StartseiteBuchkritiken und TippsSiri Hustvedt: »Ghost Stories« und »Dance around the self« in der Doppelkritik

Siri Hustvedt: »Ghost Stories« und »Dance around the self« in der Doppelkritik

Buch »Ghost Stories« von Siri Hustvedt – Trauer um Paul Auster
Buch »Ghost Stories« von Siri Hustvedt – Trauer um Paul Auster

Siri Hustvedt und Paul Auster waren 43 Jahre verheiratet. Auster starb am 30. April 2024. Die Trauer um ihren »Lebensmensch« hat Hustvedt im Buch »Ghost Stories« verarbeitet. Nahezu zeitgleich kommt im Frühjahr 2026 der Dokumentarfilm »Dance around the self« über Siri Hustvedt in die Kinos. Ein Blick auf beide Werke.

Der Film »Dance around the self«

Das Projekt der deutschen Regisseurin Sabine Lidl sollte ein filmisches Doppelporträt werden. Im Jahre 2019 stand der US-amerikanische Schriftsteller Paul Auster mit seinem Leben und seinem Schreiben im Zentrum ihres Dokumentarfilms »Was wäre wenn«.

In einer Art Spiegelfilm sollte dann in einer weiteren Doku der Blick auf die Schriftstellerin Siri Hustvedt gerichtet werden. Unter dem Titel »Dance around the self« kommt dieser Film im April 2026 in die deutschen Programmkinos.

Paul Auster liebte den Zufall, sodass man geneigt ist zu schreiben: Während der Dreharbeiten zur zweiten Doku starb zufälligerweise Paul Auster, und neben dem Leben Hustvedts nimmt im Film die Trauer um den Ehemann Raum ein.

Denn am Anfang des Films ist Auster noch da, blättert er mit Hustvedt in Erinnerungsalben oder gibt Kommentare zum gemeinsamen Leben im Brooklyner Wohnhaus. Da ist Auster bereits von seiner Krebserkrankung gezeichnet. Später im Film fehlt er, und Hustvedt berichtet von ihrem Leben ohne ihn oder von der Gedenkfeier für Paul Auster.

Sabine Lidl hält sich diskret zurück, denn es ist ein Film über Siri Hustvedt, über Leben und ihre Arbeiten, die sich nicht nur auf das Schreiben, sondern auch auf das Zeichnen konzentrierten. So mag man zunächst überrascht sein, warum im Film plötzlich Zeichentrickfiguren auftauchen, bis man sich dessen bewusst wird, dass sie tatsächlich von Hustvedt gezeichnet sind.

In »Dance around the self« geht es auch um die emanzipierten und in ihrer Zeit oft exaltierten Frauen, die Hustvedts Vorbilder sind, wie beispielsweise Louise Bourgeois oder Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven.

Zu Hustvedts Leben gehört jetzt auch die Trauer um ihren geliebten Ehemann, doch im Zentrum des Films stehen sie und ihr Leben. Allerdings sieht sie sich jetzt ein wenig wie der Protagonist in Paul Austers letztem Roman. »I am Baumgartner«, sagt Hustvedt.

Siri Hustvedt – Dance Around the Self. Deutschland/Schweiz 2025. Mit Siri Hustvedt, Paul Auster, Sophie Auster, Wim Wenders, Katerina Fotopoulou, Liv Hustvedt, Asti Hustvedt, Ingy Hustvedt u. a. Buch und Regie: Sabine Lidl. Kamera: Filip Zumbrunn, Meret Madörin, Sabine Lidl. Schnitt: Maxine Goedicke. Musik: Balz Bachmann. Eine Produktion der Medea Film Factory (Irene Höfer, Andreas Schroth) in Koproduktion mit Dschoint Ventschr Filmproduktion (Karin Koch). Laufzeit: 110 Min. FSK: 12. Kinostart: 2. April 2026.

Das Buch »Ghost Stories«

In ihrem Buch »Ghost Stories« findet sich diese Beobachtung nicht. »Ghost Stories« ist nicht das Buch zum Film und nicht der Film zum Buch ist. Beides existiert parallel.

