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wenn das schon Ihren IQ überfordert« Message-ID: <3AA516AC.1B59E433@berlinerzimmer.de> ... Hallo Malte Bremer, Wie alles begann: »Darf man das denn?« Verriss = Fair Riss? ich möchte hier keinen Kleinkrieg anfangen, dafür habe ich im Moment schlichtweg keine Zeit. Auch möchte ich mich für meine zugegebenermaßen sehr spontane und unsachliche E-Mail entschuldigen. Aber es ist einfach so: Ihr "Artikel" im Café hat mich nur verwundert, vieles ist schlichtweg falsch, was ich mit dieser Mail gern genauer erklären möchte, ich habe mir viel Zeit dafür genommen und erwarte, dass Sie es nun also auch lesen. Ihre Mail an mich aber hat mich wütend gemacht, aufgrund der überbordenden Arroganz und dem unmißverständlichen Nichtverstehenwollen, die daraus sprach. Wer anderen öfentlich derart gehässig ans Bein pinkelt, muss damit rechnen, dass zurückgespukt wird! Da ich immer noch das Gefühl habe, dass sie in Sachen Intenetliteratur recht unbedarft sind (Anm. der Redaktion: Dies ist korrekt. Malte Bremer wurde sogar gerade aus diesem Grunde vom Literatur-Café um eine Kritik gebeten, um den Text auf seine literarischen Qualitäten hin zu beurteilen.), Ihnen schlicht die Erfahrung und das Wissen fehlt, unser Buch kompetent zu besprechen, woraus Ihnen kein Vorwurf zu machen ist, denn niemand kann in allen Bereichen wirklich kompetent sein (ich persönlich z.B. kenne mich in Sachen Goethe nicht sehr gut aus), und da ich mich und die Presse mich jedoch in diesem Bereich als Kompetenz begreife, bzw. begreift (seit drei Jahren intensive Beschäftigung mit dem Thema Literatur im Netz, zahlreiche journalistische Veröffentlichungen zu diesem Thema seit zwei Jahren, diverse Fachveröffentlichungen zum Thema ebenfalls seit zwei Jahren, zuletzt im Handbuch für Autoren und Autorinnen von Sandra Uschtrin, erscheint in wenigen Tagen, www.uschtrin.de, Magisterabeit zur Netzliteratur Note 1,7, falls Sie das beeindruckt, erscheint demnächst auch als Buch, mündliche Prüfung zu demselben Thema, Note 1,3, Interviewpartnerin in Rundfunk und Fernsehen zu eben demselben Thema, zuletzt am Montag auf WDR3 in der Kultursendung Mosaik, demnächst, nächsten Montag Abend im ZDF, naja und drei Jahre Berliner Zimmer, Erosa, tage-bau ...). Ich zähle das jetzt nur mal auf, weil ich das Gefühl habe, dass Sie schwer zu beeindrucken sind, da Sie ja so beeindruckt von sich selbst sind, und damit Sie mir nun also mal glauben, dass ich weiss, wovon wir hier sprechen. Darüber hinaus habe ich viele Jahre Germanistik studiert. Sie werden mir zustimmen, dass das hier angeführte mich mindestens ebenso qualifiziert dieses Buch zu beurteilen wie Sie. So, wo Sie nun all das wissen, möchte ich einige Punkte aus Ihrer Kriitk gern aufgreifen. Der Ausdruck, zu dem alles drängt. Hier sind wir schon an einem sehr wichtigen Punkt. Sie schreiben selbst es wäre schade gewesen um den Faust, wäre er bei einem Festplattencrash verloren gegangen (Anm. der Redaktion: Dies ist leider nicht korrekt, da dieser Bezug nicht von Malte Bremer, sondern aus dem Vorwort zur Kritk stammt.). So steht es meiner Meinung noch heute um sehr viele Internet-Literaturprojekte, deren Arbeit nicht dokumentiert wird. Sie haben ja auch Germanistik studiert und wissen sicher, wie wichtig Primärquellen für die literaturwissenschaftliche Arbeit sind. Nehmen wir die Pegasus-Beiträge (ich hoffe, Sie kennen den Internet-Literaturwettbewerb von Zeit und IBM?). Die Zeit hat das Archiv aus dem Netz genommen, ich hatte für meine Magisterarbeit keinen Zugriff mehr auf die Arbeiten. Sie stehen in keiner Bibliothek, sie sind zum Großteil an keinem