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satz-für-satz für hermann mensing

 

"Lass mich frei...",dachte sie"...ich will dich endlich für das was du mir angetan hast hassen können..."

Satz von Anja Eversberg, Wuppertal

 

Die Geschichte zum Satz:

Da war aber noch ein Gedanke. Mehr noch, es war eine Stimme. Eine, die sie noch nie vorher gehört hatte. Eine, die sie beunruhigte, die sich nicht abfinden wollte mit diesem bequemen Schwarz-Weiß. Eine, die sagte, dass zwei zu so einer Liebe gehören. Einer, der gefangen hält, und einer, der sich gefangen halten lässt. Die Stimme wurde so laut, so dass sie kaum noch an Hass denken konnte, an diesen alles vernichtenden Hass, den sie sich so gern ausmalte, Hass, der ihn zermalmen und jeder Würde berauben würde. Stattdessen stieg eine Wut auf, die sich gegen sie selbst richtete. Eine Wut darüber, so lange still gehalten zu haben. Aus dem Nebenzimmer hörte sie aufgeregte Stimmen, Dialoge eines Fernsehkrimis. Durch den Türspalt konnte sie ihn sehen. Er lag auf dem Sofa. Möglich, dass er schlief. Sie ging ins Schlafzimmer, raffte zusammen, was ihr wichtig schien. Nicht viel, nein, das Kleid aus Santander, die Leinenhose, die Jacke, Zahnbürste, die Scheckkarten, ihre und seine, die Autoschlüssel vom Brett neben der Tür, mehr nicht. Ihr Herz hatte zu rasen begonnen, als ihr klar wurde, was sie tat. Auf Zehenspitzen verließ sie die Wohnung, auf Zehenspitzen, immer noch auf Zehenspitzen, lächerlich, dachte sie, lief sie zur Garage, öffnete, ging hinein, setzte sich ins Auto und fuhr zum Flughafen. Dort buchte sie den nächstbesten Flug.

 

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über den Autor Hermann Mensing
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