Totenhorcher, Hochstapler und Literaturagenten

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Wolfgang Tischer über seine Lektüre im Herbsturlaub 2004 und ein Gespräch mit dem englischen Autor Jasper Fforde

Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre

Buchrücken: Jasper Fforde: Der Fall Jane EyreEs war ein Erlebnis im örtlichen Supermarkt, wenige Tage vor meiner Reise, das mich veranlasste, Jasper Ffordes (ein walisischer Name, daher das doppelte F) Roman »Der Fall Jane Eyre« für den Urlaub einzupacken. Ich stand vor den gefüllten Regalen, um eine Produktentscheidung zu treffen, und wie immer beschallte mich leicht das so genannte Einkaufsradio mit milden Melodien. Dann Nachrichten. In der Regel ebenso milde Meldungen, soll doch der Käufer nicht durch unangenehme Dinge irritiert werden. Also meist Tratsch und Klatsch aus Politik und Showbiz.

Und dann plötzlich die Meldung, dass in München der deutsche Germanistenkongress eröffnet worden sei. Er widme sich dieses Mal dem Thema, welche Rolle Sprache und Literatur in einer sich veränderten Welt spielen. Oder so ähnlich. Was für eine ungewöhnliche Meldung an diesem Ort. Das war der Moment, in dem ich mich kurz in die Welt von Thursday Next versetzt fühlte. Es ist die Hauptfigur von Ffordes mittlerweile drei Büchern, die diesen schönen Namen trägt. Und in Thursdays Welt und in der Welt Jasper Ffordes spielt die Literatur eine sehr wichtige Rolle.

Abends dann wieder Meldungen vom Brand in der Weimarer Anna Amalia Bibliothek. Und plötzlich wird zu Spenden für Bücher und Literatur aufgerufen. Und am Flughafen dann lese ich ein Goethegedicht auf der Stofftüte einer Drogeriemarktkette. Ja, irgendwie war ich ein wenig in die Welt von Thursday Next geraten und es war gut, diesen Roman mit im Gepäck zu haben. Vor einigen Wochen hatte ich bereits die ersten Seiten gelesen, aber es ist eines jener rasanten Werke, die man in kürzester Zeit lesen sollte und nicht im Bett mit vor Müdigkeit bleischweren Armen.

Jasper FfordeÜber ein anderes, merkwürdiges England

Ein Gespräch mit Jasper Fforde

Wenige Tage nach meinem Herbsturlaub 2004 treffe ich Jasper Fforde (sprich: Ford) auf der Frankfurter Buchmesse. Er präsentierte dort den nun auf Deutsch erschienenen zweiten Band »In einem anderen Buch« mit seiner Hauptfigur Thursday Next. Fforde spinnt seinen Roman selbst in der Wirklichkeit weiter. An seiner Brust ist ein Firmenausweis der Goliath Corporation befestigt, die in der Buchwelt Jasper Ffordes keine unwesentliche Rolle spielt. Warum, so will ich wissen, kommt es, dass das England in seinen Büchern leicht anders sei, als das England, das wir ansonsten zu kennen glauben? Es war, so Fforde, einfach unmöglich, solche Dinge wie Zeitreisen und andere Merkwürdigkeiten seiner Bücher in der Welt unterzubringen, wie wir sie kennen. Also erschuf er eine Welt, die geringfügig anders ist und in der diese Dinge glaubwürdig erscheinen. So ist z. B. Wales in seinen Romanen eine eigenständige Republik, von der keiner so recht weiß, was da genau vor sich geht. Sie ähnelt den Ostblockländern in den 80ern des letzten Jahrhunderts. Das war eine nette Idee, die erst während des Schreibens entstand. Ansonsten erhalte er Anregungen für seine Bücher aus Filmen, anderen Büchern oder selbst auch aus Witzen, die man ihm erzähle. Alle Inspirationen, die passen und ihm gefallen, werden Teil der Geschichte und Teil der Welt von Thursday Next.

