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Beitrag vom 16. Mai 2012 | Rubrik: Literarisches Leben

Das Mörderspiel ums Urheberrecht

Quelle: Das Syndikat / Armin Zedler

Quelle: Das Syndikat / Armin Zedler

Von David Gray – Reden wir über Mord. Und tun wir es mit einem der ganz besonderen Säulenheiligen der Literatur, von dem der bemerkenswerte Satz überliefert ist: »Wir haben lange genug aus Not gemordet, tun wir es jetzt mit Überzeugung und Geschmack.«

Weshalb wir hier über Mord reden sollten und dann auch noch im Sinne des berüchtigten Marquis de Sade, denn von keinem anderen stammt der oben zitierte Satz?

Weil Mord derzeit in aller Munde ist. Außerdem Geschmack und Not.

Vermeintlicher Mord nämlich an uns Autoren und unserem Einkommen, vermeintlicher Mord auch an der Kultur und dem literarischen und künstlerischem Niveau ganz allgemein.

Reden wir über Mord mit Überzeugung und Geschmack

Gemeint ist die aktuell in den Medien und dem Internet stattfindende Urheberrechtsdebatte. Die sich in den letzten Tagen und Wochen durch zahlreiche Artikel, Petitionen und Aktionen zu einer Art von perpetuum mobile verwandelt hat. Die dabei erreichten Geschwindigkeiten sind erstaunlich, und es darf durchaus befürchtet werden, dass den sich dabei entwickelnden Fliehkräften mehr an kulturellem Porzellan zum Opfer fallen könnte als gesund sein kann.

Einen neuen Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung mit einer Plakataktion des »Syndikats«, der Vereinigung der deutschsprachigen Krimiautoren. Ganz dem Genre verhaftet wurde bei den Plakatmotiven weder an geschminkten Leichen noch Kunstblut gespart. So splattermäßig gerieten die Motive – ich wundere mich, dass bisher noch kein Jugendschützer auf den Plan trat, um deren Verbreitung an Orten zu unterbinden, die von Minderjährigen frequentiert werden.

Das Syndikat ließ sich also nicht lumpen. Und wie es sich für eine richtige Krimistory gehört, hat man nicht nur reichlich Kunstblut vergossen, sondern auch einen fiesen Killer ausgemacht und abgebildet, der fröhlich grinsend im Angesicht von Leichenhaufen seine Opferausbeute herzeigt. Bei den Leichen, die von dem plakatierten Killer abgeschlachtet worden waren, handelt es sich um deutsche Krimiautoren. Und was den Killer – neben seiner Opferausbeute – eindeutig als Übeltäter erkennbar macht ist die Maske, die er trägt. Es handelt sich dabei nicht um irgendeinen über den Kopf gestülptem Strumpf, sondern um eine Guy-Fawkes-Maske, dem Symbol der weltweit tätigen Internetaktivistengruppe »Anonymous«.

Reden wir über Mord. Und tun wir es im Sinne des göttlichen Marquis »mit Überzeugung und Geschmack«.

An Überzeugung ist genug in die Plakatmotive geflossen. Was die Note für Geschmack angeht, hat das „Syndikat“ mit seinen Bildmotiven eine Fahrkarte geschossen.

Von Napoleons Außenminister Talleyrand, einem nicht minder berühmten Zeitgenossen des Marquis de Sade, ist im Zusammenhang mit einem gar nicht mal virtuellem, sondern sehr realen Mord das Bonmot überliefert »Das war mehr als ein Verbrechen, das war ein Fehler«.

Eine erstaunliche Naivität über die Formen der Auseinandersetzung

Es war nicht nur übertrieben und instinktlos von den Verantwortlichem im »Syndikat«, dem Killer auf ihren Plakaten eine Guy-Fawkes-Maske überzustülpen. Es war tatsächlich auch ein Fehler. Allerdings einer, der tief blicken lässt. Was da zu sehen ist? Eine erstaunliche Naivität und Unwissenheit über die Formen und Etiketten der Auseinandersetzung in Zeiten des von Social Media geprägten Internets.

