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Gestern ließ ich mich
von Monica verführen. »Komm doch mit«, säuselte sie, »nur einmal!«. Wir hatten
Mittagspause, hungernd nach Süßem und nach Nikotin zog es sie hinunter in die Cafeteria.
Standhaft hatte ich in den letzten Wochen diese Dunsthöhle gemieden.
War es so schlimm, wieder mal mit Rauchern unter sich zu
sein? Einmal nur, außerdem sah Monica im schicken Kostüm umwerfend appetitlich aus. Und
ihre Lippen!
Warum bin ich nie konsequent? Meinen Fehltritt habe ich bitter bereut.
Ich blieb passiv, es war Monica, die sich den Stängel immer wieder zwischen die Zähne
schob - und zog, ich hielt die Luft an. »Hör doch auf«, wollte ich sagen, und hatte
doch nicht den Mut.
Erst nachdem sie den Stängel gierig ziehend zu einem Stummel
verkürzt hatte, schien sie genug zu haben. Ich hätte explodieren können.
Das halbstündige Abenteuer mit Monica bezahlte ich mit
tränenden Augen und Kopfweh, wieder zu Hause musste ich sofort unter die Dusche, meine
vorher noch frische Kleidung war reif für Reinigung und Waschmaschine. Hildegard
schäumte:
»Du wolltest doch nie wieder
.«
»Ich habe doch auch nicht
«, fiel ich ihr ins Wort,
»wirklich!« In der Nacht wälzte ich mich ruhelos im Bett, von Hustenanfällen gepeinigt
und von Albträumen verfolgt. Immer wieder umschwebte mich lockend Monicas Schmollmund.
Kurz vorm Kuss aber entblößte sie verfaulte, schwarz-gelbe Zähne, ihrem Rachen entwich
ein Pesthauch, der mir den Atem raubte. Zerschlagen und zitternd wachte ich am Morgen auf.
Nie wieder werde ich mich auf ein Abenteuer mit Monica oder
mit anderen Oral-SünderInnen einlassen. Ich habe es Hildegard hoch und heilig
versprochen: »Saubere Wäsche, Ehrenwort!«Wilhelm Weller |