Richard Stark: Fragen Sie den Papagei – Gekonntes Schriftstellerhandwerk

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Cover: Richard Stark - Fragen Sie den PapageiSelten ist die Sprache eines Romans so eng am Geschehen wie bei Stark. Man könnte sie sachlich nennen – oder kalt. Ohne Schnörkel treibt sie die Handlung voran.

Und da ist die Hauptfigur Parker. Ein Mann ohne Vornamen und ohne Gefühl, ein Profi, ein Krimineller. Auch er treibt die Handlung konsequent voran.

»Fragen Sie den Papagei« von Richard Stark ist ein Roman für die, die etwas anderes lesen wollen als die immer gleichen Gut-gegen-Böse-Geschichten. Es ist nicht so, als empfände man irgendwelche Sympathien für Parker, der kaltblütig stiehlt und mordet, wenn es die Situation erfordert – Handwerk eben. Man folgt ihm mit Neugier und einer gewissen gruseligen Bewunderung darüber, wie professionell er seinen dunklen Weg geht.

Gleich der erste Satz des Romans wirft Parker und den Leser in die Handlung: Als der Hubschrauber nach Norden abdrehte und hinter der Hügelkuppe verschwand, trat Parker unter dem Baum hervor, wo er gewartet hatte, und stieg weiter bergauf.

Nach einem missglückten Bankraub trifft Parker auf der Flucht den Rentner Tom Lindahl, bei dem er nicht nur unterkommt, sondern der Parker sogar vorschlägt, gemeinsam die Wochenendeinnahmen einer Pferderennbahn zu stehen. Vor Jahren war Lindahl dort beschäftigt und entlassen worden, nun will er sich rächen. Profi und Amateur arbeiten plötzlich zusammen, wobei man als Leser weiß, dass Parker nie mit jemandem zusammenarbeitet, sondern nur seine Ziele verfolgt.

Doch in dem kleinen vergessenen Nest an der amerikanischen Ostküste ahnen bald einige, dass Parker kein alter Bekannter Lindahls ist, sondern der gesuchte Bankräuber. Die Lage wird heiß, doch Parker bleibt eiskalt.

Richard Stark ist eines der Pseudonyme des Schriftstellers Donald E. Westlake. Die Figur des Parker erschuf Stark bereits 1962. Stark ist Jahrgang 1933. 1967 wird der erste Parker-Roman unter dem Titel »Point Black« mit Lee Marvin verfilmt. Der letzte Parker-Roman erschien 1974, dann machte Stark 23 Jahre mit dieser Serie Pause, 1997 folgte ein weiterer Titel. »Fragen Sie den Papagei« schließlich erschien in den USA 2006, auf Deutsch nun bei Zsolnay.

Am präzisen Stil Starks kann man sich erfreuen. Kein Wort scheint zu viel, auch in den Dialogen nicht, die grundsätzlich – wenn überhaupt – mit dem Verb »sagen« versehen sind, um den jeweiligen Sprecher zu nennen.

Daran, dass man sich auch an der deutschen Fassung so erfreuen kann, trägt ein weiterer Meister seines Faches bei: Dirk van Gunsteren hat den Text hervorragend übersetzt, keine amerikanische Redewendung, kein unnötiges amerikanisches Wort bleibt bestehen, selbst ein Fast-Food-Restaurant wird zum Schnellimbiss.

Hier liest man keinen Hollywood-Streifen mit überflüssigen Spezialeffekten, sondern einen spannenden Krimi in Schwarzweiß, auch wenn die Seele der Hauptfigur tiefschwarz ist.

Wolfgang Tischer

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4 Kommentare

  1. Krimikiste » Archive » Folge 121 - Die Krimikiste stellt vor: Richard Stark “Fragen Sie den Papagei”

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