Quelle: Das Syndikat / Armin Zedler

Quelle: Das Syndikat / Armin Zedler

Schon als vor Wochen die ersten Bilder zum Making-of der Plakataktion auf bestimmten Foren auftauchten und man auch noch ein Youtube-Video dazu postete, war mir klar, dass dies nicht gut gehen kann. Ja, Plakate sind ein im wortwörtlichen Sinne plakativer Imageträger. Aber für jeden mit nur ein wenig Interneterfahrung war abzusehen, dass es daraufhin zu einer Gegenreaktion von Seiten irgendwelcher Netzaktivisten kommen musste.

Es fällt mir immer noch schwer zu glauben, dass man diese einfache Rechnung im »Syndikat« nicht aufgemacht haben soll, bevor man mit der Aktion an die Öffentlichkeit ging. Jeder Krimi braucht einen Übeltäter – doch gerade Krimiautoren hätten wissen sollen, dass es schwierig wird, sobald der sich in einem bloßen Pappkameraden erschöpft. Und der Plakat-Killer mit seiner Guy-Fawkes-Maske ist genau das.

Ich kann die Ängste der Kollegen, die für die Aktion buchstäblich ihr (Kunst-)Herzblut hergaben, in großen Teilen gut nachvollziehen. Ich bin selbst Krimiautor. Und ich bin wie sie für eine ausgewogene und faire Anpassung des Urheberrechts an die Erfordernisse des Internet. Aber man darf das Medium Internet und dessen Nutzer eben auch nicht vor lauter Unsicherheiten und Beklemmungen einfach so über einen Kamm scheren oder gar in Form eines Pappkameraden dämonisieren.

Wir alle sind Teil der Internet-Revolution. Ob es uns gefällt oder nicht. Diese Revolution verändert die Art, wie wir kommunizieren, und die Art, wie wir konsumieren. Sie wird Gewinner hervorbringen und Verlierer. Auch wenn die bislang noch nicht endgültig auszumachen sind, steht fest, zu den Verlierern zählen diejenigen, die sich nicht anzupassen vermögen. Aber wirklich einfach nur hilflos ausgeliefert ist dieser Revolution keiner. Denn das ist das Besondere an ihr: Sie belohnt langfristig Kreativität, Witz und Mut. Bestrafen wird sie allerdings all diejenigen, die sich ihrer Dynamik verweigern und sie sogar noch dämonisieren, wie es das »Syndikat« mit seinen instinktlosen Plakatmotiven tat.

Reden wir über Mord.

Nachdem die ersten Pressemitteilungen und Kommentare zur Plakataktion des »Syndikats« herausgingen, wurden innerhalb weniger Stunden die eMail-Adressen und Webseiten sowohl der daran beteiligten Autoren als auch die der Aktion des »Syndikats« durch so genanntes E-Mail-Bombing attackiert. Man machte die betreffenden Kollegen und die Webseite der Aktion im Internet kommunikationsunfähig.

Das nenne ich »virtuellen Mord«.

Nicht nur ich verurteile das aufs Schärfste.

Dieses Vorgehen – falls es denn überhaupt von realen »Anonymous«-Aktivisten verübt oder auch nur abgesegnet wurde – unterbot selbst die Geschmacklosigkeit der »Syndikat«-Plakatmotive. Es beschädigte vor allem »Anonymous‘« erklärtes Ziel, sich für Meinungsfreiheit im Internet einzusetzen. Als »Anonymous« im Zusammenhang mit der Diskussion über die geplanten ACTA und SOPA Gesetzesvorlagen zeitweilig die Webseiten des FBI und des U.S.-Innenministeriums lahm legte, wurde das in weiten Teilen der Netzgemeinde als opportun wahrgenommen. Aber beim FBI und dem U.S. Innenministerium handelte es sich um Institutionen.

Privatpersonen anzugreifen, die auf ihre ganz eigene Art ihre Meinungsfreiheit im Internet wahrgenommen haben, wird bei den Netzusern als deutlich weniger cool aufgefasst.

Bizarres Mörderspiel

Auch »Anonymous« hat einen Ruf. Aber auch der lässt sich am besten immer noch selbst ruinieren. In dieser Beziehung sind sich die beiden Kontrahenten in diesem bizarren »Mörderspiel« näher, als sie es sich eingestehen wollen.

Krieg macht keinen satt. Krieg im Internet schon gar nicht. Alles, was der anrichtet, ist nur noch mehr Porzellan zu zerschlagen. Hier hat die eine Seite erschreckende Naivität gezeigt. Die andere jedoch hat diese Naivität zum Anlass für einen pubertären pissing contest genommen.

