StartseiteLiterarisches LebenPhantorion Verlag am Ende: Wo ist das New-Adult-Magazin »Bookframe«?

Phantorion Verlag am Ende: Wo ist das New-Adult-Magazin »Bookframe«?

Screenshot der mittlerweile gelöschten Website des Phantorion Verlags
Screenshot der mittlerweile gelöschten Website des Phantorion Verlags

Mit viel Tamtam kündigte der Phantorion Verlag über 100 Bücher im Segment New Adult und Romantasy an. Geplant war auch das Magazin »Bookframe«, das dem Genre eine Stimme geben sollte. Doch über Nacht stellte der Verlag seine Tätigkeiten ein, Website und Instagram-Account sind gelöscht, Autorinnen irritiert. Der Geschäftsführer agierte so offenbar nicht zum ersten Mal.

»Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, schließt der Phantorion Verlag zum 31.03.2026 seine Türen«, schreibt die Autorin Birgit Pirker auf Instagram. Ihr Buch »Wahre Liebe findet ihren Weg« war bei diesem Verlag erschienen. Nun müsse sie prüfen, ob und wie sie es »in der bisherigen Form neu veröffentlichen« könne. Ein weiterer Roman, »True Love«, solle nun im Selfpublishing erscheinen. »Ein Traum ist geplatzt«, schreibt sie. Sie ist nicht die einzige.

In den Kommentaren berichten andere Autorinnen von ähnlichen Erfahrungen. Mehrfach ist von ausbleibenden Antworten auf E-Mails an den Verlag die Rede. Eine Nutzerin schreibt: »Sie haben alles ganz normal weiterlaufen lassen, so als ob nichts wäre, nur um dann plötzlich alles zu löschen.«

Der Phantorion Verlag war erst 2024 gegründet worden und hatte für 2026 fast 100 Novitäten angekündigt. Dark Romance, Fantasy, Science-Fiction, Romance. Mit Farbschnitten, Sammlereditionen. Es gab Sublabels wie »Darkverse« und »Futureverse«. Eine Produktion in diesem Umfang erfordert erhebliche finanzielle Ressourcen. Eine Woche vor der Leipziger Buchmesse schaltete der Verlag noch ein bezahltes Advertorial im Börsenblatt, in dem eine »Vice President Publishing Fiction« die Verlagsstrategie erläuterte.

Bookframe: Wo ist das New-Adult-Magazin?

Parallel zum Verlag hatte die WB Media & Commerce GmbH aus Ludwigswinkel das Magazin »Bookframe« vorgestellt. Ende Januar kündigte die Firma in einer Pressemeldung ein gedrucktes Buchmagazin für Genre-Literatur an. Bookframe sollte am 19. März zur Leipziger Buchmesse starten. Es sollte danach zweimonatlich gedruckt erscheinen, mit 100 Seiten, für 70 Euro im Jahr inkl. Zugang zur Online-Community, zum Start auf 50 Euro reduziert.

Chefredakteurin Jana Finze versprach in der Pressemeldung »fundierte Kritik«, »investigative Beiträge« und »keine Werbeplätze für Verlage«. Man sei »keine Plakatwand«. Die Pressemeldung sprach von »systematischer Unterschätzung« der Genre-Leserschaft durch das Feuilleton – eine These, die das literaturcafe.de damals kritisch kommentierte. Denis Schecks radikale Urteile über schlechte New-Adult-Titel dienten als Aufmacher und Aufreger.

Die Leipziger Buchmesse 2026 ist vorbei. Der Phantorion Verlag stellte dort noch aus und führte Lesungen durch. In der öffentlichen Berichterstattung taucht das Magazin jedoch nicht auf. Die Instagram-Seite @bookframe_magazine zeigte seit der Ankündigung Ende Januar/Ende Februar keine neuen Beiträge mehr. Am Messesonntag, 22.03.2026 war die Website noch online, allerdings war die gedruckte Version von Bookframe als »Nicht mehr verfügbar« markiert. Am Montag war dann die Website bookframe.de offline. Am Tag darauf war der Instagram-Accounts des Verlags @phantorion_books gelöscht.

Auf Anfrage des literaturcafe.de antwortete die WB Media & Commerce GmbH: »Das erste Magazin ist erschienen.« Beigefügt war eine EPUB-Datei mit 91 Seiten. Leider im sogenannten »fixed Layout«, sodass eine Lektüre auf Smartphones nahezu unmöglich ist, da sich die Schriften nicht vergrößern lassen. Wo und wie interessierte Leserinnen das Magazin nun beziehen können, teilte die Firma nicht mit. Die Website ist offline, im Handel ist das Magazin nicht gelistet. Gibt oder gab es jemals eine gedruckte Version? Keine Aussage. Zur Frage nach der Website heißt es nur: »Die Unannehmlichkeiten mit der Webseite bitten wir zu entschuldigen.«

Zum Phantorion Verlag hieß es, er sei »aus persönlichen Gründen in einer Übergabesituation«. Danach wurde den Autorinnen wohl das komplette Aus verkündet. Die Bestellungen, so ist es auf einer Hinweisseite zu lesen, werde man noch abwickeln.

