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DIE BALLADE VOM BLONDEN BIEST
von Sabine Platz

Erinnert ihr euch noch? An eine Zeit, in der Blondinen noch nicht blöd waren oder, anders gesagt, nicht ständig beteuern mussten, wie belesen sie waren, um Bösen Buben, die sie bespöttelten und bekrittelten, zu beweisen, dass sie nicht beschränkt waren? Bibi Jones, Bo Derec (noch ein Baby) und andere waren bedenkenlos blond oder besuchten den Barbier, um es zu werden.
     Sie alle wurden in den Schatten gestellt von einer, die besonders bezauberte und und betörte. Nicht nur ihr Blondhaar, auch ihr beachtlicher Busen (echt, Boys, kein billiger Ersatz!), ihre Beine, ihre Lippen wurden besungen und bestaunt, von Bernard bewundert und von Beatrice beneidet.
     In ihrer Blütezeit konnte man sie beinahe täglich im Blätterwald der Boulevardpresse betrachten. Ob im Ballkleid, im Ballettröckchen oder im Bikini beim Baden in Biarritz, ihr Bild betörte und ihr Blick bezirzte. Als B.B. wurde sie von Berlin bis Bali bekannt und berühmt. In ihrer Landessprache hört sich das an wie »Baby«.
     Bedauerlich war, dass Paparazzi, diese Barbaren, diese Beulenpest, die beliebte Blonde Tag und Nacht belagerten, was sie nur bedingt beglückte und bald bestürzte, bedrückte und beleidigte. Deshalb beschloss sie, ihrer Bilderbuchkarriere im beileibe nicht biblischen Alter von neununddreißig Jahren bye bye zu sagen, was ihrer Bewunderer betrübte. Man hörte nicht mehr viel von ihr, und sie verschrieb sich mit Blondhaar, Busen und Beinen bis auf den heutigen Tag ganz und gar dem Schutz bedrohter Tiere.
     Neulich sah ich ihr Bild im bunten Blatt. Bloß ein bisschen älter, beleibter, aber immer noch bezaubernd. Ihre Biografie hat sie auch schon geschrieben.

Erinnert ihr euch noch an sie?

© 1998 by Sabine Platz. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

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