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Beitrag vom 9. Dezember 2017 | Rubrik: Literarisches Leben

Literarisches Quartett: Christine, Volker, Thea und Thomas

Das Literarische Quartett vom 8. Dezember 2017 (Foto: ZDF)

Das Literarische Quartett vom 8. Dezember 2017 (Foto: ZDF)

Manchmal wünscht man sich, dass nicht irgend so ein Feuilleton-Fuzzi Gast im Literarischen Quartett ist, sondern jemand wie – sagen wir mal – Thomas Gottschalk. Und muss man immer über Walser reden? Warum nicht auch mal über Stephen King?

Das literarische Quartett vom 8. Dezember 2017 kam wieder spät im TV, um 23:35 Uhr. Gast war diesmal Thomas Gottschalk, und gesprochen wurde über das neue Buch von Stephen King. Geht doch!

»Wir sind hier eine literarische Siez-Sendung«, stellte Volker Weidermann am Beginn fest. Spätestens wenn die Kameras eingeschaltet sind, wechselt das Quartett für den Fernsehzuschauer zum Sie, und alles wird förmlicher. Doch da Thomas Gottschalk als notorischer Duzer gilt, wechselte diesmal die ganze Runde vom Sie zum Du. »Wir Literaten sollten uns alle duzen«, fand Gottschalk. Und 2.500 Seiten am Stück, wie zur Vorbereitung auf diese Sendung, habe er sein Lebtag noch nicht gelesen. Allein das aktuelle Buch von Stephen und Owen King hat in der deutschen Übersetzung fast 1.000 Seiten.

Doch es war nicht Gottschalk, der die King-Kooperation für die Sendung vorgeschlagen hat. Erstaunlicherweise war es Thea Dorn, während Gottschalk den neuesten Roman von Peter Handke »Die Obstdiebin« vorstellte. Zwar geriet seine Inhaltsangabe etwas ausufernd, doch für Gottschalk war der Roman ein Werk der Entschleunigung. Amüsant waren die Einwürfe von Frau Westermann, die sich über Handkes gezwirbelte Sprache lustig machte. Doch da Handke auch Jerry Cotton und Herman’s Hermits erwähnt, sei er für Gottschalk »ein Mensch, der da schreibt«.

Gottschalk hielt sich in der Runde angenehm zurück, hechtete nicht Pointen hinterher oder kokettierte zu sehr mit seinem Nicht-Literatentum. Er war für die Runde ein ebenbürtiger Gesprächspartner. Und er traute sich sogar, einige Sätze von Joachim Meyerhoff vom iPhone abzulesen. Das sollte in der heutigen Zeit eigentlich normal sein, rief aber zunächst leicht Irritationen hervor.

Genauso war es wunderbar unprätentiös, wie das Quartett über die Bestsellerautoren Stephen King und Joachim Meyerhoff sprach. Sie wurden beide ernst genommen. King wurde gelobt, und dennoch wurde herausgearbeitet, dass die Kooperation mit seinem Sohn Owen mit »Sleeping Beauties« nicht unbedingt das stärkste King-Werk hervorbrachte.

Tatsächlich ergänzte sich das Quartett diesmal sehr gut: Selbst wenn die Meinungen widersprüchlich waren, wurde immer über das Buch und nicht gegen die Gesprächspartnerin oder den Gesprächspartner geredet. Vielleicht führte das natürliche Du zu einer angenehmeren Gesprächsatmosphäre. Es gab kein aufgesetztes Sie und auch keine aufgesetzten Streitereien. Besonders bei Diskussionsleiter Volker Weidermann hatte man in den vergangenen Sendungen immer das Gefühl, er müsse einen strengeren Ton in die Runde bringen. Muss er nicht, wie diese Ausgabe des Quartetts zeigte.

Wolfgang Tischer

Link ins Web:

Die in der Sendung vom 08.12.2017 besprochenen Bücher:

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