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Zum Verzehr nicht geeignet: »Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach« von Julia Mattera

Julia Mattera: Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach

Ein schönes Cover, ein poetischer Titel und dazu noch bei Eichborn erschienen. Das Buch »Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach« kann man scheinbar bedenkenlos kaufen. Doch der Inhalt enttäuscht.

Es mutet wunderschön an: Den Schutzumschlag des Romans »Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach« von Julia Mattera zieren Kreise in warmen Farben und Bleistiftzeichnungen von Karotten. Das Papier des Umschlags liegt angenehm weich in der Hand. Der Titel ist poetisch, zudem ist das Werk bei Eichborn erschienen. Das Buch verspricht inhaltliche Hochwertigkeit. Ein Roman, der im Elsass spielt und in dem es um Kulinarisches geht.

Das Buch war gekauft, doch die Enttäuschung groß.

»Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach« erschien im März 2022 auf Deutsch im seit geraumer Zeit zum Lübbe Verlag gehörenden Imprint Eichborn. Der Debütroman der elsässischen Autorin kam ein Jahr zuvor in Frankreich heraus. Monika Buchgeister hat ihn ins Deutsche übersetzt.

Bereits das erste Kapitel enttäuscht. Der Dialog zwischen Bruder und Schwester wirkt unglaubwürdig. Die Figuren unterhalten sich nicht, sondern das Gesagte dient allein dazu, dem Leser Informationen zu vermitteln.

Das Zitat aus einer Rezension auf der Rückseite des Covers verspricht Poesie. Davon ist nur wenig zu erkennen. Die Poesie geht zwischen massenhaft überflüssigen Adjektiven unter. Der Roman ist voller Phrasen und Floskeln. Abgedroschen und versalzen.

Außer einer netten Idee, den gemüseliebhabenden Eigenbrötler als Protagonisten und einer lustigen Eingangs- und Ausgangsszene macht das Werk nicht viel her. Vor Klischees triefende Charaktere. Die Entwicklung des Protagonisten ist unglaubwürdig, zu schnell taut der angebliche Griesgram auf und verwandelt sich in einen sozialkompatiblen Menschen. Für einen Entwicklungsroman ist das gut 200 Seiten dünne Buch zu kurz.

Schreiben, was Leser lesen wollen und nirgendwo aneckt, ist nicht verwerflich. Das könnte man zum Beispiel auch über »Eine Frage der Chemie« von Bonnie Garmus sagen, wo dies gelungen ist.  Bei »Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach« hat man jedoch das Gefühl, das Buch sei zu sehr für den Leser geschrieben. Auf der Verlagswebsite wird das Buch als »Feel-Good-Roman« kategorisiert. Etwas zu viel Möchtegern-Feel-Good. Die Aufmachung des Buches verspricht mehr, die Lektüre selbst mundet jedoch nicht. Würde es sich um ein Taschenbuch mit der typischen Kitsch-Optik eines seichten Romans handeln und wäre es nicht bei Eichborn erschienen, würde dies dem Inhalt entsprechen. So wäre es besser verpackt und würde keine falschen Erwartungen wecken und die geeigneten Leserinnen ansprechen.

Man sollte nicht blindlings auf ein schönes Cover, einen renommierten Verlagsnamen und einen Klappentext mit süßen Signalworten wie »Essen« und »Elsass« hereinfallen. An- und Reinlesen ist immer besser. Natürlich, werden Sie jetzt sagen. Auch ich hätte es besser wissen sollen.

Ins Elsass fahre ich trotzdem bald wieder.

Juliane Hartmann

Julia Mattera; Monika Buchgeister (Übersetzung): Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach: Roman. Gebundene Ausgabe. 2022. Eichborn. ISBN/EAN: 9783847900986. 18,00 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel
Julia Mattera; Monika Buchgeister (Übersetzung): Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach: Roman. Kindle Ausgabe. 2022. Eichborn. 9,99 €  » Herunterladen bei amazon.de Anzeige

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