Buch »Ghost Stories« von Siri Hustvedt – Trauer um Paul Auster
Buch »Ghost Stories« von Siri Hustvedt – Trauer um Paul Auster

»Ghost Stories« ist der Trauer um den geliebten Ehemann Paul gewidmet. Siri und Paul, sie waren das intellektuelle, schöne Traumpaar New Yorks. Das Buch beginnt nach dem Tod Austers und endet ein gutes Jahr danach. Hustvedt schreibt über ihre Trauer. Es beginnt mit Dingen, die wir eigentlich gar nicht wissen wollen. Mit Hustvedt durchwühlen wir zunächst private Schubladen und erfahren, welche Medikamente Auster nehmen musste und welche Unterhosenfarbe er nicht mochte. In die tagebuchartigen Textpassagen der trauernden Hustvedt mischen sich weitere tagebuchartige Textpassagen wie die Rundmails an Freunde und Familie, die Hustvedt aus »Krebsland« schickte und in denen sie über Pauls Zustand informierte. Wir bekommen die ersten Liebesbriefe zu lesen, die sich Paul und Siri am Anfang ihrer Beziehung schrieben, und dann sind da noch die Briefe ins Buch eingewebt, die Paul Auster an seinen kleinen Enkel schrieb, dass er sie dereinst lesen soll und die wir nun auch lesen dürfen oder müssen. Paul habe sie nicht nur für sich geschrieben, aber so richtig klar sagt Hustvedt nicht, ob sie wirklich für die breite Öffentlichkeit bestimmt sein sollten. Und wieder einmal ist es leicht befremdlich, wenn in diesen Briefen Paul Auster seinem Enkel Details aus dem Leben von Siri Hustvedt beschreibt, bei denen er zum Teil gar nicht dabei gewesen sein kann. Ein Dance im Dance around themself.

Zu oft fühlt man sich als unfreiwilliger Beobachter von Dingen, die man gar nicht sehen oder wissen will. Interessant sind die Passagen, in denen Hustvedt über die mediale Außenwahrnehmung des Künstlerehepaares schreibt und wie sie der von ihr und Paul empfundenen Innenwahrnehmung nur selten entsprach. Ebenfalls interessant für Auster-Fans dürften Hustvedts immer wieder eingestreute Informationen sein, welche realen Ereignisse oder Personen Paul Auster zu den Geschichten und Figuren seiner Romane inspiriert haben.

Dort, wo der Film diskret zurückhaltend ist, hält Hustvedt im Buch selbst voll drauf. Nicht immer tut Hustvedt sich und Paul Auster einen Gefallen, wenn sie allzu Privates preisgibt. Zugleich ist es die buchgewordene Selbstüberhöhung einer 43-jährigen Ehe.

Siri Hustvedt; Uli Aumüller (Übersetzung); Grete Osterwald (Übersetzung): Ghost Stories: Ein Buch der Erinnerung. Gebundene Ausgabe. 2026. Rowohlt Hardcover. ISBN/EAN: 9783498007881. 25,00 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
Siri Hustvedt; Uli Aumüller (Übersetzung); Grete Osterwald (Übersetzung): Ghost Stories. Kindle Ausgabe. 2026. Rowohlt E-Book. 21,99 €  » Herunterladen bei amazon.de Anzeige

Wolfgang Tischer

Wir verlosen dreimal »Ghost Stories« von Siri Hustvedt

Wir verlosen dreimal »Ghost Stories« von Siri Hustvedt mit je zwei Kinotickets
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Zum Kinostart von Siri Hustvedt: Dance around the self am 2. April 2026 verlosen wir drei Gewinnpakete (je 2 Kinotickets und das Buch »Ghost Stories: Ein Buch der Erinnerung« von Siri Hustvedt) (Rowohlt Verlag).

Einsendeschluss ist der 8. April 2026. Bitte geben Sie unten Ihre Daten ein und beantworten Sie ganz spontan die Frage: Siri Hustvedt tanzt um sich selbst herum – welchen Tanz würden Sie als Metapher für Ihr Leben wählen und warum? Ihre Adressdaten werden von uns nicht an Dritte weitergegeben. Lediglich die Gewinneradressen werden zum Versand der Gewinne an Dritte übermittelt. Die Antwort auf die Frage hat keinen Einfluss auf die Gewinnchance. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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