Hinweis auf der ehemaligen Website des Verlags (Quelle: Screenshot)
Hinweis auf der ehemaligen Website des Verlags (Quelle: Screenshot)

Das Bookframe-E-Book trägt das Datum vom 19. März 2026. Im Impressum wird eine polnische Druckerei genannt. Ob dort je ein Exemplar gedruckt wurde, ist nicht bekannt. Die Chefredaktion hat gewechselt: Statt Jana Finze zeichnet nun Anna M. Dittus verantwortlich. Finze wird dennoch als »Verantwortlich im Sinne des Presserechts« geführt. Eine Erklärung für den Wechsel fehlt.

Kontroverse Thesen zur Literaturkritik

Der Inhalt des eBook-Magazins wirkt gestalterisch durchaus professionell. Die Titelgeschichte »Genre-Kritik mit Sch(r)eck: Wie das Feuilleton junge Leserinnen ausschließt« argumentiert allerdings wie erwartet zugespitzt und pauschal. Der Text argumentiert, Literaturkritik funktioniere als »Instanz« mit »Autorität« und »Deutungshoheit«. Der Artikel behauptet zudem, das Feuilleton entscheide als »Gatekeeper«, welche Bücher sichtbar werden. Das widerspricht den eigenen Zahlen im Text: Genre-Literatur dominiert den Markt längst ohne Feuilleton und ist alles andere als unsichtbar. Rebecca Yarros, Colleen Hoover, die BookTok-Welle – all das funktioniert unabhängig von klassischer Literaturkritik. Der Text ist damit weniger analytisch als zugespitzt argumentativ. Er ist – so scheint es – eher darauf angelegt, die Community für sich einzunehmen.

Laut Impressum stammen viele Bilder im Magazin von »Envato«, einer Stock-Foto-Plattform. Einige der Illustrationen wirken zudem wie von de KI generiert. Im E-Book wird bereits die Ausgabe 2/2026 für den 7. Mai angekündigt. Die Titelstory der zweiten Ausgabe: »Bücher im Wandel – Wenn Papier verschwindet und KI zu erzählen beginnt«. Ob es dazu kommen wird? Seitens der WB Media & Commerce GmbH heißt es mit gewohntem Wortgeklingel: »Dazu wurde den Labelleiterinnen (…) ein Übernahmeangebot gemacht, der diesen jungen, motivierten Damen einen sauberen Start und den Autor:innen eine kompetente Fortführung ihrer Projekte ermöglicht.«

Geschäftsführer mit Vorgeschichte

Geschäftsführer der WB Media & Commerce GmbH ist der 28-jährige Raphael Wagenblatt. Die Firma aus Ludwigswinkel ist nicht sein erstes unternehmerisches Projekt. Bereits zuvor hatte Wagenblatt mehrere Firmen gegründet, die laut Medienberichten insolvent gingen.

Im März 2025 verurteilte das Landgericht Zweibrücken Wagenblatt zu Zahlungen von bis zu 2,2 Millionen Euro, berichtet die Rheinpfalz. Der Insolvenzverwalter der Dara Event GmbH habe erfolgreich geklagt, da Wagenblatt den Insolvenzantrag für seine Firma zu spät gestellt haben soll. Dutzende Gläubiger würden seitdem auf ihr Geld warten.

Dara Event sei nicht Wagenblatts einzige gescheiterte Firma, schreibt die Zeitung. Auch die Stargate Agentur GmbH, die das Biosphärenhaus Fischbach betrieb, sei insolvent gegangen.

Firmen um Raphael Wagenblatt. Die grauen Symbole sind entweder in Liquidation oder bereits erloschen (Quelle: North Data)
Firmen um Raphael Wagenblatt. Die grauen Symbole sind entweder in Liquidation oder bereits erloschen (Quelle: North Data)

Im September 2023 soll Wagenblatt zudem in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt gewesen sein, bei dem zwei Menschen starben, berichtete die Rheinpfalz. Ein Ehepaar aus Baden-Württemberg sei ums Leben gekommen, als Wagenblatt laut Polizei auf der L487 zwischen Salzwoog und Ludwigswinkel mit seinem »hoch motorisierten Wagen« in den Gegenverkehr geraten sei. Staatsanwaltschaft und Polizei ermittelten. Öffentlich zugängliche Informationen über einen Abschluss des Verfahrens liegen nicht vor.

Raphael Wagenblatt kündigte vor kurzem auf Instagram in einem weiteren Imprint des Phantorion Verlags sein Buch »Mein Fehler – Über das Scheitern und Wiederaufstehen« an, in dem er seine Vergangenheit aufarbeiten wollte. Daraufhin hagelte es unter dem Beitrag negative Kommentare. Die Ankündigung wurde gelöscht.

Gescheiterte Firmen und offene Fragen. Bei Phantorion und Bookframe häufen sich die Fragezeichen ebenfalls.

Die hoffnungsvollen Autorinnen, die begeistert von ihrem Verlagsvertrag geschwärmt haben, müssen sich nun selbst darum kümmern, ob und wie es mit ihren Büchern weitergeht.

Wolfgang Tischer

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