Ich möchte wissen, ob Ffordes Arbeit als Focus Puller und Kameramann bei Filmproduktionen einen Einfluss auf die Art seines Schreibens habe. Natürlich, sagt Fforde. Er habe einen durchaus filmisch-szenischen Schreibstil, und auch seine Art, die Handlungsstränge zu verknüpfen, sei sehr an der filmischen Erzählweise angelehnt. Liegt es da nicht nahe, aus den Abenteuern Thursdays einen Film zu machen? Geplant sei dies bislang nicht, doch werde er die Rechte dafür nicht ohne Weiteres aus der Hand geben. Wenn aus »Der Fall Jane Eyre« ein Film wird und sich ein Produzent findet, dann will Fforde auf jeden Fall das Projekt selbst umsetzen und verwirklichen.

Im ersten Band »Der Fall Jane Eyre« spielt die englische Literaturwelt eine große Rolle; wird Thursday also nach den Erfolgen in andern Ländern bald auch mal in Goethes Faust oder in einem Werke Schillers nach Verbrechern jagen? Schwierig, sagt Fforde, denn Thursday könne er nur in Bücher versetzen, die er selbst sehr gut kenne. Und das seien nun mal in erster Linie englische Werke. Allerdings: im zweiten Band gelangt Thursday zumindest in das Werk eines deutschsprachigen Autors. Unvermittelt findet sie sich nämlich in Kafkas »Der Prozess« wieder.

Die Frankfurter Buchmesse ist zweifelsohne ein literarischer Ort, der auch aus einem seiner Bücher stammen könnte. Glaubt Fforde, dass Literatur eine größere Rolle in unserer Welt spielen sollte? Ja, sagt er, es könnte eine bessere und kulturell reichere Welt sein, wenn die Literatur einen Stellenwert wie in »seinem« England einnehmen würde. Liest man allerdings Ffordes Werke, so kann man diesen Worten nicht so ganz glauben.

Und die Goliath Corporation, die in seiner Romanwelt viele Fäden hinter den Kulissen zieht, sei das nicht eine heimliche Diktatur? Natürlich spiele Goliath dort eine sehr negative Rolle, dennoch fände es Fforde sehr interessant, wenn die Geschicke dieser Welt nicht von Politikern, sondern von Firmen gelenkt werden. Nicht das Volk, sondern die Konsumenten hätten dann die Macht. Und diese sei ungemein größer, weil unmittelbarer. Wenn Entscheidungen missfallen, brauche man nur die Produkte nicht mehr zu kaufen, und schon müsse die Firma unter diesem wirtschaftlichen Druck einlenken. Firmen, die für ihre Mitarbeiter sorgen und ganze Städte für sie bauen, das könne ja auch eine ganz angenehme Sache sein. Wiederum weiß ich nicht, wie ernst es Fforde mit diesen Worten ist, denn auch hier belehren uns die Wirklichkeit und seine Romanwelt eines anderen.

Natürlich muss ich zum Abschluss die Frage stellen, in welchen Roman er denn selbst gerne einmal transferiert werden würde, wenn er wie seine Romanheldin die Gelegenheit dazu hätte. P. G. Wodehouse, antwortet er ohne zu zögern, das sei eine angenehme Welt, die Leute haben keine Sorgen, amüsieren sich und trinken den ganzen Tag Tee. Das sei doch einfach ein herrliches Leben.

Definitiv auch einen Besuch wert: Jasper Ffordes skurrile Web-Welt

»Der Fall Jane Eyre« spielt in England und Wales Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Doch es ist eine leicht andere Welt, wie man nach den ersten Seiten unschwer und anfänglich leicht irritiert feststellt. Wie schon erwähnt, spielt die Literatur eine große Rolle. So wird hier mit gefälschten Originalmanuskripten gehandelt, und für »entführte« Werke werden hohe Lösegeldforderungen gestellt. Und nicht die Zeugen Jehovas ziehen von Tür zu Tür, sondern die Anhänger literarischer Glaubensrichtungen, die z.B. die Leute in ihrem Glauben bekehren wollen, die Werke Shakespeares seien tatsächlich von Shakespeare geschrieben worden. Und auch sonst sind ein paar Dinge anderes: England führt seit über 100 Jahren Krieg um die Krim-Halbinsel, und das bevorzugte Transportmittel für längere Reisen sind Luftschiffe.