Wir alle sind Teil einer Revolution. Ob es uns gefällt oder nicht.

Revolutionen blühen im Chaos. Und Revolutionen fressen ihre Kinder, wie Pierre Vergniaud das im revolutionären 18. Jahrhundert so eindrücklich formulierte. Aber irgendwann kommt im Verlauf jeder Revolution unweigerlich die Zeit des Ausgleichs, der Verhandlungen und der Kompromisse.

Wie viel kulturelles Porzellan muss zerschlagen werden?

Es liegt vor allem an uns, den Usern, den Aktivisten und den Urhebern, zu entscheiden, wie viel Staub noch aufgewirbelt und wie viel kulturelles Porzellan zerschlagen werden muss, bevor alle Seiten in diesem Streit sich endlich an einen Tisch setzen, um gemeinsam ausgewogene Antworten für die derzeit brennendsten Fragen im so genannten »Urheberrechtsstreit« zu entwickeln.

Das hätte als angemessene Schlusspointe taugen können. Aber die wahre Pointe dieses Mörderspiels besteht darin, dass es im »Urheberrechtsstreit« ja gar nicht mal um das Urheberrecht an sich geht, sondern sich die Chose auf die simple Frage herunterreduzieren lässt: Wie wollen wir in Zukunft die Verteilung von geistigem Eigentum im Medium des Internets geregelt sehen?

Ich weigere mich einfach zu akzeptieren, dass es unmöglich sein sollte, diese simple Frage für alle Beteiligten angemessen zu regeln. Beenden wir also die Phase der Provokationen, krempeln die Ärmel auf und machen uns an die Arbeit. Sie wird kompliziert und mühevoll genug. Die Zeit drängt.

David Gray

Über den Autor dieses Artikels

David Gray ist das Pseudonym eines deutschen Journalisten und Filmkritikers. Geboren 1970 in Leipzig, weist sein Lebenslauf längere Aufenthalte in Südostasien, Irland und Großbritannien auf. Er hat einen historischen Roman, einen Polizeithriller und eine Shortstorysammlung auf amazon.de veröffentlicht.
Autorenseite von David Gray bei amazon.de

13 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Guido M. Breuer schrieb am 16. Mai 2012 um 12:13 Uhr

    Ich bin selbst einer der auf dem Herzblut-Plakat abgebildeten Autoren und finde dieses Motiv nach wie vor gut und richtig. Natürlich plakativ eben. ich will hier gar nicht wortreich auf die verschiedenen inhaltlichen Details eingehen sondern nur anmerken, dass solche Artikel wie dieser hier, der wohltuend ruhig und sachlich ist, wichtig sind für die Shitstorm-Netzgemeinde. Nach Plakataktionen und wilden Angriffen sollte die Sachlichkeit einkehren. Und in der Tat kann es kaum ums Urheberrecht im Kern gehen – niemand der sich seriös und sachkundig damit beschäftigt kann und will das kippen. Es geht um angemessene “Verwertung” kultureller “Produkte” unter Berücksichtigung der modernen Medien und um das Recht von Kulturschaffenden, von ihrer Arbeit genauso leben zu können wie jeder andere fleißige Mensch auch, der Werte für andere in einer arbeitsteiligen Gesellschaft schafft. Es geht also auch um Respekt und Anerkennung, und um Grundwerte. Vielleicht ist die Diskussion deshalb so überhitzt.

  2. Burkhard P. Bierschenck schrieb am 16. Mai 2012 um 12:27 Uhr

    Ach. Mister Gray, so typisch deutsch dieses leise Jammern über den Geschmack. In England hätte sich kaum jemand über diese drastische Satire aufgeregt, im biederen Deutschland natürlich schon. Künstler äußern sich eben mit ihren Mitteln, dazu noch ganz offen, denn jeder Autor war erkennbar. Na und? Das ist Mut! Dass sie dafür kriminell angegriffen wurden, sagt viel aus über den Zustand unserer Gesellschaft. Diesen Mut sehe ich auf der anderen anonymen Seite gerade eben nicht.

