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Wellers Wahre Worte am Café Tisch
Januar 2005 - Die monatliche Kolumne von Wilhelm Weller


Jahresrückblick 2005 - Was wirklich wichtig war

Wilhelm Weller


Der Avantgarde verpflichtet kann man nicht Sendern wie ZDF oder RTL hinterherhinken… auch nicht bei einem Jahresrückblick. 2004 war vorgestern, bei Günther Jauch. Hier also der Jahresrückblick auf 2005.
    Was bewegte die Gemüter, was war wirklich wichtig?

Ein Schock für viele war sicher die Trennung von Hilde und Stefan Umwinkel aus Mörfelden - dabei hatten beide noch am 3. Januar ihre Silberne Hochzeit gefeiert.
     Die Begründung von Hilde, geäußert gegenüber einem BILD-Reporter am 7. Januar, war denkbar kurz: »Mir reicht es einfach.« Stefan Umwinkel verweigerte jeden Kommentar. Gegenüber Bekannten soll er jedoch geäußert haben, sich für ein halbes Jahr in ein Kloster zurückziehen zu wollen.

Zwei Wochen später, am 21. Januar, erlebte Horst Neuberger aus Hildesheim den, nach eigenen Worten, »glücklichsten Tag meines Lebens«. 3 Richtige im Lotto und das nach einer 20 Jahre andauernden Pechsträhne. Er habe sogar seinen Glauben an Gott zurückgewonnen.
     Eine Ermutigung sicher nicht nur für ihn, sondern auch für Tausende andere Lottospieler.

Am 27. Februar wurde Rommel (8) gegen 22 Uhr 13 beim Überqueren der Auheimer Straße in Klein-Krotzenburg überfahren. Der graugetigerte Kater hatte Julchen verfolgt, eine 2 Jahre jüngere schwarze Rassekatze, um die er schon wochenlang gebalzt hatte.
     Das tragische Ereignis führte zu einem Zerwürfnis zwischen dem Hause Monatzki, in dem Rommel zu Hause war, und dem Hause Kaputsch, in dem Julchen, alias Heidi, alias Blacky - manchmal - zum Essen einkehrte.

Zwei Wochen später schließlich das Ereignis, mit dem kaum noch jemand gerechnet hatte: Johannes Paul II. erklärt einer völlig überraschten Weltöffentlichkeit seinen Rücktritt als Papst. Er wolle sich endlich um seine Briefmarkensammlung kümmern, so seine Begründung, die allerdings nicht jeden überzeugen konnte.

Durch ein Selbstmordattentat kam am 14. April Osama Bin Laden in der Nähe der pakistanische Grenzstadt Chaman ums Leben. In den Wochen zuvor war ein interner Konflikt zwischen dem jordanischen Topterroristen Sarkawi und dem Chef von Al Kaida eskaliert. Sarkawi und Bin Laden beschuldigten sich wechselseitig, Agenten des amerikanischen Geheimdienstes CIA zu sein. Unklar blieb, ob Sarkawi das von der amerikanischen Regierung ausgelobte Kopfgeld auf Bin Laden in Höhe von 25 Millionen Dollar erhielt.

Im Juni kam der scheidende Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer ins Gerede. Durch eine Indiskretion seines Steuerberaters wurde bekannt, dass er schon seit 5 Jahren auf der Gehaltsliste der bayerischen CSU stand - mit monatlich 3.000 Euro. Der bis dahin als integer geltende Manager gab vor, im Konzern für eine christlich-soziale Betriebsordnung geworben zu haben, was seinen Kritikern als Erklärung jedoch nicht genügte.

Am 12. September schließlich das Ereignis, das die Welt so grundlegend veränderte. Durch eine atomare Kettenreaktion im Erdkern, dessen Temperatur sich urplötzlich von 6.000 Grad Celsius auf ca. 57.000 Grad Celsius nahezu verzehnfacht hatte, kam es zu einer gewaltigen Explosion, die den Planeten in zwei Teile riss, die inzwischen in unterschiedliche Umlaufbahnen um die Sonne einschwenkten.
     Ein Ereignis, das seriöse Wissenschaftler schon deswegen für unmöglich erachtet hatten, weil es von der BILD-Zeitung Ende 2004 nach dem großen Seebeben im Indischen Ozean schwarzmalend prophezeit wurde. Durch einen irrwitzig anmutenden Zufall wurde die Erde auf der eurasischen Kontinentalplatte nahezu exakt entlang der früheren innerdeutschen Grenze auseinander gesprengt.

Den Umständen entsprechend umfasst dieser Jahresrückblick für die folgenden Monate vor allem Ereignisse auf der Westerde.
Da sich die Regierungsmitglieder zum Zeitpunkt des großen Knalls fast ausnahmslos in Berlin befanden, musste anschließend für Westdeutschland bzw. die auf der Westerde liegenden alten Bundesländer eine neue Regierung gewählt werden.
     Erwartungsgemäß konnte sich bei der Wahl am 3. Oktober die CDU/CSU mit dem unbestrittenen Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber durchsetzen. Stoiber: »Alles hat seine Zeit.«
     Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, Kandidat der SPD, war mit 11,3% chancenlos.
     In den neuen Bundesländern auf der Osterde regiert dagegen seit dem 17. Oktober eine große SPD-CDU-Notstandskoalition.

Angela Merkel erklärte sich zur Überraschung vieler bereit, unter Gerhard Schröder als Außenministerin zu dienen.
     Joschka Fischer will angesichts der neuen Weltlage die Situation analysieren und die gewonnenen Erkenntnisse anschließend in einem Buch der interessierten Öffentlichkeit darlegen.

Im November gelang es der NASA mit einem gewagten Manöver, den ins Trudeln geratenen Erdtrabanten wieder auf Kurs zu bringen. Im Mare Imbrium wurden 25 Wasserstoffbomben zur Explosion gebracht, die zusammen eine Sprengkraft von 3.000 Megatonnen besaßen. Die Schubkraft der gewaltigen Explosion brachte den Mond auf eine neue Umlaufbahn um Ost- und Westerde, die einer flachliegenden 8 ähnelt.
     Eine entscheidende Rolle für das Gelingen des Manövers spielte die Europäische Raumfahrtbehörde ESA, deren Berechnungen die exakte Lokalisierung für die Sprengung im Mare Imbrium möglich machten.

Das auch so schon dramatisch verlaufende Jahr 2005 gipfelte im Dezember in einem weiteren historisch zu nennenden Ereignis. Am 11. 12. , dem 3. Advent, landete in der kleinen badischen Gemeinde Kürnbach ein extraterrestrisches Raumschiff.
     Ein im Raumschiff mitreisender Dolmetscher berichtete dem für Lokales zuständigen Reporter der Nürtinger Zeitung, man komme aus dem Sternsystem Epsilon Eridani. Das 3 Monate zurückliegende Auseinanderbrechen der Erde sei dort bemerkt worden und man habe nun nach dem Rechten sehen wollen.
     Schon einen Tag nach Ankunft der Außerirdischen wurde eine Städtepartnerschaft zwischen Kürnbach und der Kapitale von Epsilon Eridani vereinbart.

Am 23. Dezember verirrte sich eine vermutlich an anderer Stelle ausgesetzte Hauskatze in den Vorgarten von Heinz Monatzki in Klein-Krotzenburg. Der noch immer den Tod seines Katers Rommel betrauernde 62 Jahre alte frühberentete Forstbeamte schloss das kläglich miauende Tier sofort in sein Herz.

Irgendwie wurde doch noch alles gut.

Wilhelm Weller


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