Für größere und kleinere literarische Verbrechen gibt es sogar eine Spezialpolizei, die Literaturagenten, kurz LitAgs. Und Thursday Next ist eine von ihnen.

Ffordes Roman liest man mit Vergnügen und Spannung. Er ist eine gelungene Mischung aus Thriller, Science-Fiction und Fantasy-Roman, und gerade diese »leicht andere« Welt der Thursday Next hat ihren besonderen Reiz. Nach der Lektüre werden Sie manches Buch ganz anders lesen, denn Sie werden durch Fforde erfahren, was sich hinter den Kulissen einer Romanhandlung abspielt. Was machen die Figuren der Handlung, wenn der Autor gerade einmal nicht über sie schreibt? Und Sie erfahren, dass sich hinter dem Liebesroman »Jane Eyre« in Wirklichkeit eine mörderische Verbrecherjagd abspielt, ohne dass es der Leser mitbekommt. Thursday Next spielt keine unwesentliche Rolle, dass der Roman so endet, wie wir ihn heute kennen. Aber keine Angst: sie müssen kein Kenner englischer Literatur sein, um Jasper Ffordes Anspielungen zu verstehen. Im Gegenteil: es ist durchaus reizvoll, sich am Tag darauf im Urlaubsland in eine Buchhandlung zu begeben und die günstige Taschenbuchausgabe von Penguin Books zu erwerben, um darin dann nachzulesen, welchen Einfluss Thursday Next auf Emily Brontës Werk hatte.

Das klingt jetzt alles seltsam? Ist es auch. Aber eigentlich auch nicht, wenn Sie erst mal die Welt von Thursday betreten haben. Schön, dass nun auch Ffordes zweiter Roman »In einem anderen Buch« (Lost in a good Book) auf Deutsch erschienen ist. Darauf kann man sich freuen!

Sven Regener: Neue Vahr Süd

Buchrücken: Sven Regener: Neue Vahr Süd

Sven Regeners neues Buch »Neue Vahr Süd« wird im Bücherherbst 2004 viel Beachtung geschenkt. Kein Wunder, war doch sein literarisches Erstlingswerk »Herr Lehmann« ein überaus großer Erfolg, sowohl als Buch, aber auch als gelungene Verfilmung durch Leander Haußmann. Regener schrieb auch das Drehbuch des Films.

