»Der Sprung« – Binge Reading mit Simone Lappert

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»Der Sprung« von Simone Lappert

Stilsicher und mit Leichtigkeit, aber auch mit hohem Personalaufwand lässt Simone Lappert eine Frau vom Dach springen. Erzählerisch ist der Roman »Der Sprung« wie eine Vorabendserie komponiert – und durchaus unterhaltsam.

Ein Straßenzug in einem Viertel der fiktiven Kleinstadt Thalbach, vermutlich nahe Freiburg, aber der Ort könnte auch überall in Deutschland, der Schweiz oder Österreich liegen. Jeder scheint hier jeden irgendwie zu kennen und scheint mit jedem irgendwie verbunden. Der Mann der einen ist der Liebhaber der anderen. Die Menschen sind verwandt, befreundet, kennen sich flüchtig oder arbeiten zusammen. Das Personal: die üblichen Seriencharaktere: die Café-Inhaberin, das Ehepaar mit dem kleinen Laden an der Ecke, der Obdachlose, die Politikerin, Junge und Alte, Frauen und Männer – und eine Schildkröte.

Die Kapitel sind kurz, sind personal jeweils aus der Perspektive einer der vielen Protagonisten erzählt, die Überschriften sind der Name desjenigen, aus dessen Sicht und Perspektive wir die Geschichte jeweils hören.

Eine Frau steht auf dem Dach eines Hauses. Warum steht sie dort? Will sie springen? Dass sie springt, scheint klar, das steht auf der ersten Seite von »Der Sprung«. Dann: Schnitt. Dann: Der Tag zuvor. Dann geht es los mit den einzelnen Geschichten derer, die sich räumlich und beziehungsmäßig um die Frau gruppieren, die da später an diesem Tag auf dem Dach stehen wird, die unten die Menschenmassen versammeln wird, von denen einige rufen werden: »Spring doch!«. Und RTL ist mit dabei.

»Der Sprung« ist wie eine Serie in Buchform und erzählerisch genau so konzipiert. Wir erfahren von den Menschen und ihren Beziehungen, und je länger wir zuschauen, desto mehr Hintergründe erfahren wir, desto mehr einzelne Geschichten innerhalb der Geschichten werden uns meist in Rückblenden präsentiert. Da sind viele Stereotype und kitschige Augenblicke dabei, doch die Schweizer Autorin Simone Lappert malt sie in ihrem zweiten Roman lebendig und bunt aus. Man spürt die Liebe der Autorin zu ihren Figuren, und keine davon ist tumb, dumm oder ahnungslos, was die Lektüre nie nervig werden lässt. Ein feiner kleiner Roman, den man am besten wie beim Binge Watching im Binge Reading in eineinhalb Tagen in Echtzeit wegliest.

Als Programmservice zur Lektüre wird hier das fehlende und wünschenswerte Personenregister als Abspann nachgeliefert:

  • Angelika, Schwester im Altenpflegeheim
  • Astrid Guhl, ältere Halbschwester von Manu, Politikerin, Bürgermeisterkandidatin
  • Bruno, Polizist, Kollege von Felix und Ablösung
  • Carola, Kollegin von Felix, Auszubildende
  • Cosima, Schildkröte von Edna
  • Edna, alte Frau
  • Egon Moosbach, Schlachtereiangestellter und Hutmacher, Besucher in Roswithas Café
  • Ernesto Valone, Modeschöpfer aus Mailand
  • Esther, Henrys ehemalige Freundin
  • Felix, Polizist, Freund von Monique
  • Finn Holzer, Freund von Manu, Fahrradkurier
  • Franz, Mann, der sich angeschossen hat
  • Hannes, Mann von Maren, begann mit 40 neues Leben, Affäre von Astrid
  • Hauptkommissar Blaser, Polizist und Einsatzleiter, Vorgesetzter von Felix
  • Helen, Polizistin, Kollegin von Felix
  • Helga, Mutter von Stefan, Schwiegermutter von Astrid
  • Henry, Obdachloser
  • Holger, Telefonzentrale der Fahrradkuriere
  • Iggy (Ignazius), Kinderfreund von Felix
  • Jaris, Barockmusiker, Verehrer von Maren
  • Leo, Jugendfreund von Finn, mit 15 an Krebs gestorben
  • Leslie Kühne, Vater von Manu
  • Lukas, Obdachloser
  • Magali Moosbach, Jägerin und Altenheimbewohnerin, Mutter von Egon, Bekannte von Edna
  • Manu(ela) Kühne, auch Nunu genannt, Störgärtnerin und Pflanzenbefreierin, Freundin von Finn, Halbschwester von Astrid
  • Maren Fritsche, dickliche Schneiderin, Frau von Hannes
  • Miranda, Freundin von Lukas
  • Monique, Freundin von Felix, schwanger
  • Mutter (ohne Name) von Winnie
  • Otto, Vorgänger von Holger in der Telefonzentrale
  • Roswitha, Café-Besitzerin
  • Salome, Mitschülerin von Winnie und Salome
  • Silas und Tom, Arbeitskollegen von Finn
  • Stefan, Mann von Astrid
  • Theres, Ladenbesitzerin und Ü-Ei-Sammlerin, Frau von Werner
  • Timo, Mitschüler von Winnie und Salome
  • Tommaso Rossi, Assistent von Ernesto
  • Walter, verstorbener Liebhaber von Egons Mutter Magali
  • Werner, Ladenbesitzer, Mann von Theres
  • Winnie, dickliche Schülerin, Mitschülerin von Timo und Salome

Simone Lappert: Der Sprung. Gebundene Ausgabe. 2019. Diogenes. ISBN/EAN: 9783257070743. EUR 22,00 » Bestellen bei amazon.de Anzeige
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