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Das A
von J?rg Rockel

»Ein A - Bitte ein A.«
     Keine Reaktion. Vielleicht ist das Mikrofon defekt. Ich versuche es erneut. Diesmal mit lauter Stimme:
     »Ich kaufe ein A.«
     Der Spielleiter sieht mich verwirrt an:
     »Entschuldigung, aber Sie können nicht kaufen. Sie sind doch nicht an der Reihe.«
     »Ich will aber ein A kaufen!«
     »Verstehen Sie nicht? Sie sind nicht am Zug!«
     »Aber ich kenne den Begriff! Geben Sie mir nur das A.«
     Der Spielleiter tritt von der Buchstabenwand weg und kommt langsam zu meinem Pult hinüber:
     »Sie kennen doch die Regeln, nicht wahr? Die Spielregeln. Ich kann Ihnen kein A geben.«
     »Aber ich kann auflösen, wenn Sie mir das A geben. Ich bin mir ganz sicher. Geben Sie mir das A.«
     »Sie bekommen jetzt kein A. Sie – sind – nicht – dran!«
     »Aber ich brauche das A. Nur diesen einen Buchstaben!«
     »Nein!«
     »Geben Sie mir das A – sofort!«
     »Nein, nein und nochmals - nein!«
     Meine Stimme wird lauter:
     »Sie geben mir jetzt das A! Auf der Stelle!« Der Spielleiter beugt sich drohend über mein Pult:
     »Wenn Sie nicht augenblicklich Ihren Mund halten, dann werde ich…« Da schreie ich ihm mitten ins Gesicht:
     »Ich will jetzt sofort mein gottverdammtes A – verfluchte Scheiße!
     Ein AAAAAAAAAAaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!!!«
     Alle Anwesenden erstarren zu Stein. Der Spielleiter starrt mich völlig perplex an. Sein Mund ist weit geöffnet, wie bei einem Fisch, der nach Luft schnappen will.
     Dann tue ich es, ohne jede Vorwarnung:
     »Abraxas!«
     »Wie bitte?«, ein Krächzen.
     »Das gesuchte Wort heißt Abraxas. Dreimal A. Abraxas.«
     Atemlose Stille legt sich über das Studio. Knisternde Spannung elektrisiert die Luft und acht Millionen Fernsehzuschauer starren gebannt auf mein verschwitztes Gesicht in Großaufnahme. Die Studiokameras summen leise weiter:
     »Bekomme ich jetzt mein A?«

© 2006 by J?rg Rockel. Unerlaubte Vervielf?ltigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

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