»Neue Vahr Süd«, so heißt ein Wohnviertel Bremens. Spielte Regeners Erstling im Berlin des Jahres 1989, so führt er uns nun fast zehn Jahre zurück. Wieder ist die Hauptfigur Herr Lehmann, der damals im Jahre 1980 von seinen Kumpels allerdings noch Frank oder Frankie gerufen wurde. Mit fast 600 Seiten ist das zweite Buch fast doppelt so dick wie das erste. Dennoch spielt auch hier die Handlung nicht die wichtigste Rolle. Der Roman besteht sicherlich zu über 90% aus Dialogen. Und das ist es auch, was der Autor Regener meisterlich versteht: die überaus realistisch wirkende Wiedergabe jener alltäglichen und eigentlich wenig aufregenden Gespräche in Wohngemeinschaften und Kneipen – und bei der Bundeswehr, deren Atmosphäre von Sinnentlehrung Regener ebenfalls gekonnt einfängt. Der Roman beginnt unmittelbar an dem Tag, an dem Frank Lehmann zum »Bund« muss. Das Werk erstreckt sich über einen Zeitraum von knapp einem halben Jahr. Mit jener merkwürdigen Logik des Frank Lehmanns und seiner Sicht der Dinge beschreibt Regener das Leben bei der Bundeswehr und die privaten Wochenenden und Abende, zwei Bereiche, die sich gegen Ende leicht verweben werden. Überhaupt ist auch die wenige Handlung fein in die Dialoge eingewebt, und man liest das Werk mit Vergnügen. Freilich sei nicht ganz unerwähnt, dass man auf den ersten Seiten die Befürchtung haben muss, dass sich die immer wiederkehrenden Elemente der Dialoge irgendwann tot laufen und langweilen. Sehr auffällig ist dies im Kapitel »Der Fernseher«, das in seiner Art sehr an Loriots Eheszenen erinnert, in denen sich Streitigkeiten an harten Frühstückseinern entzünden. Dieses Kapitel wirkt wie das Ergebnis einer Übungsaufgabe eines Schreibseminars. Doch zum Glück durchbricht Regener dieses einfache Schema sehr bald, und die Befürchtungen bleiben unbegründet. Positiv auch, dass Regener sein Werk nicht mit bemühtem 80er-Colorit schmückt. Und obwohl das Werk den Namen eines Bremer Stadtteils spielt und natürlich Bremer Orts- und Kneipennamen vorkommen, muss man die Stadt nicht kennen, spielt der Autor nicht mit Anmerkungen, die nur Insider verstehen. Die Menschen des Romans leben weitestgehend in der Welt ihrer Beziehungen und Dialoge. Zeit und Ort spielen dabei nur eine marginale Rolle, was dem Werk positiv zugute kommt. Knappe 600 Seiten, die man rasch, amüsiert und oftmals kopfschüttelnd liest. Er war schon damals sehr merkwürdig, dieser Frank Lehmann, aber er ist eine Romanfigur, die man ins Herz schließt. Und dann sind die 600 Seiten um, und eigentlich wünscht man sich, Regener würde das vollständige Leben Frank Lehmanns erzählen. Wahrscheinlich würde nie viel passieren und es wäre alles andere als aufregend, aber man würde es dennoch mit Vergnügen lesen, weil Sven Regener diese Belanglosigkeit gekonnt und sehr unterhaltsam in Worte fasst.

Markus Werner: Am Hang

Buchrücken: Markus Werner: Am HangAuch in »Am Hang« von Markus Werner steht das Gespräch im Mittelpunkt, wenngleich mit ganz anderen Konsequenzen. Durch einen geschickten Vorgriff auf das, was kommen wird, weiß man bereits von der ersten Seite an, dass dieses Gespräch nicht gut enden, dass am Schluss eine Bedrohung stehen wird. Und so liest man mit diesem Wissen von der zufälligen Begegnung eines jungen Scheidungsanwalts mit einem älteren Lehrer. Ihr Gespräch beginnt zögerlich, fast gezwungen, als sich der Jüngere in einem Schweizer Ferienhotel an den Tisch des Älteren setzt, weil kein weiterer Platz frei ist. Schließlich beginnen sie über das Leben zu philosophieren, das beide freilich recht unterschiedlich bewerten. Der eine genießt es, der Blick des anderen ist eher negativ, gelegentlich auch etwas merkwürdig. Es stellt sich heraus, dass die geliebte Ehefrau des älteren Gesprächspartners erst vor kurzem verstorben ist.

Während der ganzen Lektüre ist die unterschwellige Bedrohung beim Leser da, das Wissen, dass dieses Gespräch irgendwann kippen wird, denn auf eine gewisse Art scheinen sich die Männer eigentlich anzufreunden. Man liest aufmerksam und genau, und der Autor steuert sehr langsam auf sein Ziel zu. Ein kurzes Werk, das man am besten in einem Stück durchliest. Und ich wette mit Ihnen: garantiert werden Sie danach sofort wieder zu den ersten Seiten blättern und diese erneut lesen, denn dieses kleine Bändchen von Markus Werner, das hat es in sich.

