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Beitrag vom 29. Dezember 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

Jaan Kross ist tot

Bücher von Jaan KrossWie sein amerikanischer Kollege Philip Roth wurde auch der estnische Schriftsteller Jaan Kross immer wieder als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt. Man hatte ihm sogar schon den Anruf aus Schweden prophezeit. Doch er kam nie, und Kross wird ihn auch nicht mehr erleben, den er starb am vergangenen Donnerstag im Alter von 87 Jahren nach einer schweren Krankheit.

Kross’ hat sich oft den historischen Stoffen gewidmet und seine Protagonisten waren meist der realen Geschichte Estlands entnommen. Die Sprache Jan Kross’ ist präzise und detailreich und obwohl er damit seinen Figuren scheinbar sehr nahe kommt, bleibt ihr Innerstes doch dem Leser verborgen und unbegreiflich. Da ist beispielsweise der loyale Diplomat Friedrich Fromhold Martens (Professor Martens’ Abreise), der in seiner politischen Karriere alles erreicht hat und doch damit hadert, dass er mit den politischen nicht immer auch die menschlichen Ideale verfolgt hat. Oder Timotheus Eberhard von Bock, der der Verrückte des Zaren genannt wird, der in Verbannung und Haft leben muss, obwohl er nicht verrückt ist – und er dies später dann doch sogar selbst behauptet. Im geschichtlichen Stoff zeichnete Kross immer wieder Parallelen zu jüngsten Geschichte Estlands und Russlands. Doch als Leser muss man dies nicht wissen, um seine Romane zu lieben und einiges über die estnische Seele zu erfahren. Leider sind nur zwei seiner Bücher derzeit auf Deutsch lieferbar.

Jaan Kross: Wikmans Zöglinge: Roman. Gebundene Ausgabe. 2017. Osburg Verlag. ISBN/EAN: 9783955101299. EUR 24,00 » Bestellen bei Amazon.de

3 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Dr. Karl Friedrich S schrieb am 14. Januar 2008 um 11:08 Uhr

    Viele halten “Ausgrabungen” (Väljakaevamised) für sein bestes Werk; es wird leider garnicht genannt. Über Jaan Kross selbst, was er unter der deutschen und der sowjetischen Besatzung Estlands erlebte, wird nichts gesagt.
    Erschreckend ist der Satz “Doch als Leder muss man dies nicht wissen, um seine Romane zu lieben und einiges über die estnische Seele zu erfahren.” Was soll das? Redigiert niemand bei Ihnen die Texte, die Sie ins Netz stellen?
    Ich hätte gern einen würdigen Nachruf auf Jaan Kross gelesen.
    Dr. Karl Friedrich Schwartz

  2. F. Meyer schrieb am 3. April 2008 um 15:00 Uhr

    Ich bin auf der Suche nach der Lösung zu folgender Frage:

    In “Der Verrückte des Zaren” spricht Timo (der “Verrückte”) an verschiedenen Stellen von seiner “Ikvibis” und “Inkvibis”, z.B. Tagebucheintrag zum 13. April 1836.
    Kann mir jemand sagen, ob es sich hierbei um
    – Kunstwörter des Autoren
    – Kunstwörter der Übersetzerin
    oder sonst etwas handelt? Es hat offensichtlich etwas mit seiner (angeblichen) Krankheit zu tun, entweder sind es seine Verfolger, Halluzinationen die er sieht oder die Bezeichnung der Geisteskrankheit selbst.
    Weder das Internet noch meine Kontakte nach Estland konnten dies bis dato lösen.

  3. A.Gosewinkel schrieb am 8. Juli 2012 um 21:02 Uhr

    Würde mich ebenfalls über Aufklärung zu diesen Worten freuen!!

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