anderen Ort im Netz mehr zu finden, nichtmal die diversen Gewinner. Weg, alles weg! Und der letzte Wettbewerb ist erst zwei Jahre her.... Mit viel Glück und Vitamin B konnte ich der Zeit noch eine der letzten CD-ROMs abschwatzen. Wie oft schreiben uns Studenten an, wo denn nur diese Arbeiten zu finden sind! Wie soll die Literaturgeschichte des Internet geschrieben werden in einigen Jahren, wenn die Primärquellen alle nicht mehr zugänglich sind? Vor diesem Hintergrund finde ich es fast sarkastisch das Drängen zum Ausdruck zu Verurteilen! Der Druck auch unseres Buches ist richtig und wichtig, denn er schafft eben eine Dokumentation der literarischen Arbeit im Internet im Jahre 2000, zumindest hält er einen winzig kleinen Teil davon fest. Und das muss ich einem Germanisten noch erklären??? Heute habe ich der Universitätsbibliothek ein Exemplar geschenkt, erzählt wie es entstanden ist. Was meinen Sie, wie die sich gefreut haben! Und ich bin mir sicher, dass sich in einigen Jahren ziemlich viele Menschen darüber freuen werden, dass wir ein paar Exemplare in Bibliotheken verteilen. Fazit: für die Literaturwissenschaft ist dieses Buch ganz bestimmt nicht überflüssig, sondern ein wichtiges Dokument. Womit das Fazit Ihres Artikels ("völlig überflüssig!") bereits zu 100 % entkräftet wäre (Anm. der Redaktion: Das Urteil "völlig überflüssig" bezog sich nicht auf die Literaturwissenschafft (siehe Kritik).). Wie kann ein studierter Germanist so kurzsichtig sein? Hatten sie die Brille nicht auf, lag es am Wein, lag es am Weibe? Jaja, "im globalen Dorf mit Blick auf den 40 cm entfernten Tellerrand", schreiben Sie ganz zurecht und meinen damit also offensichtlich sich selbst (übrigens fehlt da zwischen 40 und cm ein Leerezeichen). Weiter. Sie wissen nicht, und behaupten niemand wüsste, wozu das Buch gut sein soll. Erstens: siehe oben. Zweitens: Bücher sind allgemein dazu da, gelesen zu werden. Es wundert mich sehr, dass Sie als Germanist darauf noch nicht gekommen sind... Ja, so einfach ist das: wir haben dieses Buch gedruckt, damit es gelesen wird. Mehr muss ich dazu ja wohl nicht sagen.... (kann ich aber: es gab einen Literaturwettbewerb, es gab Preise, einen hat der tage-bau, dies ist nun die Dokumentation des Wettbewerbs und das ist doch nciht ganz so überflüssig....) Auch für die Soziologie wird dieses Buch eine wahre Fundgrube sein! Gibt es doch Einblicke in das Lebensgefühl vernetzter Menschen im Jahre 2000 n.Chr. Meinen Sie nicht, dass könnte mal jemanden interessieren, wenn wir alle nicht mehr auf dieser Erde wandeln und uns gegenseitig nette E-Mails schreiben (die sicher auch für die Rezeption des Buches sehr interessant wären, vielleicht veröffentlichen wir noch das Buch zum Buch...)? Weiter. Die Eitelkeit der Autoren. Wenn Sie mal die Autorenbios am Ende gelesen hätten, wäre Ihnen auf gefallen, dass die meisten bereits veröffentlicht haben, ca. die Hälfte hat bereits ein ganzes eigenes Buch veröffentlicht, u.a. in Fischer-Verlag, falls sie den kennen, andere verdienen sogar Ihr Geld mit dem Schreiben wie bientexter und buh, viele haben bereits Literaturpreise gewonnen und machen ziemlich spannnende Sachen im Netz und offline. Also das kann ich ihnen versichern: die Autoren dieses Buches haben es nicht nötig, mit dieser Publikation ihre Eitelkeit zu befriedigen, das schaffen sie mit ihren eigenen Arbeiten und Büchern viel besser! Naja, und was sie ja so hintenrum auch uns, den Herausgebern unterstellen, nur dass sie leider nicht den Mut finden, uns desselben Frevels zu bezichtigen (warum eigentlich nicht? Die Buchidee war die unsrige!), aber gedacht haben Sie es doch: jede Woche ein Pressetermin