
Am 7. Januar 2026 wurde die 37-jährige US-Bürgerin Renée Nicole Good in Minneapolis von einem Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE erschossen. Good, die wenige Blocks von ihrem Zuhause entfernt ums Leben kam, war Mutter von drei Kindern und preisgekrönte Lyrikerin.
Im Dezember 2020 hatte Renée Nicole Good ihr Anglistikstudium an der Old Dominion University in Virginia abgeschlossen. Noch im selben Jahr gewann sie unter ihrem damaligen Namen Renée Nicole Macklin den renommierten Academy of American Poets Prize für ihr Gedicht »On Learning to Dissect Fetal Pigs« (Wie man lernt, Schweineföten zu sezieren), wie die FAZ berichtet.

Das Gedicht kreist um Wissenschaft, Glauben und die Frage nach dem Wesen des Lebens. Es endet mit den Zeilen (Übersetzung von literaturcafe.de):
Leben ist lediglich
Eizelle und Spermium
und wo die beiden sich begegnen
und wie oft und wie gut
und was dort stirbt.
Kent Wascom, Professor an der Old Dominion University, beschrieb Good gegenüber dem Nachrichtensender CNN als außergewöhnliche Studentin, die trotz Schwangerschaft und Beruf hervorragende Leistungen erbrachte. Besonders hob er hervor, dass sie nicht nur über sich selbst schrieb, sondern über andere Menschen und deren Lebensumstände.
Goods Mutter Donna Ganger sagte dem Minnesota Star Tribune: »Renee war einer der freundlichsten Menschen, die ich je kannte. Sie war extrem mitfühlend. Sie hat ihr Leben lang Menschen gepflegt.«
Widersprüchliche Befehle
Die tödlichen Schüsse auf Good wurden während einer groß angelegten ICE-Razzia abgegeben, bei der das US-Heimatschutzministerium 2.000 Beamte in die Region Minneapolis-Saint Paul entsandt hatte. Good hatte ihren Honda Pilot quer auf der Straße geparkt und blockierte damit eine Fahrspur. Videoaufnahmen zeigen, wie zwei ICE-Agenten auf ihr Fahrzeug zugehen. Einer fordert sie auf wegzufahren, ein anderer befiehlt ihr, aus dem Auto auszusteigen. Als Good versucht wegzufahren, eröffnet einer der Beamten sofort das Feuer auf die Fahrerin und trifft sie, laut Medienberichten, in den Kopf. Das Fahrzeug prallt gegen ein geparktes Auto.
Die Trump-Regierung behauptete anschließend, Good habe versucht, einen Beamten mit ihrem Fahrzeug zu überfahren. Videoaufnahmen und Augenzeugen widersprechen dieser Darstellung deutlich. Minneapolis‘ Bürgermeister Jacob Frey nannte die Version der Regierung »Bullshit« und forderte ICE auf, die Stadt zu verlassen. Das FBI untersucht den Vorfall. Mittlerweile gibt es einen ausführlichen Wikipedia-Eintrag zu diesem Vorfall.
Proteste in Minneapolis und landesweit
Noch am selben Abend versammelten sich Hunderte von Menschen zu einer Mahnwache am Tatort. Laut Washington Post entwickelten sich in den folgenden Tagen landesweite Proteste gegen das Vorgehen von ICE. Ein Augenzeuge berichtete: »Menschen in unserer Nachbarschaft wurden sechs Wochen lang von ICE terrorisiert.«
Good hinterlässt drei Kinder aus zwei Ehen. Ihr zweiter Mann verstarb 2023. Eine GoFundMe-Kampagne für ihre jetzige Partnerin und den sechsjährigen Sohn sammelte innerhalb von zwei Tagen über 1,5 Millionen Dollar ein und wurde mittlerweile beendet.
Laut NBC News hatte Good mit ihrer Partnerin und ihrem jüngsten Sohn in Minneapolis gelebt. Die Familie war 2024 zunächst nach Kanada gezogen, wie ein Nachbar berichtete – offenbar als Reaktion auf Donald Trumps Wahlsieg. Später kehrten sie in die USA zurück.
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