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Startseite Literarisches Leben Josef Reding (1929–2020): Ein fragmentarischer Nachruf

Josef Reding (1929–2020): Ein fragmentarischer Nachruf

Josef Reding (Quelle: YouTube/ Karl-Heinz Gajewsky)
Josef Reding im Jahre 2014 (Quelle: YouTube/ Karl-Heinz Gajewsky)

Josef Reding ist tot. Der Schriftsteller starb im Alter von 90 Jahren. Viel weiß ich nicht über ihn. Und dennoch war er der erste Autor, dem ich bewusst begegnet bin. Ein fragmentarischer Nachruf.

Neulich traf ich wieder einmal meinen Deutschlehrer von damals. Wir redeten in gewisser Weise auch über unsere gemeinsame Schulzeit, und wir redeten über Josef Reding. In meiner Erinnerung ist er der erste Buchautor, dem ich damals als Schüler bewusst begegnet bin. Das muss so um das Jahr 1980 gewesen sein. Josef Reding war zu einer Lesung an unsere Schule gekommen. In meiner Erinnerung sehe ich uns Schüler in einem der Klassenzimmer alle in einem Stuhlkreis sitzen und Josef Reding las aus seinen Kurzgeschichten. In den Schulstunden davor hatten wir einige seiner Werke gelesen und analysiert. »Schonzeit für Pappkameraden« lautet der Titel eines seiner Bücher und »Nennt mich nicht Nigger«.

Damals googelte ich und musste feststellen, dass Reding noch lebt und über 90 ist. Nun ist Josef Reding tot. »Er starb in der Nacht auf den 10. Januar 2020. Er sei friedlich eingeschlafen, berichtet seine Familie, vorangegangen waren einige Krankenhausaufenthalte«, berichtet wiederum der WDR.

Ich erinnere mich dunkel an die Geschichte »Neben dem blauen Seepferdchen«, in der ein Junge im Schwimmbad ein hübsches Mädchen beeindrucken möchte, das am Rande des Beckens neben Kacheln mit einem Seepferdchen-Motiv sitzt. Doch er kann noch so gewagte Sprünge machen, sie scheinen das Mädchen nicht zu beeindrucken. Später muss er erfahren, dass sie blind ist.

Wenn ich heute über diesen Plot nachdenke, dann klingt das ein wenig wie ein Gag von Mr. Bean.

Doch die Kurzgeschichten von Josef Reding waren meist melancholisch, traurig. Geschichten über Außenseiter.

In der Wikipedia lese ich, dass Josef Reding in den 1950er Jahren mithilfe eines Stipendiums auch in den USA studierte. Als Erzähler wurde er von der amerikanischen Short Story beeinflusst und »er knüpfte Kontakte zur beginnenden Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King«.

Ich selbst habe damals alle Bücher Redings ausgeliehen und gelesen, die in der Stadtbibliothek zu finden waren. Es war ungeheuer beeindruckend, dass ein Mensch zu uns an die Schule kam, dessen Bücher und Geschichten wir zuvor gelesen hatten.

Warum eigentlich Josef Reding? Ich weiß es nicht. Reding lebte in Dortmund, meine Schule war in Baden-Württemberg. Sind es nicht vorwiegend die Autoren aus dem eigenen Bundesland, die über entsprechende Förderprogramme an die Schulen geschickt werden?

Ich lese weiter in der Wikipedia, dass Reding MItglied im VS und PEN war, dass er u. a. den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis bekommen hat und Stipendiat in der Villa Massimo war.

Die meisten Bücher Redings gibt es heute nur noch antiquarisch. Den Georg Bitter Verlag, in dem damals seine Bücher erschienen sind, gibt es nicht mehr.

Auf den früheren Fotos, die nun bei den Meldungen zu seinem Tod zu finden sind, sieht man Reding mit Pfeife posieren. So sahen Schriftsteller eben damals aus. Auf YouTube finde ich ein Interview mit ihm aus dem Jahre 2014.

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Josef Reding (1929–2020): Ein fragmentarischer Nachruf

Josef Reding ist tot. Der Schriftsteller starb im Alter von 90 Jahren. Viel weiß ich nicht über ihn. Und dennoch war er der erste Autor, dem ich bewusst begegnet bin. Ein fragmentarischer Nachruf. Neulich traf ich wieder einmal meinen Deutschlehrer von damals. Wir redeten in gewisser Weise auch über

Die ZEIT schreibt, Reding sein »einer der bekanntesten Autoren der Nachkriegszeit« gewesen. Und weiter: »In seinen Kurzgeschichten setzte er sich mit sozialen Problemen, Gewalt, Rassismus und Völkerverständigung auseinander.«

Ich werde demnächst wieder einmal Reding lesen. Mein Deutschlehrer hat sicher noch Bücher von ihm. Wenn ich ihn demnächst mal wieder sehe, werde ich ihn danach fragen.

Wolfgang Tischer

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