reicht uns aus für diese Art der Befriedigung. Jeden Abend sitzen Enno und ich auf unserem Sofa, lesen uns gegenseitig die Artikel vor, die über uns erschienen sind, sehen uns die Fernsehbeiträge an, hören dann alle Radiobeiträge und fühlen uns so richtig toll, wirklich. Aber ich weiss ja, dass Sie mir zumindest dies glauben und bestätigen werden. Fazit: keiner vom Pixel-Ich-Team musste noch dieses Buch machen, ums seine Eitelkeit zu befriedigen, das kann man auch mit weniger Arbeit haben,wir hatten diesbezüglich alle schon unseren Höhepunkt (keine Angst, ich frage nicht, wann sie das letzte Mal einen hatten). So, was Sie auch nicht verstanden haben: der Titel des Buches. Ok, also. tage-bau.de, das ist die Domain, unter der das Projekt erscheint, das haben Sie ja wohl auch schon kapiert, da Sie geschrieben haben, Sie hätten die Seite nach meiner Reaktion auf Ihre Kritik zum ersten Mal besucht (schade eigentlich, vielleicht sollten Sie sich mal im Berliner Zimmer umsehen, gehört eigentlich zur Recherche so eines "Artikels", BEVOR man ihn schreibt, alte Journalisten-Weisheit: erst rechercheren, dann schreiben!. tage-bau.de- ein literarisches Online-Tagebuch ist der Name unseres Projektes, ok? Können Sie mir soweit folgen? Gut. Wenn nun so ein Projekt eine gewisse Zeitlang zu einem bestimmten Thema schreibt, also hier "Mein Pixel-Ich", dann ist doch alles ganz einfach: "tage-bau.de- ein literarsiches Online-Tagebuch" ist quasi der Autor, bzw. hier die Autorengemeinschaft, also der Urheber des Buches. Und dieses Projekt ist ein literarisches Tagebuch. Der Titel des Buches ist dann: "Mein Pixel-Ich". Also das literarische Tagebuch tage-bau.de hat ein Buch zum Thema "Mein-Pixel-Ich" geschrieben. Fazit: War das jetzt so schwer zu verstehen? Und: doch, es ist ein Tagebuch, es sind sogar ganz viele Tagebücher, denn die Autoren schreiben was Ihnen wichtig erscheint, sie schreiben es auch für sich, sie behalten es nur nicht für sich. Aber trotzdem ist und bleibt es ein Tagebuch, wenn auch eines, dass eben aus mehreren Tagebüchern besteht, naja, wenn das schon Ihren IQ überfordert ;-( Weiter. Was Ihre statistische Auswertung betrifft, danke dafür, hätten wir uns nicht die Mühe gemacht, das alles auszuzählen. Aber: wofür ist das gut? Was soll das? Wer will das lesen und wissen und warum? DAS ist überflüssig! Naja, zum nächsten Punkt, kann ich Ihnen auch nicht helfen, studiert haben Sie, vielleicht lag es am Wein, dass Ihnen die Texte auf den Schokoriegeln und Streichholzschachteln so poetisch erschienen sind? Weiter. Ja, wir denken, und das könnte Ihnen auch mal ganz gut tun, denken wir jetzt. Was die nun aufgeführten leeren Seiten betrifft: das ist professionelles Layout, welches Sie als Germanist schon hin und wieder vor die Nase bekommen haben sollten.... Stichwort Humor: den vermnisse ich bei Ihren Kritiken im LC durchweg. Ich glaube daher, dafür sind Sie nicht unbedingt der Fachmann. Und, was Wolfgang Tischer immer wieder betont, hier hätte endlich mal eine ernsthafte Auseinandersetzung, eine inhaltliche mit den Texte, statgefunden, wo denn??? Sie bemängel die Ausdrücke aus der Computerwelt, als "wow was ich alles kann". Was erwarten Sie denn bei einem Buch, dessen Thema das Internet ist??? Und, was ich auch Wolfgang schon schrieb: dieses Buch, diese Texte sind im Netz entstanden als niemand daran dachte, sie zu drucken. Auch das lernt man im Studium: man kann ein Buch nicht bewerten ohne seine Entstehungsgeschichte zu berücksichtigen. Man kann ein gedrucktes Netzprojekt eben nicht lesen wie einen Goethe, sondern man muss es lesen und bewerten als gedrucktes Netzprojekt. Wenn man sich