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Beitrag vom 28. März 2013 | Rubrik: Literarisches Leben

Vorsicht Buch! Darf der Börsenverein mit Facebook zusammenarbeiten?

Vorsicht Buch: Alexander Skipis

Alexander Skipis (Foto: literaturcafe.de)

Zur Leipziger Buchmesse startete der Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine Werbekampagne für das Medium Buch. Die Aktion unter dem ironischen Motto »Vorsicht Buch!« ist mit einem Gesamtbudget von 3 Millionen Euro auf drei Jahre angelegt.

Auf der Messe waren die üblichen Werbemittel zu sehen: Plakate, Buttons, Aufkleber und Luftballons. Neben der URL der Kampagnen-Website wird damit eine Facebook-Seite beworben.

Moment! Facebook? Der US-Konzern tritt das Urheberrecht mit Füßen und fördert Urheberrechtsverletzungen. Außerdem verstößt das Unternehmen nach Meinung von Experten gegen deutsche Datenschutzgesetze.

Darf sich der Börsenverein, der immer wieder »ein starkes Urheberrecht« fordert, über alle Bedenken hinwegsetzten, wenn es um die eigene Sache geht? Wir haben bei Alexander Skipis nachgefragt, dem Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.

Interview mit Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels

literaturcafe.de: Herr Skipis, aktuell ist die Kampagne »Vorsicht Buch!« schwerpunktmäßig auf den stationären Buchhandel ausgerichtet. Sind später – neben den Aktivitäten auf Facebook – Online-Aktionen geplant? Bannerschaltungen? Google-Anzeigen? Blogger-Aktionen oder anderes?

Alexander Skipis: Die Kampagne will sowohl Aufmerksamkeit auf das Buch lenken als auch den stationären Handel stärken. Wir bieten unseren Mitgliedern jetzt schon Verlinkungs- und Beteiligungsmöglichkeiten über Webbanner, Logos und Signaturen an. Darüber hinaus sind auch Online- und Blogger-Aktionen geplant. Es wird eine Zusammenarbeit mit den Social-Media- und Web-Verantwortlichen sowie Bloggern geben. Anstelle von Google-Anzeigen setzen wir zurzeit noch auf Facebook-Ads. Zudem kooperieren wir in der PR mit ausgewählten Online-Medien, z.B. Advertorial auf bunte.de, mit »Ein Herz für Kinder/bild.de« etc. Das führen wir in den kommenden Monaten weiter fort.

Werbemittel »Vorsicht Buch!«

literaturcafe.de: Online setzen Sie neben einer Info-Website zur Kampagne schwerpunktmäßig auf Facebook, wo es eine Fanseite und eine Facebook-App zum Kampagnenmotiv gibt. Die Facebook-URL findet sich auch auf Werbematerialien. Nun gilt gerade Facebook als ein Unternehmen, das Urheberrechte mit Füßen tritt und sich immer wieder deutschen Datenschutzgesetzen entzieht. Andererseits kommt man fast nicht um diese Plattform herum. Dennoch: Wäre es für den Börsenverein nicht konsequenter, nicht mit Facebook zu arbeiten? Man könnte dies ja auf der Website begründen.

Wie verträgt sich der Forderung nach einem »starken Urheberrecht«, wenn man für Reichweite und zeitgemäße Zielgruppenansprache doch auf Facebook setzt?

»Ein klassisches Dilemma«

Alexander Skipis: Wir stehen da tatsächlich vor einem klassischen Dilemma: Facebook hat als Kommunikationsplattform weltweite Bedeutung für Informations- und Meinungsbildung erlangt, die es schlicht unverzichtbar macht. Deshalb hat sich der Börsenverein entschieden, im Rahmen seiner Kampagne auf Facebook zu setzen. Dies, obwohl er die Bemühungen von Facebook, Urheberrechtsverletzungen auf ihren Plattformen zu unterbinden, für absolut unzureichend hält. Der Börsenverein setzt dagegen, gerade mit einer urheberrechtlich sauberen Kampagne der Öffentlichkeit und nicht zuletzt Facebook selbst zu zeigen, dass Social Media-Geschäftsmodelle in vollem Respekt für geistiges Eigentum und seine Schöpfer funktionieren können. In der Tat tritt der Börsenverein für ein starkes Urheberrecht und seine Durchsetzung ein, da es die Existenzgrundlage aller Kreativschaffenden ist.

Wir werden aber die Diskussion zu Urheberrechtsverletzungen in den sozialen Medien ebenso führen müssen wie die weitergehenden erheblichen rechtsstaatlichen Fragen zu Unternehmen, die im Rahmen verfassungsrechtlich geschützter Meinungsbildung mittlerweile Funktionen übernommen haben, die ihrerseits Bestandteil verfassungsrechtlicher Betrachtungen sind.

literaturcafe.de: Sie setzen lobenswerterweise auf der Kampagnen-Site nicht den Like-Button ein, sodass Nutzer nicht schon beim Aufruf der Site durch Facebook getrackt werden. Stattdessen erfolgen normale Links auf Facebook – jedoch ohne Datenschutzhinweis. Eine bewusste Kompromisslösung?

Alexander Skipis: Ein Datenschutzhinweis findet sich durchaus auf der Website – mit Bezug auf den auf der Seite genutzten e-Tracker [Ein Dienst zur Website- und Besucher-Analyse. Anm. der Redaktion]. Datenschutzhinweise zur Nutzung von Facebook werden ebenda von Facebook selbst angeboten; wir können nicht die Nutzungsbedingungen von Facebook vorgeben oder beeinflussen. Bestehende Facebook-Nutzer haben den allgemeinen Geschäftsbedingungen des Netzwerks bereits zugestimmt.

literaturcafe.de: Es fällt auf, dass die Kampagnen-Website nicht suchmaschinenoptimiert ist. Der Titel ist beispielsweise zu lang, die im Quellcode hinterlegte Beschreibung hat mehr als die üblichen 265 Zeichen, und die Keyword-Dichte ist nicht ausreichend, um Gewichte zu setzen. Wird es hier noch Optimierungen geben, oder ist dies ein bewusster Schritt des Understatements?

Alexander Skipis: Das ist richtig, die Seite ist zurzeit noch nicht ausreichend suchmaschinenoptimiert. Wir arbeiten allerdings bereits mit unserer Agentur an der SEO.

literaturcafe.de: Herr Skipis, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

1 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Anja Hofer schrieb am 2. April 2013 um 10:01 Uhr

    Na ob “das Buch” im Zeitalter von Amazon und Bestsellerlisten noch eine Werbekampagne braucht?

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