Behmels Bösewichter (1): Die Wendung zum Guten

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Albrecht Behmel, Initiator des Samiel Awards
Albrecht Behmel (Foto: privat)

Der Große Böse Wolf, Mephistopheles, Dracula und die Panzerknacker – wer liebt sie nicht? Schurken sind ein zentraler Erfolgsfaktor in Geschichten, gleich ob es Märchen sind, Thriller oder Romanzen. In gewisser Weise brauchen sogar Sachbücher Antagonisten oder zumindest antagonistische Kräfte, denn wir Menschen sind von Konflikten, Siegen und Niederlagen fasziniert.

In dieser Kolumne zum Samiel-Award ergreife ich Partei für das Böse. Im ersten Teil geht es um langweilige Massenmörder und vielschichtige Schurken.

Samiel Award 2013 - Bester AntagonistDer Samiel Award
ist ein Literaturpreis für Autoren, die herausragende Antagonisten erschaffen haben: Monster, Schurken, Fieslinge und Gegenspieler. Bis zum 1.12.2013 können Verlage und Autoren Ihre Charaktere für den Preis vorschlagen, der vor Weihnachten verliehen wird. Das literaturcafe.de unterstützt als Partner den Wettbewerb.

Albrecht Behmel ist der Initiator des Samiel Awards. In dieser Kolumne begibt er sich auf die Spur des Bösen.

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Mich als Autor beschäftigen diese Figuren besonders, etwa bei der Entwicklung von Storylines für Computerspiele, denn die Qualität des Schurken ist ja immer ein Gradmesser für die Aufgaben, die sich dem Helden stellen. Je stärker der Fiesling, desto glorreicher der Held.

Deswegen bin ich kein so großer Freund von psychopathischen Massenmördern, so gruselig sie sein können. Mir sind Schurken lieber, die klare, rationale Ziele verfolgen, die innovativ sind und Visionen haben, mit denen man übereinstimmen kann oder auch nicht, wie etwa Goldfinger, der Gegenspieler des James Bond, der den internationalen Goldmark erschüttern wollte. Was für ein großartiger Plan! Oder Darth Vader, der die gesamte Galaxie neu ordnen wollte? Man kann ihm vieles vorwerfen, aber einfallslos war er nicht. Je länger ich mich mit dem Phänomen auseinandersetze, desto klarer wird dieses Bild: Gut geschriebene Antagonisten wechseln früher oder später in das Heldenfach über. Je mehr man über sie erfährt und je mehr man ihre Sicht der Dinge verstehen lernt, desto wahrscheinlicher wird es, dass sie früher oder später ihre eigene Show bekommen und, wie etwa der Terminator, schließlich auf der Seite der Guten stehen.

Albrecht Behmel

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