dazu nicht fähig fühlt, sollte man es besser lassen, sonst kommtes eben zu so peinlichen und inkompetenten (und völlig! überflüssigen) Artikeln wie Ihrem. Das wäre als wenn man ein Boot als ein Fahrrad beurteilt und sagt: mein Gott, das Ding hat ja gar keine Räder! Was ist das für ein beschissenes Fahrrad, mit dem ich nicht fahren kann? Zu dem Thema hätte ich nun als Anregung für künftige Besprechungen, die Sie über Internet-Projekte schreiben wollen, noch ein paar Zitate aus meiner Magiterarbeit anzubieten, in der ich mich unter anderem mit kollaborativen Schreibprojekten wie dem Assoziations-Blaster oder eben auch dem tage-bau beschäftigt habe: Zum Assoziations-Blaster: "Natürlich darf man die Textqualität eines solchen experimentellen Projektes nicht mit einem herkömmlichen literaturwissenschaftlichen Anspruch beurteilen. Diesem können die meisten Beiträge nicht standhalten. Hier stehen jedoch die Spontaneität und der experimentelle, spielerische Charakter im Mittelpunkt. Bei der Bewertung von Netzliteratur darf nicht nur der Text an sich berücksichtigt werden, sondern auch die Tatsache, dass die Beiträge in den meisten Fällen direkt in das Online-Formular geschrieben werden. D.h. die Autoren haben keine Zeit, an den Texten zu arbeiten. Technik, Vernetzung, Kommunikation und Interaktivität stehen als künstlerische Stilmittel im Mittelpunkt und diese zentralen Funktionen des Internets sind hier künstlerisch nutzbar gemacht." Allgemein: "Weiterhin ist deutlich geworden, dass sich die Literatur formal verändert: die Texte entstehen spontan innerhalb weniger Minuten und sind in der Regel kurz und fragmentarisch. Diese Entstehungsbedingungen der Texte sind der Grund für die oft geringe literarische und sprachliche Qualität. Anders als bei Buchpublikationen steht diese jedoch im Internet nicht unbedingt im Mittelpunkt des literarischen Arbeitens, denn das literarische Gespräch in den Drähten ist nicht ergebnis- sondern prozessorientiert: Aber um Konzept und Qualität geht es ja im Grunde nicht, es geht nicht ums Erinnern, es geht nicht ums Dokumentieren, es geht um die Herstellung einer Gemeinschaft, es geht um Vernetzung. Diese Vernetzung trifft auf ein Bedürfnis einer Netzgemeinde, die sich nur konkret als Gemeinde erfährt: in Schreibprojekten, in Mailinglisten, in Chat- und Newsgroups, in Foren und vielleicht auch durch hinterlassene Spuren in den Gästebüchern diverser Homepages. Natürlich haben diese Gemeinschaften immer einen konkreten Leitgedanken, aber nicht nur die Chatgroups, auch ernsthafte Mailinglisten vermitteln den Eindruck, dass es v.a. darauf ankommt, beieinanderzusitzen und eines, bzw. vieler Zuhörer sicher zu sein. [...] Dieses Bedürfnis der virtuellen Gemeinschaft, das sich im Modus isolierter Vernetzung vollzieht, unterscheidet sich nicht wesentlich vom herkömmlichen Bedürfnis der Menschen nach Geselligkeit, dessen tieferer Grund wiederum der Horror vacui ist. Dieses Leiden an der Endlichkeit und letztlich Leere des Daseins ist ein altes Thema." (Simanowski) In der Hoffnung, Ihren 40 cm Tellerrand-Horizont um einige Zentimenter erweitert zu haben verbleibe ich mit freundlichen Grüßen, Sabrina Ortmann PS: ich finde schon, dass die Autoren ein Recht darauf haben, diese Diskussion mitzuverfolgen, schließlich geht es um IHR Buch. Im Internet ist nichts privat, jeder Serveradministrator kann alles lesen, kopieren, weiterschicken. Über das Netz müssen Sie wirklich noch viel lernen... Malte Bremer schrieb: > Aus einem Schreiben von Ariane Rüdiger erfuhr ich, dass Sie meine Derzeit keine Titelinformationen vorhanden. | |||
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