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StartseiteAlmtraumFolge 97 vom 7. Juli 2007

Folge 97 vom 7. Juli 2007

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Ich bin allein, dachte Stefan, umkreise den Mond und fliege an Jupiter vorbei. Das Licht der Sterne wirkte aus der Nähe viel kälter als von der Erde, wohl eine Folge der Traurigkeit, die ihn trug und sein Empfinden veränderte; sie war unendlich wie die tiefschwarze, mit Leuchtpunkten gespickte Weite um ihn herum.

Er raste durch eine Wolke, die nichts weiter als leuchtender Staub war, und tauchte in Dunkelheit, trudelte und ruderte mit den Armen, um mit dem Kopf voraus zu fallen. Ein schwarzes Loch?! Ein heller Punkt bildete sich und wurde schnell größer, verlor an Intensität und veränderte sein Farbe von Weiß in Gelb, Orange, dann Braun. Gerade Linien und Kanten bildeten sich heraus. Der Weltraum zerfloss vor seinen Augen in dunkelbraun und formte sich zu parallelen Linien.

Stefan zog den Schlafsack höher an das Kinn und schloss die Augen. Manchmal schaffte er es, einen schönen Traum einzufangen und ihn im Wiedereinschlafen fortzusetzen. Heute hatte er kein Glück. Nach einer Viertelstunde war er hellwach, zog sich an und machte Feuer im Herd. Das Kaffeewasser setzte er auf dem Gaskocher auf, es würde noch eine Weile dauern, bis der Herd genügend Hitze abgab.

Bettina betrat barfuß den Wohnraum, in einem blauen Pyjama mit Kuschelbären-Muster.

Stefan legte Messer und Gabel auf dem Tisch aus. »Hallo! Haben Sie gut geschlafen?«

»Autsch«, antwortete Bettina. Sie humpelte zur Bank.

»Zeigen Sie mal.« Er hob das Bein, das sie angewinkelt hielt, und beugte sich zum Fuß hinunter. Sie klammerte sich mit beiden Händen an der Bank fest.

»Seien Sie nicht so rüde«, beschwerte sie sich.

»Ein Holzsplitter. Vom Brennholz.« Er strich ihr mit dem Daumen über die Fußsohle. Sie zuckte heftig und trat ihn beinahe in den Bauch.

»Ich brauche keine Massage, sondern eine Pinzette«, beschwerte sie sich.

»Im Leben gehen nicht alle Wünsche in Erfüllung.«

»Geht das schon wieder los!« Sie dehnte das wieder zu einem Bogen, an dessen Ende sie ihm den Fuß aus der Hand zog und ihn vorsichtig mit der Hacke auf die Dielen setzte. »Ich habe mich über Sie geärgert. Haben Sie gestern Abend Ihre Seele befreit? Oder bleibt nur mein Dank für die Rücksicht, dass ich mich ungeniert waschen durfte?«