  3. Andreas Izquierdo schrieb am 16. Mai 2012 um 12:30 Uhr

    Lieber David,

    über Geschmack lässt sich immer streiten – über Cyber-Terror nicht. Man mag von den Bildern halten, was man will, eines haben sie deutlich gemacht: anonymous folgt keinen edlen Zielen. anonymous folgt ausschließlich eigenen Zielen. Und bedroht jeden, der sich dem in den Weg stellt. Dass sie hier und da Gutes getan haben – und das wird hier deutlich – ist als eine Art Kollateralschaden ihres ansonsten undemokratischen Vorgehens zu werten. Von daher hat sich die Aktion gelohnt.

  4. Eva Lirot schrieb am 16. Mai 2012 um 12:31 Uhr

    Wenn wir mit dieser “geschmacklosen” Plakataktion bewirkt haben, dass die Vergütung geistigen Eigentums in Zeiten der digitalen Revolution nun auf einer breiteren Agenda steht, dann haben wir unser Ziel erreicht. Lösungen können (und wollen!) wir nur gemeinsam finden. Dafür musste die (breite!) Aufmerksamkeit aber erst mal auf das Problem gelenkt werden – und ob uns das gefällt oder nicht: Mit einer Provokation generiert man die besagte Aufmerksamkeit eben sehr schnell.

  5. Sonja Ullrich schrieb am 16. Mai 2012 um 13:22 Uhr

    Lieber Herr Kollege Gray, war es tatsächlich ein Fehler, dem Übeltäter in den Bildern die Guy-Fawkes-Maske überzustülpen? Ich erinnere gern an Anonymous’ Netzattacken auf die Beteiligten der Aktion “Wir sind die Urheber”, in welcher die Unterzeichner kein Wort über Anonymous verloren, geschweige denn als Übeltäter identifiziert haben. Und dennoch ist Anonymous über diese Menschen virtuell hergefallen und haben sie auf übelste Weise beschimpft.
    Sie geben ja selbst zu, dass die Attacken seitens Anonymous unterdirdisch waren. Aber bitte, sagen Sie nicht, es sei instinktlos gewesen, diese Leute in den Fokus der Plakate zu rücken. Vielmehr zeigt das, was nach der Online-Debatten und -Petitionen folgten, umso mehr, dass wir völlig richtig lagen.

  6. David Gray schrieb am 16. Mai 2012 um 13:41 Uhr

    Liebe Eva Lirot, lieber Andreas Izquierdo,

    danke für die Reaktionen auf meinen Artikel. Ich bin wie Andreas der Meinung, dass sich über Cyber Terror NICHT streiten lässt, da das unter jeder Gürtellinie liegt. Dennoch macht mir nach wie vor das gefährdete kulturelle Porzellan Sorgen. Und clever und witzig kommt m. M. n. grundsätzlich besser an als haudrauf. Haudrauf funktioniert zweifellos wunderbar in der Fußgängerzone oder dem Buchladenschaufenster. Im Netz weniger. Denn dort braucht subtil zwar sicher länger um wahrgenommen zu werden, aber clever und subtil bilden auch weniger Steilvorlagen für Trolle und selbsternannte Cyber Nervtode. Und diese sind, wie Anonymous von sich selbst ja behauptet im Netz “legion” – noch mehr legion als es Aktivisten sind, oder wirklich ausgewogene Diskussionen. Dennoch hier noch einmal und ausdrücklich: Danke für Eure Meinungen / Beiträge hier.

  7. Stefan schrieb am 16. Mai 2012 um 13:48 Uhr

    “Ich weigere mich einfach zu akzeptieren, dass es unmöglich sein sollte, diese simple Frage für alle Beteiligten angemessen zu regeln. Beenden wir also die Phase der Provokationen.”

    Dem möchte ich gern uneingeschränkt zustimmen. Und habe dazu ebenso einige Gedanken aufgeschrieben: Als Autor, als Verwerter und als Benutzer von Kultur – http://tinyurl.com/Urheber-Verwerter-Verwender