Thomas Mann: Felix Krull

Buchrücken: Thomas Mann: Felix KrullNachdem ich in meinem Urlaub vor zwei Jahren zum ersten Mal ein Werk von Thomas Mann gelesen hatte, nämlich die Buddenbrooks, war ich schwer begeistert. Hatte ich zuvor doch immer geglaubt, Mann, das seien langweilige und dröge Bücher für Intellektuelle. Aber nein, ich erfreute mich an Manns schöner Sprache und seiner feinen Ironie, und die Geschichte der Familie Buddenbrook, ja eigentlich die Geschichte ihres Untergangs, liest sich überaus spannend.

Im Jahre 2004 ist es genau 50 Jahre her, dass ein weiteres bekanntes Werk Manns veröffentlicht wurde, nämlich der »Felix Krull« oder »Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull«, wie das Buch mit vollem Titel lautet. Aus diesem Anlass erschien im Fischer Verlag eine Reprintausgabe für günstige 15 Euro. In gewisser Weise gestalterisch bemerkenswert ist auch der Schutzumschlag. Man sieht daran sehr schön, dass man da ein halbes Jahrhundert später durchaus ein etwas anderes ästhetisches Empfinden hat. Damals war der Schutzumschlag noch mehr das, was sein Name besagt: nicht selten warf man ihn nach dem Kauf weg. Der eigentliche Buchumschlag war dafür repräsentativ in Leinen gebunden und mit Goldprägung versehen. Heutige Bücher besitzen meist einen Kartonumschlag. So ändern sich die Zeiten. Umso schöner, dass der Fischer Verlag bei diesem Reprint auch auf Leinenbindung und Goldprägung nicht verzichtet hat. Nur die Fadenheftung wich der Klebebindung. Aber welcher Leser achtet heute noch auf solche Ausstattungsdetails?

Auf jeden Fall wanderte aufgrund der guten Erfahrung mit den Buddenbrooks aus gegebenem Anlass Felix Krull ins Reisegepäck. Ich gebe zu, dass ich dieses Werk nicht ganz ohne Grund erst am Ende des Urlaubs gelesen habe, als die andere Lektüre aufgebraucht war. Natürlich liest sich trotz allem ein Mann nicht mir der gleichen Leichtigkeit wie ein Regener. Man muss ich zunächst 20 bis 30 Seiten einlesen, um den Mann-Duktus wieder intus zu haben. Und es ist ein Buch, das natürlich gut im Urlaub zu lesen ist, denn man muss sich Zeit dafür nehmen. Denn Felix Krull las ich nicht mit ganz so großer Begeisterung wie die Buddenbrooks. Dies lag sicherlich daran, dass hier aus der Ich-Perspektive geschrieben wird und Felix Krull nicht diese Ironie hat wie der auktoriale Erzähler der Buddenbrooks. Und der zweite Grund liegt einfach und direkt ausgedrückt darin, dass dieser Herr Krull jr. nun mal wirklich ein abartiger Schleimer ist, ein sich anbiederndes – ja, sagen wir es ruhig offen: – Arschloch, das sich freilich – unterstützt durch einige günstige Zufälle – sehr gut durchs Leben schlägt, um so in die wohl geborenen Kreise zu gelangen. Und die Schilderungen dieser Gespräche und Umgangsformen macht das Buch durchaus wieder interessant, sind sie doch weit von den heutigen entfernt. Letztendlich war es aber die reichlich zur Verfügung stehende Lesezeit im Urlaub und die nicht wirklich vorhandene literarische Alternative (»Jane Eyre« im englischen Original war es nicht), die mich bis zum Ende des Buches brachte, ansonsten hätte ich es sicherlich schon vorher weggelegt. Obgleich: als nur noch gute zehn Seiten übrig blieben, wurde ich doch etwas unruhig. Eigentlich war man ja noch mitten in der Geschichte, wie sollte es dann so plötzlich zu Ende gehen? Was ich nicht wusste und erst zu Hause nachlesen musste: Thomas Mann hat den Felix Krull nie fertig gestellt, der Roman blieb ein Fragment. Bereits 1920 hatte er die Arbeit an diesem Roman begonnen und sie 1954 fortgeführt, aber leider nicht mehr beenden können.

