StartseiteLiterarisches LebenDas Literarische Quartett vom März 2026: Menasses Meinungsstarre

Das Literarische Quartett vom März 2026: Menasses Meinungsstarre

Das Literarische Quartett vom 13.03.2026 (von links): Simon Strauß, Eva Menasse, Adam Soboczynski und Thea Dorn (Foto: ZDF/Alexander Nowak)
Das Literarische Quartett vom 13.03.2026 (von links): Simon Strauß, Eva Menasse, Adam Soboczynski und Thea Dorn (Foto: ZDF/Alexander Nowak)

Die März-Sendung 2026 war eine problematische Ausgabe des Literarischen Quartetts, die der Literatur im Fernsehen keinen Dienst erwiesen hat. Es war die seltsam heterogene Buchauswahl, und es war das Rechthaben und Nicht-diskutieren-Wollen einer Teilnehmerin.

Was muss Literatur im Fernsehen wollen?

Etwas naiv mag man immer noch die Vorstellung haben, dass eine Literatursendung im Fernsehen Literatur vermitteln sollte, dass diese Sendung nicht als Service-Format die Zuschauer unterfordern, dass sie aber auf keinen Fall abschrecken sollte. Im besten Fall fördert sie Interesse und kritischen Blick auf Bücher, um zum eigenen Lesen und Urteil anzuregen.

Oder ist das eine naive Erwartung?

In guten Ausgaben des Literarischen Quartetts ist das durchaus gelungen, wie beispielsweise in der letzten. Aber allzu oft geht es schief.

Was wollte man mit der Sendung vom 13. März 2026 bei den Zuschauenden bewirken? Diese Frage ist natürlich rhetorisch gestellt, denn schließlich ist das Format eine Diskussion mit bestenfalls offenem Ausgang.

Eva Menasse wurde an dieser Stelle gerade nach ihren ersten Auftritten im Quartett für ihre Meinungsstärke und ihren präzisen Blick auf Details gelobt. Sagen was Sache ist, um ein berühmtes Zitat leicht abzuwandeln.

Wie eine beliebige Talkshow

Man mag es nicht aufs Älterwerden schieben, aber diese Meinungsstärke wird immer mehr zum Meinungsbeharren und zur Meinungsstarre. Und es wird in dieser Ausgabe noch getoppt, durch Menasses Buchauswahl, die merklich nicht vom literarischen Diskutierenwollen geprägt wirkt, sondern ein Buch mit einer politischen Aussage und Weltsicht muss als Verstärker der politischen Aussage und der eigenen Weltsicht herhalten. Und zum Ende der Runde sind wir nicht mehr im Literarischen Quartett, sondern in einer beliebigen politischen Talkshow.

Chapeau an den Gast Simon Strauß, der vehement Contra gab, nachdem Adam Soboczynskis freundlich vorgebrachte Kritik zunächst verhallte.

Wir sind aber weiterhin beim Literarischen Quartett, sodass wir über Bücher und nicht über Meta-Ebenen sprechen sollten oder über die Themen eines Buches, sondern wenn schon, dann darüber, wie das Buch die Themen verhandelt.

Man kann in einem Literarischen Quartett natürlich darüber diskutieren, ob und in welcher Form ein Buch Literatur ist. So gesehen ging die Auswahl von »Ghost Stories« fürs Quartett gerade noch in Ordnung. »Ghost Stories« ist kein Roman, auch kein reines Memoire, sondern im Kern ein bio- und autobiografisches Buch. Man kann darüber diskutieren, ob die realen Personen als Romanfiguren gesehen werden können. Und natürlich mag das Interesse bei den Zuschauern größer sein, wenn es um Siri Hustvedt und Paul Auster geht.

Bei Ben Shattucks war es die Kritik an der Editionspolitik des deutschen Verlags, die keinen Widerspruch erlaubte.

Schade war es bei all der Rechthaberei der einen Diskutierenden, dass das Lob für Lukas Rietzschels Roman fast unterging.

Der nochmalige Blick auf die letzte Ausgabe zeigt, dass es durchaus anders geht. Aber dann ist es die Voraussetzung, dass im Quartett Menschen sitzen, die sich in der Diskussion auch einmal zurücknehmen und die ihren Auftritt nicht zur bloßen Meinungsabsonderung nutzen.

Wolfgang Tischer

Link ins Web:

Die in der Sendung vom 13.03.2026 besprochenen Bücher:

  • Siri Hustvedt; Uli Aumüller (Übersetzung); Grete Osterwald (Übersetzung): Ghost Stories. Gebundene Ausgabe. 2026. Rowohlt Hardcover. ISBN/EAN: 9783498007881. 25,00 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
  • Ben Shattuck; Dirk van Gunsteren (Übersetzung): Eine Geschichte der Sehnsucht. Gebundene Ausgabe. 2026. Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG. ISBN/EAN: 9783446286504. 18,00 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
  • Lukas Rietzschel: Sanditz: Roman. Gebundene Ausgabe. 2026. dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. ISBN/EAN: 9783423285162. 26,00 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
  • Ece Temelkuran; Michaela Grabinger (Übersetzung): Nation of Strangers: Unsere Heimat sind wir. Gebundene Ausgabe. 2026. Rowohlt Hardcover. ISBN/EAN: 9783498007393. 25,00 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel

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