunde Tiere und gutes Fleisch und übertrifft damit sogar seinen Vater, der ebenfalls Metzger ist. Dereinst wird er dessen Laden auf dem Dorf übernehmen.

»Auch für Vegetarier:innen geeignet« bewirbt der Zsonay Verlag den Debutroman des Niederländers. Auch das sei einmal dahingestellt. Wie Sarkar beschreibt, wenn Resing seziert, ist ebenfalls messerscharf. Egal, wie man zum Metzgerhandwerk steht, es wird die Leidenschaft Rensings deutlich. Das mag auch an der wunderbaren Übersetzung von Ruth Löbner liegen, die in der deutschen Version Fachbegriffe wie selbstverständlich einwebt. Und plötzlich spüren wir doch die Besessenheit, nur das beste Fleisch in die Verkaufauslage zu bringen. Ein klein wenig werden wir Rensing.

Mit den Menschen kann er allerdings nicht so recht. Schon gar nicht, wenn sie die Qualität seiner Ware nicht sehen oder nicht zu schätzen wissen. Rensings Ansprüche sind höher als die seiner Kundinnen und Kunden.

Durch die Vermittlung seines Vaters hat er eine Metzgerstochter aus einem Nachbardorf geheiratet und schließlich den väterlichen Betrieb übernommen.

Als ein Supermarkt mit billigem Fleisch eröffnet, sieht sich Rensing herausgefordert. Doch die Leidenschaft für sein Handwerk reißt ihn stückweise in den Abgrund.

Manik Sarkars spielt auch mit den Klischees. Der stiernackige Metzger – oder vielmehr der Mann mit dem ochsenköpfigen Dickschädel – gegen den Rest der Welt, den er eigentlich nicht versteht. Er will auf seine Art gutes Schaffen und verzweifelt daran. Die Groteske, die dieser Roman ebenfalls ist, braucht ihre Stereotypen. Denn Manik Sarkar zeigt auch eine Welt, die Außenseiter übergeht und ihnen keinen Raum zum Leben lässt.

Und wenn Resing nicht die Romanfigur ist, mit der man sich identifiziert, haben wir dennoch Mitleid mit ihm. Sein Ringen nach dem Guten, Wahren, Schönen wird von der Welt nicht gesehen, und er bleibt der ewige Sonderling. Die Welt um ihn wird kälter und niemand steht am Schluss an seiner Seite. Traurig – und dennoch auch ein witziger, sarkastischer Text, aus einer anderen Berufswelt, die so anders gar nicht ist.

Wolfgang Tischer

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