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Yoko Tawada: Abenteuer der deutschen Grammatik

Der Bericht über den Besuch einer Lesung von Yoko Tawada im Jahre 1997 war einer der ersten im literaturcafe.de. Am vergangenen Montag, dem 28. Februar 2011, hatte die in Berlin lebende Japanerin zu und aus einem ganz besonderen Anlass gelesen und ihren aktuellen Lyrikband »Abenteuer der deutschen Grammatik« vorgestellt.

Tawadas Verlegerin Claudia Gehrke bekam einen Preis mit einem sperrigen Namen verliehen: den »Baden-Württembergischen Landespreis 2010 für literarisch ambitionierte kleinere Verlage«.

Und da Claudia Gehrkes konkursbuch Verlag auch für seine Erotikbücher bekannt ist, war es bei der Preisverleihung im Tübinger Zimmertheater die spannende Frage, wie die Landespolitiker damit umgehen.

Doch der Chef des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Ministerialdirektor Klaus Tappeser, blieb cool.

»Wenn man heute Morgen die Meldung der dpa gelesen hat, dann könnte man meinen, wir würden jetzt einen Erotikpreis verleihen«, eröffnete der ranghöchste Beamte des Ministeriums sein Rede, um dann auf die literarischen Qualitäten und Verdienste des Verlags überzuleiten.

Landespreises für literarisch ambitionierte kleinere Verlage 2010: Verleihung im Tübinger Zimmertheater an Claudia Gehrke konkursbuch Verlag
Preisverleihung an Claudia Gehrke
Verlegerin Claudia Gehrke freute sich sichtlich über die Auszeichnung, gerade weil er die literarische Qualität würdigt. Natürlich habe sie gelernt, dass Journalisten Schubladen für ihre Berichte brauchen, doch in der Ablage »Sex« ist der Verlag nur unzureichend aufgehoben. Auch die speziellen Spielarten der Literatur haben im kleinen Tübinger Verlag ihre Heimat, die dort auch Yoko Tawada gefunden hat.

Sie lobte ihre Verlegerin, dass die Bücher lange lieferbar gehalten werden und nicht im Halbjahresrhythmus den Neuerscheinungen weichen: »Bücher brauchen Zeit, um entdeckt zu werden. Das können sich offenbar nur kleine Verlage leisten.«

Yoko Tawadas kleines und fein gestaltetes Gedichtbändchen ist so ein Buch, dessen Entdeckung lohnt. Tawada wirft einen Blick auf die deutsche Sprache, auf Wörter, Worte, Grammatik, Laute und Bedeutung, wie es nur jemand kann, der diese Sprache liebt, aber sie nicht als Muttersprache gelernt hat. Mit Sicherheit ist es auch der Blick der Japanerin, deren Sprache ein anderes grammatikalisches Regelwerk besitzt, bei dem es weder Artikel, Pluralformen noch Fälle gibt.

Yoko Tawadas Gedichte sind keine konkrete Poesie oder Sprachspielereien wie bei Jandl. Mit ihren Beobachtungen lenkt sie den Blick der Muttersprachler auf wunderbar sprachlich-poetische Betrachtungen jenseits des Deutschunterrichts. Man staunt, muss schmunzeln und erlebt Tawada tatsächlich als Abenteurerin, die sich neugierig vortastet und für die nichts selbstverständlich ist.

Nicht umsonst hatte Yoko Tawada 1998 die Tübinger Poetik-Dozentur inne.

Yoko Tawada ist es gelungen, der deutschen Sprache eine neue und ganz eigene Form der Poesie zu entlocken.

Dass Claudia Gehrke mit ihrem konkursbuch Verlag solchen Autorinnen und Autoren einen Sprachraum schafft, ist wahrlich preiswürdig.

Glückwunsch dem konkursbuch Verlag und seiner Verlegerin Claudia Gehrke zum baden-württembergischen Landespreis 2010 für literarisch ambitionierte kleinere Verlage, verliehen am 28. Februar 2011 im Tübinger Zimmertheater.

Tawada, Yoko: Abenteuer der deutschen Grammatik. Taschenbuch. 2010. konkursbuch. ISBN/EAN: 9783887697570. 8,90 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel

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