  8. Silvan schrieb am 16. Mai 2012 um 15:20 Uhr

    Warum reden Autoren eigentlich immer? Warum handeln sie nicht? Es ist doch nun wirklich genug über das Thema geschrieben worden. Leute wie Cory Doctorow sind da unendlich viel weiter, indem sie neue Vertriebsformen ausprobieren und ihre Bücher nicht nur drucken, sondern auch kostenlos online stellen. Warum machen deutschsprachige Autoren das nicht? Ich kenne zumindest kaum welche. Hier in der Schweiz gibt es einen Autor namens Seyerlein, der hat sein Werk “Callasbox 2.0″ komplett online gestellt – ein kleines, feines Meisterwerk. Letztens habe ich auch von Alban Nikolai Herbst gelesen, dass er das Urheberrecht ablehnt (in seinem Anderswelt-Blog). Und ein anderen deutscher(?) Autor namens Francis Nenik macht das, glaub ich, auch. Diese Schriftsteller sind für mich unendlcih viel weiter als die ganzen Kommentatoren, die sich überall tummeln. Nicht nur in ihrem Schaffen, sondern auch in ihrer literarischen Ästhetik – Seyerlein arbeitet in seinem Buch mit feinen Soundeffekten, Nikolai Alban Herbst generell mit den Möglichkeiten digitaler Ästhetik, und Nenik veröffentlicht seinen Riesenroman als gedruckte Loseblattsammlung. Dagegen sind all die Urheberrechtsappellunterzeichner literarisch und intellektuell absolut antiquiert. Schade.

  9. Eva Lirot schrieb am 16. Mai 2012 um 16:00 Uhr

    Lieber David Gray,

    gestatten Sie mir noch eine kurze Ergänzung, bitte:
    Subtil und clever ist mir meistens auch lieber. Aber dass so gestaltete Botschaften verstanden werden, setzt doch ein gewisses Potential an bereits vorhandener Aufmerksamkeit voraus bzw. die Bereitschaft, über die Botschaft nachzudenken. Wir haben bewusst auf das plakative Bildmedium gesetzt, um schon allein durch einen flüchtigen Blick Aufmerksamkeit zu bekommen, denn das Thema gehört in den Fokus einer möglichst breiten Öffentlichkeit.
    Und ja, es war eine Steilvorlage für die selbsternannten Freiheitskämpfer im Netz. Aber auch das hatte meiner Ansicht nach insofern sein Gutes, als dass anhand deren Reaktion Folgendes klar ersichtlich wurde: Speziell dieses Klientel ist eben NICHT an einer gemeinschaftlichen Lösungssuche interessiert, sondern will allen anderen ihre Bedingungen DIKTIEREN. Und das hat mit Freiheit und Demokratie absolut nichts mehr zu tun – und ist auch sicher nicht das, was die meisten Menschen sich für die Gestaltung des Internets wünschen.

  10. Andreas Izquierdo schrieb am 16. Mai 2012 um 16:16 Uhr

    Lieber David,

    mag sein, dass die Kampagne ruppig war, aber wir sollten alle nicht vergessen, was noch vor Wochen postuliert wurde: geistiges Eigentum sei ekelhaft, Kreative nur Filter, deren Ergebnisse nur das Surrogat von anderen sei, Abschaffung der Schutzfristen, Kulturflatrate auf alles Zerstörung der Contentmafia und vieles mehr. Das Porzellan wurde viel, viel früher zerschlagen.

    @Silvan: Und wer bezahlt meine Rechnungen, wenn ich alles für lau rausgebe? Du?

  11. David Gray schrieb am 16. Mai 2012 um 16:42 Uhr

    Lieber Andreas, liebe Eva,

    ich kann das alles sehr gut verstehen, und ich sehe ja auch gar nicht “alles Porzellan” zerschlagen. Ich sah nur in der Aktion – um das vielleicht noch ein wenig mehr zu konkretisieren – die Annahme, dass es reicht gehört zu werden. Das Problem ist aber, dass die gemäßigten Aktivisten / Vorreiter / Symbolfiguren/ Netzbeteiligten innerhalb der Netzgemeinde schon zu viele und zu laute und zu schrille Töne über die Debatte gehört haben, bzw. mit zuviel Blödsinn über diese zugeschüttet worden, dass sich in ihnen – wie offengestanden in mir auch – längst ein Frustpotential über all die Halbwahrheiten und schrillen Misstöne innerhalb der Diskussion über das Thema aufgebaut hatte – und genau in diesem Moment taucht diese Plakataktion au. Kaum ein Wunder, dass sich statt eines Sixtus, Lobo, Tischer – oder wegen mir auch Gray als autor der sein geld im und mit dem Netz verdient – zuerst diese Chaoten an ihr “abarbeiteten”. Ich hab doch auch lange überlegt ob ich mir diesen Artikel wirklich antun sollte, oder besser eben nicht. Dass es einen grundlegenden “Geschwindigkeits”- Unterschied in der Wahrnehmung zwischen der Netzgemeinde und der realen Welt gibt, ist mit dem Verlauf der ganzen leidigen Affäre (für Euch sehr viel leidiger als für mich, ganz zweifellos) mal wieder (im negativen) eindrucksvoll bewiesen worden.

