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Kein klassischer Psychothriller: »Wo der Wolf lauert« von Ayelet Gundar-Goshen

»Wo der Wolf lauert« von Ayelet Gundar-Goshen

Wie reagiert eine Mutter, deren 16-Jähriger Sohn verdächtigt wird, in einen Mordfall verwickelt zu sein? Mit »Wo der Wolf lauert« ist der israelischen Autorin Ayelet Gundar-Goshen ein scharfsinniger und spannender Psychothriller gelungen, der gleichzeitig ein Familien- und Gesellschaftsroman ist.

Ayelet Gundar-Goshen holt Leserinnen und Leser beim ersten Satz ab, nimmt sie mit auf eine packende Reise und lädt sie erst beim letzten Satz wieder aus.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Lilach Schuster, die sich als »eine typische Silicon-Valley-Ehefrau« beschreibt. Vor der Geburt ihres Sohnes Adam wanderte Lilach mit ihrem Ehemann Michael von Israel in die Vereinigten Staaten nach Palo Alto aus. Der Sohn ist mittlerweile 16 Jahre alt.

Als ein Mitschüler auf einer Party, auf der auch Adam anwesend ist, zusammenbricht und stirbt, gerät der Kosmos der Familie Schuster ins Wanken. Hat Adam etwas mit dem Tod seines Mitschülers zu tun? In welcher Beziehung standen sie zueinander?

Die verängstigte und verzweifelte Mutter weiß nicht, was in ihrem Sohn vorgeht und erhält von ihm keine Antworten auf ihre vielen offenen Fragen.

Die größte Stärke der Autorin liegt in der feinsinnigen Beschreibung zwischenmenschlicher Beziehungen und der Sorgen und Reaktionen einer machtlosen Mutter. Ihr Studium und Beruf als Psychologin mögen Ayelet Gundar-Goshen hierbei helfen.

Doch darf das Buch nicht auf einen psychologischen Thriller reduziert werden. Es ist ein Familien- und Gesellschaftsroman, in dem es um Emigration und Integration geht. Nicht verwunderlich, dass der englische Titel »Relocation« lautet, was so viel wie Umzug oder Standortwechsel bedeutet. Ruth Achlama hat ihn aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt. Rassismus und Gewalt in der amerikanischen Gesellschaft sind ebenso Thema.

Die Autorin arbeitet den Plot durchdacht aus und baut bis zum Schluss überraschende Wendungen ein.

Es wird nicht in die Guten und die Bösen unterteilt – alle Figuren sind zugleich Täter und Opfer der Umstände. Der Wolf lauert praktisch überall.

Am Ende des Romans wird einiges, jedoch nicht alles aufgelöst.

Ayelet Gundar-Goshens beweist auch sprachlich ihr Können. Sie kreiert lebendige Bilder und Stimmungen. Die mit originellen Vergleichen und Metaphern gespickte Sprache ist bisweilen literarisch, ohne schwer zu wirken und den Thriller-Lesefluss zu stoppen.

Die 1982 in Israel geborene Ayelet Gundar-Goshen gilt als zeitgenössisches literarisches Talent. Für ihre bisherigen Romane, Kurzgeschichten, Drehbücher und Kurzfilme erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen.

Mit ihrem vierten Roman ist Ayelet Gundar-Goshen ein scharfsinniger und spannender Psychothriller gelungen, der gleichzeitig ein Familien- und Gesellschaftsroman ist. Wer die Autorin nicht kennt, kann mit »Wo der Wolf lauert« eine literarische Entdeckung machen.

Juliane Hartmann

Ayelet Gundar-Goshen; Ruth Achlama (Übersetzung): Wo der Wolf lauert. Gebundene Ausgabe. 2021. Kein & Aber. ISBN/EAN: 9783036958491. 26,00 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
Ayelet Gundar-Goshen; Ruth Achlama (Übersetzung): Wo der Wolf lauert. Kindle Ausgabe. 2021. Kein und Aber (Bücher+Tonträger), Zürich. 19,99 €  » Herunterladen bei amazon.de Anzeige

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