Brian Lumley: Necroscope »Vampirblut« (Hörbuch)

CD-Hülle: Brian Lumley: Necroscope »Vampirblut«

Sieben CDs umfasst der zweite Teil des Hörbuchs »Necroscope«. Er trägt den Titel »Vampierblut«. In gedruckter Form umfasst die Vampir-Saga des Engländers Brian Lumley bereits über 20 Bände. Was dort noch so alles passiert, kann ich nicht sagen, denn ich kenne nur die beiden ersten Hörbuchfolgen. Den ersten Teil »Das Erwachen« hatte ich seinerzeit gekauft, um ein Hörbuch mit dem Sprecher Joachim Kerzel hören zu können. Da Kerzel überwiegend Grusel- und Horrorproduktionen spricht, war das Thema somit fast vorgegeben. Das Label LPL-Records kannte ich damals nicht. Schnell hatte ich mich in den Text hineingehört, der von Kerzel großartig vorgetragen wird und der zugegeben nichts für schwache Gemüter ist.

Es ist eine durchaus interessante Welt, in der die Geschichten von Lumley spielen, die Welt der Geheimdienstkreise Russlands und Englands in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Geheimdienste verlassen sich in der Zeit des kalten Krieges nicht nur auf konventionelle Waffen und Spionagemethoden, sondern setzen in speziellen Abteilungen auch Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten ein, um U-Boote im Mittelmeer zu orten oder auf Diplomaten-Empfängen nicht ausgesprochene Gedanken zu lesen.

Und auch andere Kräfte werden beschworen. Dragosani, Mitarbeiter beim russischen Geheimdienst, versucht, einem in der Erde gefangenen Vampir wieder neue Kraft zu geben, um mithilfe der vampirischen Fähigkeiten, seine Macht auszubauen, und selbst an die Spitze der Abteilung für übernatürliche Kräfte zu gelangen. Dragosani selbst ist ein Necromant, der aus den Gedärmen, aus dem Blut und aus den Knochen der Toten ihre Geheimnisse lesen kann. Sein Gegenspieler, so viel ist nach dem ersten Band klar, wird der junge Engländer Harry Keogh werden. Keogh ist ein Necroskop, ein Totenhorcher, der mit den Geistern Verstorbener sprechen kann. Was aufgrund dieser Sätze vielleicht wie billigster Horror-Trash klingen mag, ist es mitnichten. Lumley versteht es auch sprachlich sehr gut, diese Dinge mit der Gegenwart zu verbinden, und ihm gelingt es, den abgegriffenen Vampirgeschichten durchaus ganz neue Aspekte hinzuzufügen.

Zunächst war es aber eine Enttäuschung zu erfahren, dass der zweite Teil nicht mehr von Joachim Kerzel gelesen wird. Terminliche und persönliche Gründe waren der Grund (siehe auch unser Interview mit dem LPL-Verleger Lars Peter Lueg). Kerzel selbst aber hat seinen Nachfolger empfohlen: Helmut Krauss. Seine Stimme ist nicht ganz so in den Medien präsent wie die Kerzels, aber schon nach wenigen Minuten merkt man: es funktioniert, der Sprecherwechsel schadet dem Werk nicht. Krauss liest den Text etwas reduzierter, aber dennoch sehr intensiv. Lediglich Kerzels charakteristischen »Dragosani!«-Ruf des erwachenden Vampirs vermisst man.

Mit dem nun als Hörbuch erschienenen zweiten Teil, ist – trotz der zahlreichen weiteren Buchbände – eine gewisse Abgeschlossenheit der Geschichte erreicht, die am Ende eine interessante Überraschung bereit hält. Auch dieser Teil ist wieder eine sehr hochwertige Hörbuchproduktion, doch bleibt sie ohne den ersten Teil »Das Erwachen« unverständlich.

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