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Beitrag vom 3. April 2008 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps, Schreiben

Kurt Vonneguts hinterlistige Ratschläge für kreatives Schreiben

Kurt Vonnegut: Suche Traum, biete michDer im letzten Jahr verstorbene Kurt Vonnegut – vor allem bekannt durch seine Science-Fiction-Romane und -Erzählungen – hat auch einmal einen Kurs für kreatives Schreiben geleitet – und seine Regeln sind ganz schön hinterlistig! Gefunden haben wir sie in der Einleitung zu seiner Sammlung von Kurzgeschichten »Suche Traum, biete mich« (übersetzt von Harry Rowohlt). Diese Regeln – zu finden auf Seite 19 des Werkes – möchten wir Ihnen nicht vorenthalten:
  1. Gehen Sie mit der Zeit eines wildfremden Menschen so um, dass er nicht das Gefühl hat, die Zeit verplempert zu haben.
  2. Geben Sie dem Leser mindestens eine Figur, der er die Daumen drücken kann.
  3. Jede Figur sollte etwas wollen, und sei es nur ein Glas Wasser.
  4. Jeder Satz muss eins von zwei Dingen tun: Charaktereigenschaften enthüllen oder die Handlung vorantreiben.
  5. Fangen Sie so nah am Schluss an wie möglich.
  6. Seien Sie Sadist. Egal, wie süß und unschuldig Ihre Hauptpersonen sind – lassen Sie ihnen schreckliche Dinge zustoßen, damit der Leser sehen kann, wie sie beschaffen sind.
  7. Schreiben Sie so, dass es nur einem einzigen Menschen gefällt. Wenn Sie ein Fenster aufreißen und es mit der ganzen Welt treiben, sozusagen, zieht sich Ihre Geschichte eine Lungenentzündung zu.
  8. Geben Sie Ihrem Leser sobald wie möglich soviel Informationen wie möglich. Soll die Spannung doch sehen, wo sie bleibt. Die Leser sollten so umfassend darüber Bescheid wissen, was wo und warum vorgeht, dass sie die Geschichte selbst zu Ende führen könnten, falls Kakerlaken die letzten paar Seiten gefressen haben.

Alles klar? Wenn nicht, gibt es noch einen lapidaren Nachsatz:

Der Mensch, der in meiner Generation die besten amerikanischen Kurzgeschichten schrieb, war Flannery O’Connor (1925-1964). Sie hat praktisch bis auf die erste jede meiner Regeln verletzt. Große Schriftsteller neigen zu so was.

Daraus zu schließen, dass jeder, der diese Regeln verletzt, wohl ein großer Schriftsteller sein muss, wäre wohl trügerisch.

Kurt Vonnegut: Suche Traum, biete mich: Verstreute Kurzgeschichten. Gebundene Ausgabe. 2001. Carl Hanser Verlag. ISBN/EAN: 9783446200623. EUR 19,90 » Bestellen bei Amazon.de

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Blogs, die auf diesen Beitrag verlinken

  1. zuckerbrot » Blog Archiv » links for 2008-04-04 verlinkte am 4. April 2008 um 10:33 Uhr

    […] Kurt Vonneguts hinterlistige Ratschläge für kreatives Schreiben – Sehr schön. Gefunden im “literaturcafe.de […]

  2. Kreatives Schreiben mit Vonnegut » HolonBlog verlinkte am 7. April 2008 um 23:01 Uhr

    […] literaturcafe.de habe ich einen schönen Artikel gefunden: 8 wertvolle(!) Ratschläge von Kurt Vonnegut, an den an dieser Stelle auch einmal […]

  3. Digitale Notizen » Blog Archive » So schreiben Sie richtig verlinkte am 17. April 2008 um 12:22 Uhr

    […] Literaturcafe zitiert Schreib-Tipps von Kurt […]

  4. Oliver Gassner schrieb am 18. April 2008 um 03:37 Uhr

    links for 2008-04-18…

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