Behmels Bösewichter (3): Wo gehobelt wird

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Albrecht Behmel, Initiator des Samiel Awards
Albrecht Behmel (Foto: privat)

Der Große Böse Wolf, Mephistopheles, Dracula und die Panzerknacker – wer liebt sie nicht? Schurken sind ein zentraler Erfolgsfaktor in Geschichten, gleich ob es Märchen sind, Thriller oder Romanzen. In gewisser Weise brauchen sogar Sachbücher Antagonisten oder zumindest antagonistische Kräfte, denn wir Menschen sind von Konflikten, Siegen und Niederlagen fasziniert.

In dieser Kolumne zum Samiel-Award ergreife ich Partei für das Böse. Im dritten Teil geht es um Schurken als Massenware und den Begriff des Antagonisten.

Samiel Award 2013 - Bester AntagonistDer Samiel Award
ist ein Literaturpreis für Autoren, die herausragende Antagonisten erschaffen haben: Monster, Schurken, Fieslinge und Gegenspieler. Bis zum 1.12.2013 können Verlage und Autoren Ihre Charaktere für den Preis vorschlagen, der vor Weihnachten verliehen wird. Das literaturcafe.de unterstützt als Partner den Wettbewerb.

Albrecht Behmel ist der Initiator des Samiel Awards. In dieser Kolumne begibt er sich auf die Spur des Bösen.

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Da kommerzielle Bücher und Filme Massenware sind und den Geschmack der Mehrheit der Bevölkerung bedienen müssen, muss es nicht verwundern, wenn die Botschaft vieler Bestseller und Blockbuster die Befürchtungen und Vorurteile der Mehrheit bedient, wie zum Beispiel: »Geld ist böse«; »Wissenschaft ist gefährlich«, »sozialer Wandel ist schlecht« oder »gottlos zu leben ist Sünde«. Schurken und verrückte Weltveränderer wie Doktor No, Goldfinger, Senator Palpatine und Magneto sehen derlei mit vollkommen anderen Augen, denn sie streben danach, die Welt aktiv zu »optimieren«, wohl wissend, dass im Zuge dieser Veränderungen Menschen zu Opfern werden. Starke Schurken folgen der Devise »Wo gehobelt wird, da fallen Späne«, eine Sentenz, in der die Philosophin Hannah Arendt die Wurzel allen Terrorismus zu erkennen glaubte.

Der Begriff des »Gegenspielers« oder »Widersachers«, denn das ist die wörtliche Bedeutung des griechischen Wortes antagonistes bringt es mit sich, dass eine widersprüchliche Vielzahl von literarischen Typen geeignet ist, dieses Etikett zu tragen: Schurken, Monster und Ungeheuer, Außerirdische, in gewisser Weise auch Naturkatastrophen und Sagengestalten, aber auch Partner, Freunde und Verwandte können die zentrale Funktion des Antagonisten erfüllen, die darin besteht, oftmals einem Katalysator gleich, das Leben des Helden zu verändern und seine Geschichte in Gang zu setzen. Antagonisten sind Agenten, die eine Entwicklung in Gang setzen.

Katalysatoren beschleunigen oder vereinfachen chemische Vorgänge ohne sich selbst zu verändern. Mit Blick auf Geschichten bedeutet dies, dass Antagonisten nicht im Vordergrund der dramatischen Wandlung stehen, da die Geschichte nicht aus ihrer Perspektive erzählt wird.

Albrecht Behmel

1 COMMENT

  1. Naja, ich würde Goldfinger jetzt nicht als einen Weltverbesserer ansehen. Er wollte fremdes Gold radioaktiv verseuchen, damit seines im Wert steigt…

    Auch Palpatine will die Welt nicht verbessern, sondern will die Macht über sie (bzw. die Galaxis), als größter aller Sithlords.

    Erstaunlich aber (oder doch nicht), dass der vielschichtigste Bösewicht, der hier genannt wurde, einem Comic entstammt. Erik Magnus Lensherr alias Magneto, überlebte den Holocaust und wurde später zu einer Anführerfigur für Mutanten, wie auch sein einstiger Freund, Charles Xavier.
    Der Unterschied zwischen den beiden: Xavier strebt Frieden und Gleichberechtigung zwischen Menschen und Mutanten an, während Magneto den Hass und die Angst vieler Menschen gegenüber Mutanten nicht verzeihen kann. Er sieht den Mutanten als die nächste Stufe der Evolution, die den Menschen minderwertig, ja überflüssig macht.

    Daher macht es für ihn einen Unterschied, wer ein eventuelles Opfer wäre. Menschen wären ihm z.B. gleichgültig, aber auch mit seiner Ansicht nach “unbelehrbare” Mutanten geht er nicht zimperlich um (z.B. als er Wolverine in Fatal Attractions das Adamantium entzog, das dessen Skelett umgab).

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