
Am 8. September 2026 gab die Jury zum Deutschen Buchpreis die Shortlist bekannt. Von den zwanzig Titeln der Longlist sind noch sechs im Rennen um den Roman des Jahres, den die Jury am 5. Oktober 2026 im Kaisersaal des Frankfurter Römers verkündet. Wer ist noch im Rennen? Wer ist nicht mehr dabei?
Diese sechs Romane sind noch im Rennen
Fünf Autorinnen und ein Autor haben es auf die Shortlist geschafft: Shida Bazyar mit »Die Lücken« (Kiepenheuer & Witsch), Franziska Gänsler mit »Orca« (Kein & Aber), Valeria Gordeev mit »Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle« (S. Fischer), Elias Hirschl mit »Schleifen« (Paul Zsolnay), Peggy Mädler mit »Selbstregulierung des Herzens« (Galiani Berlin) und Dana Vowinckel mit »Anton und Alma« (Suhrkamp).
Von den drei Autoren, die bereits in den Vorjahren auf einer Buchpreis-Longlist gestanden hatten, schaffte es nur Shida Bazyar weiter. Ingo Schulze und Heinz Strunk, beide Jahrgang 1962 und die ältesten Nominierten der Longlist, sind nicht dabei. Für Strunk war es bereits die dritte Longlist-Nominierung nach 2021 (»Es ist immer so schön mit dir«) und 2022 (»Ein Sommer in Niendorf«) – auf die Shortlist hat er es leider nie geschafft.
Unter den sechs Debütromanen der Longlist ist nur Valeria Gordeevs Roman auf der Shortlist vertreten.
Auch beim Geschlechterverhältnis hat sich die Auswahl gegenüber der Longlist noch einmal verschoben: Standen dort 13 Frauen 7 Männern gegenüber, sind es auf der Shortlist 5 Frauen und ein Mann.
Drei der sechs Titel erscheinen bei Imprints der Verlagsgruppe Holtzbrinck: Bazyars »Die Lücken« bei Kiepenheuer & Witsch, Gordeevs »Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle« bei S. Fischer und Mädlers »Selbstregulierung des Herzens« beim K&W-Imprint Galiani Berlin. Hirschls »Schleifen« kommt mit Paul Zsolnay aus der Hanser-Gruppe, Gänsler und Vowinckel erscheinen bei den unabhängigen Verlagen Kein & Aber und Suhrkamp.
Worum es in den sechs Büchern geht
Shida Bazyars »Die Lücken« erzählt über einen Zeitraum von rund hundert Jahren von jüdischen Familien, von NS-Profiteuren und von kurdischen und iranischen Geflüchteten in einem fiktiven Ort im Hunsrück.
Franziska Gänslers »Orca« beschreibt die Freundschaft zweier junger Frauen vor dem Hintergrund einer Generation, die seit den Corona-Jahren zunehmend über Messenger und soziale Medien statt im direkten Miteinander kommuniziert, und verknüpft das mit einem Radikalisierungsverlauf.
Valeria Gordeevs »Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle« spielt in Deutschland, der Ukraine und Russland und folgt einem Geschwisterpaar im Krieg gegen ein autoritäres Regime.
Elias Hirschls »Schleifen« verhandelt in überdrehter, komischer Form eine fanatische Linguistin und eine sektenartige Sprachguerilla auf der Suche nach einer gerechten Sprache.
Peggy Mädlers »Selbstregulierung des Herzens« erzählt von leisen Dissidenten in der DDR und verbindet ihre Lebensgeschichten mit dem Feld der Kybernetik.
Dana Vowinckels »Anton und Alma« ist eine Liebesgeschichte zwischen einem jüdischen Studenten und einer nichtjüdischen Studentin, die in Berlin und New York spielt und nach dem 7. Oktober 2023 und dem Gaza-Krieg in einen familiären und universitären Konflikt mündet.
Jurysprecherin Cornelia Geißler nannte die Gegenwart in der Pressemitteilung einen »Nährboden für eine großartige Literatur« und beschrieb die sechs Romane als Bücher, die den Blick auf Vergangenes schärfen, von Sehnsucht, Freundschaft, Liebe und Gewalt erzählen und trotz aller Unsicherheit der Zeit sprachlichen Reichtum und Witz zeigten.
Die sechs Shortlist-Titel im Überblick
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| Autor:in | Titel | Verlag | Erscheinungstermin | Geburtsjahr |
|---|---|---|---|---|
| Shida Bazyar | Die Lücken | Kiepenheuer & Witsch | September 2026 | 1988 |
| Franziska Gänsler | Orca | Kein & Aber | August 2026 | 1987 |
| Valeria Gordeev | Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle | S. Fischer Verlag | August 2026 | 1986 |
| Elias Hirschl | Schleifen | Paul Zsolnay Verlag | Januar 2026 | 1994 |
| Peggy Mädler | Selbstregulierung des Herzens | Verlag Galiani Berlin | Februar 2026 | 1976 |
| Dana Vowinckel | Anton und Alma | Suhrkamp Verlag | September 2026 | 1996 |
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Am 5. Oktober 2026 wird bei der Zeremonie in der Woche der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers das Gewinnerbuch bekannt gegeben. Die Preisträgerin oder der Preisträger erhält 25.000 Euro, die fünf übrigen der Shortlist bekommen jeweils 2.500 Euro.
Wolfgang Tischer