    @Silvan: eine Menge Autoren – neben den von Dir genannten – arbeiten doch längst mit neuen literarischen Formen / Vertriebswegen innerhalb des Netzes und zwar erfolgreich. Ich selbst gehöre dazu. Das mögen nicht immer diejenigen sein, die es ins FAZ Feuileeton bringen, aber das heisst doch gar nicht, dass diese nicht existierten, oder nur aus bestimmten Genres wie dem SF kommen.

  12. Hans Retep schrieb am 17. Mai 2012 um 15:21 Uhr

    Das geht ja nun schon einige Zeit so, dass sich zwei Lager mit allen möglichen und unmöglichen bekämpfen. In meinen Augen ist das eine rein akademische Diskussion. Viele Nutzer im Internet sind schon viel weiter als selbst die Piraten sich beim Urheberrecht trauen würden. Ich mache gerade eine etwas unfreiwillige Erhebung meiner Werke (Gedichte) im Internet und 80-90% der Kopien, die ohne zu fragen irgendwo veröffentlicht wurden, tragen nicht mal den Namen des Autors. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass eine wie auch immer geartete Reform dieses Verhalten erlauben würde, änderte sich für mich und meine Kopierer praktisch nichts. Ich dürfte weiterhin jeden einzeln anschreiben, die Kopierer würden weiterhin fröhlich vor sich hinkopieren.

    Und das ist aus meiner Sicht auch die Fehlentwicklung der Debatte. Überall heißt es, das Recht muss sich den neuen Gegebenheiten anpassen, die Urheber müssen sich neuen Herausforderungen stellen, aber niemand (außer Abmahnanwälten) sagt den Nutzern: Wenn ihr was ins Netz stellt, ist das eine Veröffentlichung. Eine Veröffentlichung unterliegt vielerlei gesetzlichen Einschränkungen: Markenrecht, Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht und die Meinungsfreiheit endet bei falschen Tatsachenbehauptungen. Das könnte jeder Access Provider, Host Provider, Communitybetreiber seinen Nutzern auf freundliche Weise mitteilen, als Service. Auch in Schulen und anderen Bildungseinrichtung könnte das gelehrt werden. So dass irgendwann es selbstverständlich würde, dass jemand, der einen Text, ein Bild, ein Video, ein Musikstück postet ohne Angabe von Urheber und Quelle automatisch gefragt würde, hast du das gemacht oder von wem ist das?

    Und wenn man halbwegs so weit ist, dann könnte man sich Gedanken machen, wie man das Urheberrecht weiter entwickelt.

  13. WortArtiG schrieb am 17. Mai 2012 um 21:57 Uhr

    @Eva Lirot
    ‘Zitat: … Speziell dieses Klientel ist eben NICHT an einer gemeinschaftlichen Lösungssuche interessiert, sondern will allen anderen ihre Bedingungen DIKTIEREN.’

    Die Plakataktion vermittelt mir, dass die beteiligten Autoren selbst genau diese Haltung vertreten. Auch mit viel Fantasie kann ich darin nicht einmal ansatzweise die Botschaft ‘gemeinschaftlicher Lösungssuche’ erkennen.

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Blogs, die auf diesen Beitrag verlinken

  1. Alice Karén (@aKaren_autorin) schrieb am 24. Mai 2012 um 00:44 Uhr

    Das Mörderspiel ums Urheberrecht – literaturcafe.de – http://t.co/iPvOKc2q Polarisierend – dafür liebe ich diese Seite so.

  2. Linkgebliebenes 4 « kulturproktologie verlinkte am 30. Mai 2012 um 16:18 Uhr

    [...] für den Schutz des Urheberrechts stark. Dabei schossen sie ein wenig über das Ziel hinaus. Beim literatucafe setzt sich David Gray mit dieser brachialen und simplifizierten Stellungnahme auseinander. Er [...]

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