Ein Slammer gewinnt Kabarett-Preis in Rottweil

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Am Freitag, 23. März, wurde der 5. Rottweiler Kabarettpreis vergeben, ein entsetzlicher, kitschig-vergoldeter Rottweiler: was der Gewinner Marc-Uwe Kling wohl damit anstellt? Als letzter der 7 Bewerber erhielt er einstimmig den Jurypreis und hätte eigentlich auch den Publikumspreis gewonnen, aber die Bedingungen sahen vor, dass Publikumspreis und Jurypreis nicht auf eine Person fallen dürfen: so bekam den Publikumspreis nicht weniger verdient »Deutschlands jüngster Solokabarettist« Erik Lehmann, der als Vorletzter auftrat. Beide sind unverwechselbar: Marc-Uwe Kling bissig und souverän, er erinnert mit seinen Minisongs und Kurztexten an die besten Zeiten von Insterburg & Co, nämlich genau so herrlich albern, aber dafür sehr viel politischer, während Erik Lehmann zunächst mit einer brillanten, aber zu lang geratenen Stoiber-Parodie (allmählich mag man das auch nicht mehr sehen, zu viele machen ihn nach, da er ein dankbares Objekt ist, zudem gehört er inzwischen eher zu den erledigten Fällen), dann mit einem fiktiven Online-Kriegsspiel, in dem man mit wirklichen Bombern wirkliche Ziele ausrotten konnte, z. B. die Klinik Rottenmünster in Rottweil: Er hatte sich mit den lokalen Gegebenheiten sehr zum Vergnügen des Publikums vertraut gemacht. Gefallen haben auch die einzigen Amateure unter all den Profis, nämlich die Blonditen auf ihrer etwas zu vollen Bühne mit Auszügen aus ihrem Programm »Wäre ich du, würde ich lieber ich sein!«: Sehr gut getroffene Typen, fantastischer Gesang, ein ruhiger und vergnüglicher Schlagabtausch zwischen zwei »besten Freundinnen«.

Und sonst? Vera Badt überzeugte mit Gesang, Zauberei, Gedichtvortrag – das war gelungene Kleinkunst, aber viel zu wenig Kabarett, sie passte eigentlich nicht in diesen Rahmen: Man fragte sich, warum sie dafür von der Jury ausgesucht wurde; das Bundeskabarett  langweilte eher mit  seiner abgedroschenen Ossi-Wessi-Schiene, zudem überzogen sie trotz aller Signale selbstherrlich die festgesetzten 20min; das »politische« Duo wacker & wehn gibt Rätsel auf: Warum tobt Wacker über die Bühne? Warum trifft er beim Singen die Töne nicht richtig? Was ist so bedeutsam an Telenovelas, Vorabend- und Kochsendungen? Warum spießt er am Ende seinen Teddy auf? Jedenfalls haben die pünktlich Schluss gemacht; schließlich (aber eigentlich hatte er den ersten Auftritt) gab es noch Volker Diefes, der sich trefflich im deutschen Comedy-Flachsinn suhlt, ein nachgeradezu peinlicher Auftritt, danach konnte es eigentlich nur besser werden! Schade eigentlich, denn die letzte Zugabe, seine Grönemeyer-Parodie unter Zeitdruck und improvisiert, zeigte, dass er eigentlich etwas kann …

Nach der Bekanntgabe der Gewinner legten Marc-Uwe Kling und Eric Lehmann noch einmal los und gaben unaufgefordert einige bitterböse Frechheiten zum Besten: Was ein grandioser Abschluss!

P.S.: Fotos der Mitwirkenden und vor allem vom goldenen Rottweiler gibt’s bei der Neuen Rottweiler Zeitung.

3 Kommentare

  1. Es tut schon weh, wenn man das liest. Aber vielleicht ist es besser wenn man an solch einem Abend auch anwesend ist, als irgendeinen Schwachsinn abzulassen. Aber mit Kritik muss man umgehen können, wenn man sich auf eine Bühne traut und da sollten sich gewisse Personen, doch ein wenig konkreter ausdrücken als Für oder Gegen jemanden zu sein. Nein Danke zu diesem Eintrag. Und nein Danke zu “Wäre ich Du, würde ich lieber nichts sein”!!

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